154 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1916.
de Bilt manche in den Seewartekarten nicht zum Ausdruck kommenden, aber
sehr annehmbaren Einzelheiten der Wärmeverteilung in den tropischen Breiten
des Indischen Ozeans, Wie groß die Unterschiede manchmal sind, wolle man
daraus ersehen, daß z. B. im Juni die mittlere Lufttemperatur von 27.5° auf der
östlichen Seite des Ozeans für einen von Süd nach Nord gehenden Beobachter
nach dem niederländischen Atlas schon südlich von der Sunda-Straße auf 10° S-Br.
erreicht wird, nach den Karten der Seewarte aber erst vor Rangun unter 16° N-Br.
Der Verlauf der Wasserisothermen erbringt, wie dies in dem Material
begründet ist, eine ungleich vollkommenere Übereinstimmung der Arbeiten der
beiden Institute; hier können wir schon recht gesicherte, ja, vielfach endgültige
Ergebnisse feststellen. Daß der niederländische Atlas auch Karten der Sturm-
bahnen, Eis- und Windgrenzen, der Schiffswege u. a. m. enthält, wurde bereits
in der Voranzeige 1911 erwähnt.
Wenn in den vorstehenden Zeilen die Würdigung des nun abgeschlossenen
großen Karten- und Tabellenwerkes des Königlich Niederländischen meteorologischen
Institutes über die ozeanographischen und meteorologischen Verhältnisse des
Indischen Ozeans häufig zu Bezugnahmen auf ähnliche Arbeiten der Seewarte
geführt hat, so wird man dies begreiflich finden. Die beiden wissenschaftlichen
Institute in de Bilt und Hamburg haben von jeher die nächsten Beziehungen
zueinander unterhalten und mehrere Male zur Lösung einer Aufgabe ihre Kräfte
unmittelbar vereint. Aber auch wenn, wie im vorliegenden Falle, die angewandten
Methoden und Endziele der Arbeit da und dort verschieden sind, ja, gerade
dann kommt es zu einem Fortschritt der wissenschaftlichen Erkenntnis und zu
neuer Problemstellung. Auch von diesem Gesichtspunkte aus begrüßen wir die
große neue Veröffentlichung des niederländischen meteorologischen Instituts,
Es liegen nunmehr so viele und brauchbare neuzeitliche Bausteine zu einer
naturwissenschaftlichen Beschreibung des Indischen Ozeans vor, daß eine geo-
graphische Monographie über das zweitwichtigste Meer der Erde wohl möglich
erscheint. G. Schott.
Prince William Sound, das Tor zum Innern Alaskas, und Seward, der
Ausgangspunkt der neuen Alaska-Eisenbahn.
‘Nach Bullet. Amerie. Geograph. Soc., Decemb. 1915.)
Wirft man einen Blick auf die Karte des Stillen Ozeans, so erkennt man,
daß sich nirgends an der ganzen Küste die offenen Wasserflächen so weit nord-
wärts erstrecken als da, wo sie die südliche Küste von Alaska treffen. Hier
dringen diese Wasserflächen in Form einer großen halbmondförmigen Bucht —
dem Golf von Alaska — in das Landmassiv des Kontinents ein. Im nördlichsten
Teile der Bucht liegt Prince William Sound. Daher bietet dieser Sund von der
Seeseite aus alle örtlichen Vorteile als Einfalltor in das Innere Alaskas. Von
der Landseite ist die Lage allerdings weniger günstig, da sich schon unmittelbar
im Rücken ein 8000 bis 10000 Fuß (2638 bis 3857 m) hohes Gebirge — die
Chugach Mountains — erhebt, während noch weiter zurück die Alaska Range mit
ihren schroffen, hohen Felswänden und mächtigen Gipfeln sich rund herum zieht,
mit Prince William Sound als Mittelpunkt, und so die Bucht gänzlich vom Hinter-
land abzuschneiden scheint.
In der Tat wäre diese Barriere unüberwindlich, hätten sich nicht Flüsse
ihren Weg durch dieselbe gebahnt. Diese natürlichen Einschnitte bestimmen die
Lage zweier Hauptwasserwege in das Innere, der eine über die Copper- und
Delta-Flüsse, der andere über Susitna und Nenana.
Der Copper River entspringt. mit einem seiner Arme an der südlichen
Spitze der Alaska Range, bricht, südwärts fließend, durch die Chugach Mountains
und mündet unmittelbar östlich von Prince William Sound in die See. Der Delta
River, welcher sich an seiner Quelle beinahe mit dem Hauptarme des Copper