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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1916.
Pegelbeobachtungen.
Aus den in der Tafel 3 graphisch dargestellten mittleren jährlichen
Höhen der Halbtide einiger Pegel (aus einer großen Anzahl herausgegriffen)
der Jahre 1874 bis 1889 und 1891 bis 1906 ist durch Summierung das Mittel
genommen, Die sich daraus ergebenden, durch Strichelung bezeichneten Linien
in der Darstellung zeigen annähernd die Veränderung in den Wasserständen, und
zwar in der Weise, daß eine Steigung der Linie auf Senkung und ein Fallen auf
Hebung des Bodens in bezug auf den mittleren Seespiegel deutet. Die aus den
Jahren 1874 bis 1906 von 63 Pegeln berechneten säkularen Senkungen befestigen
die Tatsache, daß die Senkung nach Nordwesten zunimmt und viele örtliche
Abweichungen zeigt, sowie daß namentlich in Zeeland Senkung nebst Hebung
vorkommt, wobei zu bemerken ist, daß die auf Hebung weisenden Pegel.
beobachtungen, abgesehen von kleinen Fehlern, zutreffend sind und die Stellen
mit Hebung einesteils in ziemlichem Abstande von der Oster- und Westerschelde
(wie Repart, Zieriksee, Tholen, Westkapelle, Veere und Bath) und andernteils da
liegen, wo der Strom aus der Richtung N0O—SW wieder in die Richtung
SO—NW übergeht.
In Zeeland und vermutlich bis zum Hoek van Holland finden nach den
Pegelbeobachtungen somit andere Bodenbewegungen wie in Nord- und Südholland
statt. Daß Katwyk und Hoek van Holland sich mehr als nahebei liegende Stellen
senken, wird durch Nivellements bewiesen, die später behandelt werden.
Andere Erscheinungen bezüglich der Bodenbewegungen in den
Niederlanden.
Inwieweit andere Erscheinungen den Unterschied in Senkung und Hebung
der verschiedenen Teile des Landes wie der örtlichen Abweichungen die Ergeb-
nisse der Pegelbeobachtungen befestigen, läßt sich aus geologischen Erscheinungen
wie aus Erscheinungen an den Küsten und Stranden der Niederlande ableiten.
Die jüngsten Zeiträume der geologischen Geschichte der Niederlande
lehren, daß »in tertiärer Zeit, und wahrscheinlich schon im Oligocän, der Boden
zu sinken begann und diese Senkung nicht gleichmäßig das ganze Land be-
troffen hat, im allgemeinen stärker im Westen und Norden als im Osten und
Süden war, und zwar so, daß der südöstliche und östliche Teil des Landes nicht
oder kaum an der Bewegung teilnahm und diese nach Nordwesten stets zunahm«.
Ferner hat Zeeland beinahe nicht oder nicht die jüngste Senkung mitgemacht,
was auch aus den Pegeln abgeleitet ist. Auch örtliche, größere Senkungen längs
der Küste haben stattgefunden (Bohrungen bei Alkmaar).!) Auf Seite 82 sagen
dieselben, daß in dem alluvialen Westen auf den Inseln Texel, de Grient,
Wieringen und Urk sich nördliche diluviale Höhen erheben, wie bei Muiderberg
und de Gaasp bei Amsterdam. Das skandinavische Diluvium ist auf sehr ver-
schiedenen Stellen angebohrt, bei Castrieum auf 32.5 m, bei Wyk aan Zee auf
98 m, bei Schoorl selbst auf 100—140 m unter dem Seespiegel. Diese Tatsachen,
in Verbindung mit dem großen, durch die Pegel angegebenen Unterschied der
Senkung, schreiben mit großer Wahrscheinlichkeit die verschiedene Höhenlage
des nordischen Diluviums noch fortdauernden Bodenbewegungen zu.
Aus den Tiefenlinien der Seekarten der Küste geht hervor, daß an der
Belgischen Küste und sich nordwärts ausdehnend bis beinahe zum Hoek van
Holland und bis weit in See Sandbänke (Sandriegel) gefunden werden, die sich
bis 20 m über den Seeboden erheben und bis 40 km vom Ufer liegen (West-
Hinder und Nord-Hinder). Nördlich von Hoek van Holland fehlen diese Bänke,
wodurch eine Befestigung der Küste notwendig ist, während südlich davon ab-
gesehen werden kann, Es entsteht dabei die Frage, ob ein Verband zwischen
der Bildung der Bänke und der geringeren Senkung im Süden der Niederlande
besteht und ob der Boden daselbst nicht aus festerem Material gebildet sein kann?
') Vgl. Prof. Molengraaff und Dr. van Waterschoot v, d. Gracht. Handbuch der
Regionalen Cieolorie. Nicderlande. S. 69