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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1916.
der die Untersuchungen fortgesetzt und vervollständigt werden können. Dazu
gehören nun:
a) Nivellements. Das in den Jahren 1875 bis 1885 ausgeführte Reichsnivellement
 enthält auch die Höhenlage der Nullpunkte der Pegel und deren
Unterschiede mit älteren Nivellements, die nach den Ergebnissen der Pegelbeobachtungen
 im allgemeinen auf Fehler in den älteren Nivellements zurückzuführen
 sind, doch bei zu großen Abweichungen auch örtlichen, ungleichen
Bodenbewegungen zugeschrieben werden müssen.
b) Der Lauf der Ströme und die Bodenbewegungen. Nach der Lehre der
Geologie sind die Niederlande im Nordwesten gesenkt und verlaufen die Hauptfurchen
 ebenfalls in dieser Richtung fächerartig. Infolgedessen werden die
niederländischen Ströme auch somit am meisten in dieser Richtung geströmt
und dabei den Furchen gefolgt sein. So folgte früher die Maas der großen
Furche von Roermond, der Rhein dem Gelderschen Tal und jetzt folgt die Yssel
zum Teil dem Yssel-Tal. Ebenfalls benutzen die Roer, Dommel u. a. Furchen.?)
Jetzt dagegen laufen die Ströme nicht mehr allein in nordwestlicher
Richtung, sondern auch abwechselnd in südwestlicher Richtung, was auf eine
Zeit schließen läßt, in der die epirogenetischen Senkungen (d. h. ganze Landstrecken
 beeinflussende Bodenbewegungen) im SW stärker waren und dadurch die
Ströme veranlaßten, ihr Bett nach Westen und Süden zu verlegen. Daß das
niedrigere Ablaufen der Ebbe im Südwesten dafür nicht die Ursache gewesen
sein kann, vielmehr die größere Senkung im SW zu der Zeit die Hauptursache
gewesen sein muß, geht auch daraus hervor, daß die Yssel bei Kampen,
der Texel-Strom, die Oostermoer’sche Vaart in Groningen, die Ems und alle
Fahrrinnen in den Watten ihre Betten nach Westen verlegten und ihre
Mündungen an Stellen erhielten, wo die Ebbe höher abläuft, Diese Verlegung
geschah stets mit scharfen Krümmungen nach Westen und Südwesten als Anzeichen
 dafür, daß die Ströme dabei die Querfurchen benutzten, im allgemeinen
aber den Hauptfurchen folgten.
c) Dünen. Über die Entstehungsweise der Dünen sind die Meinungen
sehr geteilt, Nach dem ältesten Geologen Dr. Staring lagen die Dünen einige
Jahrhunderte vor Beginn unserer Jahreszählung in 6 bis 12 km Abstand von der
jetzigen Küste und in Zeeland am weitesten davon entfernt. Nach Dr. Lorie
sind die ursprünglichen Dünen auf einem Strandwall entstanden, der an sich
durch das Stoßen des mit Sand und Schlick geschwängerten Stromwassers gegen
die Gezeitenströmungen entstanden ist, ungefähr bei Calais begann, bis Texel
sich erstreckte und später durchbrochen worden ist, u. a. bei Katwyk, Beverwyk
und vielleicht auch bei Loosduinen. Jedoch ist der Strandwall nicht mit den
gegenwärtigen Dünen identisch, vielmehr im ganzen verschwunden und durch
neue Dünen und Strand ersetzt.
Prof. Dubois ist der Meinung, daß der Strandwall sich durch die durch
die Meerenge von Calais hin- und herlaufenden Gezeitenströmungen gebildet hat.
Unterstützt wird diese Annahme durch die mineralogischen Untersuchungen von
Retgers, denen zufolge der holländische Dünensand größtenteils durch archäisches
Gestein aus den Felsen im Kanal gebildet ist.
Aus dem senkrechten Bau der Dünen leitet der Geologe v. Baren ab,
daß die Bildung nicht ununterbrochen stattgefunden und lange Zeit stillgestanden
hat, so daß die Dünen sich mit einer Laubholzvegetation bedeckten (Nord- und
Südholland). Die Ursache für die Stillstandsperiode wird in einer Hebung des
Bodens und dadurch verursachten Zurückziehung der See gesucht.

1) Die Geologie unterscheidet in den Niederlanden drei verschiedene Bodenbewegungen:
a) allgemeine epirogenetische Niveauverschiebungen;
b) richtige Faltungsbewegungen (Bildung von Sätteln und Mulden);
e) Verschiebungen, sowohl in horizontaler wie in vertikaler Richtung (Bildung von Horsten
oder Rücken und Gräben oder Furchen (Hauptfurchen und Querfurchen).
Unter »epirogenetische« versteht man die große Landstrecken beeinflussenden Bewegungen,
während die unter b) in einem Teil von Overyscl und die unter c) mehr örtlich sind und überall vorkommen.
 Durch diese verschiedenen Bewegungen ist es möglich, daß allerlei Kombinationen von
Senkung und Hebung entstehen.
            
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