Schmidt, W.: Zur Frage der Verdunstung
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Energiemengen, besitzt, muß zugeben, daß sie sicher alle Höchstwerte sind
Anderseits konnten aber — wenn auch weniger die auf größerem Umweg erlangten
Zahlen von Ed. Brückner und nach ihm von R. Fritzsche') — doch
die unmittelbaren Bestimmungen der Verdunstung durch R. Lütgens®) als
ziemlich verläßlich gelten. Daß ich trotzdem vorgeschlagen, an diesen eine Korrektur
anzubringen, bedarf einer ausführlicheren Begründung. Sie läuft im
wesentlichen darauf hinaus, zu zeigen, wie unsicher und in den wichtigsten Zügen
unbekannt die Grundlagen sind, auf welchen die Verdunstungsmessungen beruhen.
8 2. Sonderstellung der Verdunstung. . Die Verdunstung zeigt gegenüber
den anderen »meteorologischen Elementen« Besonderheiten, Was sonst gemessen
wird, ist, wie Luftdruck, Temperatur, Dampfdruck, relative Feuchtigkeit,
Windrichtung und -stärke, Ozongehalt, ein Zustand oder allgemeiner — es gehört
dazu dann auch Bewölkung, Sonnenschein, Niederschlag — das Ergebnis
eines Vorganges, der sich im allgemeinen nicht an der Beobachtungsstation selbst
abspielt und auf dessen Bedingungen wir keinen Einfluß nehmen. In allen diesen
Fällen ist nur danach zu trachten, die Messung möglichst getreu und ohne
Fälschung durchzuführen, was ja für sich genug Schwierigkeiten bietet,
Anders nun die Verdunstung: sie ist ein Vorgang, dessen besondere
Bedingungen an Ort und Stelle liegen und auf den wir durch die Wahl des
Gegenstandes, an und mit welchem wir die Messung anstellen, wesentlichen Einfluß
ausüben. Das Bestimmende sind hierbei — und hierin schließe ich an die
Anschauungsweise an, die ich in dem eingangs erwähnten Aufsatz einführte —
Energie und Energieumsätze, Bedarf es doch zur Verdampfung einer Schicht
von bloß 1 mm Höhe aus einem Verdunstungsbecken von 1 m Durchmesser einer
Wärmemenge von 476 000 g-Kal., welche Menge genügen würde, um mehr als
1500 000 Liter Luft um 1° zu erwärmen,
S 83. Bedeutung der Energieumsätze für die Verdunstung. Soll also überhaupt
Verdunstung stattfinden, so müssen die notwendigen Energien zugeführt
werden; wo diese mangeln, hört der Vorgang von selbst auf. Insoweit die
Energiezufuhr von den Bedingungen der Umgebung — in erster Linie Temperatur,
Sonnenstrahlung, Luftbewegung, dann Luftdruck usw. — abhängt, muß innerhalb
des Bedarfes — der wieder durch den Wasserdampfgehalt der Luft mitbestimmt
ist — Abhängigkeit von den aufgezählten meteorologischen Elementen auftreten;
naturgemäß aber eine ziemlich verwickelte, Dies zeigt sich schon in dem einfachsten
eigentlich hierhergehörigen Fall, bei der Aufstellung der Psychrometerformel.
So allgemein die theoretischen Ansätze zu sein scheinen, so
liefern sie zwar Formeln von wesentlich ähnlicher Gestalt, ohne aber die benötigten
Konstanten angeben zu können. Im Grunde beruhen sie schließlich
doch auf empirischer Bestätigung. Derartige Versuchsreihen wurden aber in
noch viel größerer Zahl und mit vielfältiger Abwechslung für die Verdunstung
im allgemeinen angestellt und aus ihnen oder mit ihrer Hilfe die geltenden
Regeln abgeleitet. Dieses Arbeiten mit empirisch gewonnenen Ergebnissen ist
nun zwar kein Nachteil, es war vielmehr notwendig; wohl aber war es der Einseitigkeit
in hohem Maße ausgesetzt, sobald ein wesentlicher Gesichtspunkt nicht
in entsprechender Weise berücksichtigt wurde. Und das war in der Regel mit
dem Energieumsatz der Fall. Es empfiehlt sich deshalb, die verschiedenen Arten
der Verdunstungsmessung von diesem besonderen Gesichtspunkt aus zu betrachten.
8 4. Einfluß des allgemeinen Baus des Instrumentes,, Gehen wir zunächst
von der gewöhnlichen Anordnung eines flachen Beckens, wie sie z.B. bei der
Wildsehen Verdunstungswage benützt wird, aus! Das Wasser in der Metallschale
besitzt, wenn der Gleichgewichtszustand erreicht ist, eine niedrigere
Temperatur als die darüberstreichende Luft, Diese letztere gibt also an die
Wasseroberfläche durch Leitung und Konvektion die zur Verdunstung benötigte
1) Kreislauf des Wassers auf der Erde, Geogr. Zeitschr., 1905, 436; Niederschlag, Abfluß und
Verdunstung auf den Landflächen der Erde, Met. Zeitschr., 43. 32 (1908); Zeitschr. £. Gewässerkunde 7.
321 (1906). .
?) Die Verdunstung auf dem Meere, Ann. d. Hydr. usw., 39, 410 (1911), ausführlich Archiv
d. d, Seewarte, 34, Nr. 1 (1912).
Ann. d. Hydr. usw. 1916, Heft 11T.