Schmidt, W.: Zur Frage der Verdunstung.
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Saltonsee) und in Argentinien eingehen.!) Dort verhielt sich die Verdunstung unter sonst gleichen
Bedingungen, also auch ähnlichem Bau der Becken, bei einem Gefäßdurchmesser von
61.0 91.4 121.9 182.9 365,8 cm ;
wie 417 : 391 : 350 : 289 : 260. .
Von da kann nur mit größter Unsicherheit auf unbegrenzte Wasserfläche extrapoliert werden. Wenn
Bigelow für diese die Verhältniszahl 230 findet, so erscheint sie mir gegenüber jener für den verhältnismäßig
kleinen Gefäßdurchmesser von 365.8 cm zu hoch. Die Ausführung, dies gebe die
Geschwindigkeit der Verdunstung von Wasser in »seine eigene vollständige Dampfdecke«, was jedenfalls
als gesättigte Luft zu verstehen ist. kann nur das größte Bedenken erregen, denn theoretisch ist
diese Null, Wenn es wirklich nie zu diesem Wert kommt, so darf man das vornehmlich auf Strahblungseinwirkung
zurückführen (vgl. $ 8 u. 9). In den Bigelowschen Zahlen wäre diese demnach schon
anthalten, obwohl sie nicht gesondert berücksichtigt wurde; das ist ja auch erklärlich durch ihre Ableitung
aus praktischen Messungen,
Gegenüber der anderen Stütze der Zahl für die Verdunstung einer sehr ausgedehnten Wasserfläche,
der unmittelbaren Messung des Wassergewinns und -Verlustes für den ganzen Saltonsee, erinnere
ich an die Schwierigkeiten, die in der Diskussion im Anschluß an die entsprechenden Messungen
J. Maurers am Zürcher und Greifensee?) zutage traten. Ob gerade die unterirdischen Ströme in
dem Fall des Saltonsees richtig erfaßt wurden, entzieht sich meinem Urteil.
Der Einfluß der Windgeschwindigkeit aus allen dreien oben erwähnten Ursachen tritt in allen
Messungsreihen deutlich hervor; ich kann da z. B. auch an die Lütgensschen erinnern, Bigelow
nimmt ihn als Schlußergebnis seiner zahlreichen Messungen als proportional an einem Faktor 1-4-0.084-w,
wenn w die Windgeschwindigkeit in km/h und das Anemometer nicht nach der in Nordamerika
üblichen Skala geeicht ist. Die letztere gibt um 20%, höhere Windgeschwindigkeiten. Versuche mit
ainem ähnlichen quadratischen Glied, ebenso mit einem unmittelbar proportional der Quadratwurzel aus
der Windgeschwindigkeit, wie mehrfach vorgeschlagen, scheinen weniger zu befriedigen, Die Windgeschwindigkeit
ist dabei möglichst knapp an der Wasseroberfläche zu messen, was bei früheren Vergleichen
kaum je geschehen war; vielleicht stammt davon die Unstimmigkeit in den Zahlenwerten.
8 8. Strahlungseinfluß. Eine sehr bedeutende weitere Energiequelle ist
Strahlung aller Art, deren Gesamtwirkung sich zusammensetzt aus jener der
Sonnenstrahlung, der Einstrahlung vom Himmel her abzüglich des Verlustes durch
Ausstrahlung. Die ersten beiden hängen von den meteorologischen Elementen
ab, die letzte von der Temperatur des Apparates; der für Verdunstung wirklich
verfügbare Anteil noch von der Oberflächenbeschaffenheit des letzteren, In
meinem früheren Aufsatz habe ich so als gesamten täglichen Wärmegewinn von
1 cm? Meeresoberfläche für 40° N-Br. im Jahresmittel 127 g-Kal. errechnet, eine
Menge, welche imstande wäre, für sich eine tägliche Verdunstung von. 2.1 mm
zu decken. . .
Wenn auch ein Teil der Wärmezufuhr bloß auf Erwärmung oder besser
geringere Abkühlung der vorbeistreichenden Luft verwendet wird (Ableitung
ähnlich der in $ 5), so kommt doch ein wesentlicher Betrag der Verdunstung
zugute. Diese wird also — abgesehen von den jahreszeitlichen Verschiedenheiten,
die insbesonders in höheren Breiten zu zeitweiser Umkehrung führen — größer,
wenn 5. das Instrument freier der Strahlung ausgesetzt und 6; seine
Oberfläche »schwärzer«, der Anstrich also matter und dunkler. ist.
Außerdem fließt auch hier das Verhältnis des nach oben gekehrten Teiles der
unbenetzten Oberfläche zu jener des Wassers ein.
89. Genaueres über den Strahlungseinfluß. Da die Energie, welche durch Strahlung der
Flächeneinheit des Wassers zugutekommt, unabhängig ist von der Größe des Verdunstungsbeckens, im
(jegensatz zu der aus der äußeren Wärmeleitung, so folgt ein bedeutender Unterschied für das
Verhältnis der Verdunstung in gegen Strahlung geschützter und freier Aufstellung: für kleine Gefäße
entfernt sich dieses Verhältnis wohl nicht viel von 1, wird aber mit wachsender Gefäßgröße immer
kleiner. Die in kleinem Maßstab gewonnenen Ergebnisse?) lassen sich gerade wegen
des vollkommen verschiedenen Anteils der Strahlung nicht auf weite Flächen übertragen,
Daß bei der nach der geographischen Lage, der Jahreszeit und den klimatischen Verhältnissen
außerordentlich großen Verschiedenheit der Strahlungsmenge an eine einfachere allgemeine
Reduktion nicht wohl zu denken ist, bedarf keiner Ausführung; für mittlere Verhältnisse scheint sie
aber schon entsprechend in Bigelows Formel berücksichtigt zu sein ($ 10, vgl. auch 8 7).
1) Die ersteren in den verschiedenen Jahrgängen des Monthly Weather Rev., 1908—1910, alle
Messungen zusammen in: Las leyes de la evaporacion, Bolet, Ofic. Meteorol. Argentin, Bol, No. 2.
2) Die Verdunstung auf den Seen am Nordfuß der Alpen während der großen Hitze- und
Dürrezeit 1911, Met. Zeitschr., 28, 545 (1911); dagegen: K. Fischer: Maurers Verdunstungsmessungen
an Alpenseen und die Verdunstungsmessungen der Preußischen Landesanstalt für Gewässerkunde
am Grimnitzsee, Met. Zeitschr. 29, 366 (1912); ferner Maurer, ebda,., 30, 102, 209 (1913).
3) So sind insbesonders die Versuche J, R. Suttons in: Results of some experiments upon
the rate of evancoration. Trans. South. Afrie. Phil. Soc., 14, 43 (1903) hierin nicht beweisend.