Schmidt, W.: Zur Frage der Verdunstung.
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dem Einfluß der Sonnenstrahlung erwärmen, ist von praktischem wie auch allgemein klimatischem
Interesse, Sobald man aber erkannt hatte, daß Oberflächenbeschaffenheit und Konvektion eine Be-
deutung besaßen, war man bestrebt, hier eindeutige Definition zu schaffen. So entstand das
Schwarzkugelthermometer im Vakuum. Des weiteren wurde die Temperatur der Umgebung
mit ihren Strahlungseinflüssen ausgeschaltet bei den Instrumenten zur Messung der Intensität der
Sonnenstrahlung (Pyrheliometern). In ihnen wird nur ein ganz engumschriebener Teil der Ein-
flüsse, welche die tatsächliche Temperatur eines der Sonne ausgesetzten Körpers bestimmen, fest-
zelegt, es besteht aber die Möglichkeit, sie in jedem besonderen Fall bei Kenntnis der weiteren
Bestimmungsstücke mit entsprechender Sicherheit abzuleiten. .
Wie in diesem Falle, so stellen auch andere meteorologische Elemente, wie etwa Temperatur
and Dampfdruck, durchaus nicht Begriffe vor, die unserem Gefühl von vornherein als entsprechende
and einfache erscheinen, Geradeso, wie sie sich trotzdem als die physikalisch einfacheren ein-
bürgerten, ist auch für die Verdunstung — die nach meiner Ansicht heute etwa auf der Stufe der
‚Temperatur in der Sonne« steht — ein entsprechender Stellvertreter zu ‚erwarten.
8 17. Prüfung der Lütgensschen Messungen. Die Erkenntnis der außer-
ordentlichen Schwierigkeiten verläßlicher und brauchbarer Verdunstungs-
messungen, die sich auf dem Meer noch steigern, war es nun, die mich veran-
laßt hat, den Unterschied zwischen meinen aus dem Energieumsatz gewonnenen
Werten und den Lütgensschen Beobachtungen so zu lösen, daß ich jene als
maßgebend für die gesamte verdunstete Menge annahm, diese aber als quali-
tativ richtig, die relative Verteilung über die einzelnen Breiten gut wieder-
gebend. Ihre Beträge hatte ich aber durch eine ziemlich große Zahl, 1.917, zu
dividieren, um die entsprechenden Absolutwerte zu erhalten, Auch diesen hohen
Wert der Korrektur halte ich nun nicht für ausgeschlossen, wie folgende Über-
(egungen zeigen. ,
Als Beweis dafür, daß die Verdunstungsmessungen in einem Gefäß trotz
der erheblich größeren Tagesschwankung in diesem nicht erheblich von denen
an der Meeresoberfläche abweichen ‚konnten, führt Lütgens an, daß die Mittel-
temperaturen in beiden Fällen ziemlich dieselben waren, das Gefäß sich unter-
tags ebensoviel (bis zu 3°) über das Meer erwärmte, wie es sich nachts unter
dieses abkühlte. Abgesehen davon, daß es bei Verdunstungsmessungen nicht
streng gestattet ist mit Mittelwerten zu rechnen, ist gerade jenes Verhalten ein
Beweis dafür, daß die mittlere Gleichgewichtstemperatur des Gefäßes unter jener
der Meeresoberfläche lag. Die Temperaturschwankung ist ja wesentlich auf
Strahlungseinflüsse zurückzuführen. Nun ist die Intensität der Einstrahlung um
die Mittagszeit auf mindestens das Zehnfache von jener der effektiven Ausstrah-
lung zur Nachtzeit (d. i. gesamte Ausstrahlung des Wassers weniger Einstraklung
vom Himmel) anzuschlagen. Um Mittag muß sich also die Gefäßtemperatur um
einen erheblich größeren Betrag über die — bei Abwesenheit der Strahlung
geltende — Gleichgewichtstemperatur erhoben haben, als sie während der Nacht
unter dieser blieb, Diese Gleichgewichtstemperatur ist also für das Gefäß
niedriger gewesen als für die Meeresfläche, deren Temperatur nur wenig un-
mittelbaren Strahlungseinfluß zeigt. Das läßt aber nur den einen Schluß zu,
daß die meteorologischen Bedingungen in der Höhenlage des Gefäßes
schon wesentlich andere waren als an der Meeresoberfläche.
8 18, Die verschiedenen Fehlerquellen. Und das war sicher der Fall.
Die Oberfläche einer größeren Wassermasse überzieht sich mit einer dampf-
reicheren Schicht, die bei den Versuchen am Lande ($ 11) bis in eine Höhe von
atwa 9 m reichte. Die weite Ausdehnung des Meeres wird sie wohl mächtiger
werden lassen, die geringere Reibung, d. i. geringere Mischung der bewegten
Luft über dem Wasser geringer ($ 11). Jedenfalls ist aber mit einem ziemlich
starken Gradienten der Feuchtigkeit gerade bis zu jenen Höhen, in welchen
die Verdunstungsmessungen vorgenommen wurden — ich nehme etwa 5 bis
5m an — zu rechnen. Wahrscheinlich sind .auch die Temperaturen knapp an
der Meeresoberfläche noch wesentlich von den höher oben gemessenen ver-
schieden.!) Nimmt man nun an, daß alles dies bloß so wirkt, wie eine zusätz-
liche Temperaturerhöhung des Gefäßes über seinen Gleichgewichtszustand um 1°,
1) Man erinnere sich der gerade an Bord herrschenden Schwierigkeit, gute Werte der Luft-
temvneratur zu erhalten.