‘3
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1916.
des Wasserstandes, sondern auch wegen der kleineren, z. B. der Brücknerschen
Periode von 35 Jahren,
f) Grundbohrungen, Die vielen, zur Anlage von Eisenbahnen, Kanälen,
Wegen, Trockenlegungen, Trinkwasserleitungen ausgeführten Bohrungen geben
ein wertvolles Material, das noch in sachverständiger Weise gesammelt und ge-
ordnet werden muß, um es zur vorliegenden Frage mit Nutzen verwenden zu können,
Einzelne herausgenommene Bohrungen deuten bereits auf ungleiche Boden-
senkungen. So z.B. ergeben die Bohrungen in Friesland aus dem Vorhandensein
des unmittelbar unter der Grundmoräne in Schichten von oft über zehn Meter
vorkommenden und daselbst in Seemarschen und Süßwasserseen zur Ablagerung
gelangten Klais glazialen Ursprungs, der sich ungefähr in gleicher Höhe in
bezug auf den Seespiegel abgelagert hat, eine nach Norden zunehmende Senkung
seit dem Entstehen dieses Klais in Übereinstimmung mit den Erscheinungen der
allgemeinen Senkung in dieser Richtung, sowie jüngere Örtliche, größere
Senkungen an denselben Stellen wie die älteren und Durchbrüche der See an
Stellen größerer örtlicher Senkungen, Die Bohrungen in Groningen zeigen, daß,
je höher der sehr feste, graue und schwarze Klai, der höchstwahrscheinlich
diluvialen Ursprungs ‚ist, liegt, desto dünner die Schicht ist, was wiederum
größeren Senkungen (Furchen) zuzuschreiben ist, sowie gleichfalls Durchbrüchen
der See an denselben Stellen. Die Bohrungen in Nord- und Südholland ergeben
viele Abweichungen in Höhenlage und Zusammensetzung der Schichten, was nur
durch ungleiche, durch die Pegelbeobachtungen auch jetzt noch bestätigte Boden-
bewegungen zu erklären ist. Die Senkung des Bodens nimmt im allgemeinen
nach Nordwesten zu und wird bei den Dünen unterbrochen. Das Grunddiluvium
ist in Dicke sehr verschieden, doch nimmt es nach Nordwesten nicht regelmäßig zu
und ist desto dicker, je niedriger die Oberkante liegt, die ebenso wie die Unter-
kante, wenn auch in geringerem Maße, gewellt ist, was darauf hinweist, daß
während der Ablagerung dieser Formation die Furchen sich vertieft haben.
Die allgemeine Senkung wird auch bei den Dünen unterbrochen, wo in einer
Tiefe von 50 bis 150 m bereits Wellenformen vorkommen, die unmöglich ihr Ent-
stehen den Gezeitenströmungen aus der Enge von Calais verdanken können, weil
diese sicher noch nicht so lange besteht. Alles zusammen spricht für die unter
c) entwickelte Meinung, daß das Entstehen der Dünen in engstem Zusammen-
hang mit den Bodenbewegungen steht.
g) Verband zwischen den Nivellements und den Rücken. Bei den Bohrungen
haben wir bereits gesehen, daß, wo das Maifeld jetzt höher liegt, auch die Ober-
fläche der älteren Formationen höher liegt. Dieser Höhenunterschied des Mai-
[eldes kann schon früher entstanden sein, aber auch sich noch stets fortdauernd
verschärfen. Berücksichtigt man, daß die Pegel in alten oder noch bestehenden
Seegaten, sowie in Petten, Katwyk und Hoek van Holland, große Senkungen an-
zeigen und die in Brielle, das nach Dr. Lorie auf einem Rücken liegt, selbst
eine geringe Hebung ergeben, so ist nach diesen Beobachtungen eine Ver-
schärfung der Rücken nicht zweifelhaft.
Kontrolle der Ergebnisse der Erscheinungen unter a bis g.
Die Übereinstimmung der Erscheinungen für die verschiedenen Teile der
Niederlande geht aus folgendem hervor:
1. die Pegel und die Nivellements bei Hoek van Holland und Katwyk
zeigen auf eine größere Senkung;
2. die Pegel und die Nivellements bei Amsterdam zeigen auf eine kleinere
Senkung;
3. die Nivellements und Grundbohrungen in der großen Furche von
Roermond zeigen auf eine größere Senkung;
4. die Nivellements und Moore an der Oostermoersche Vaart beim
Winschoterdiep zeigen auf eine größere Senkung; '
5. die Dünen, der Pegel und die Bohrungen bei Brielle zeigen auf eine
kleinere Senkung;