Defant, A.: R. v. Sterneck, Zur hydrodynamischen Theorie der Adriagezeiten. 97
an der Ostküste der Adria 6 Stunden vor jenem der Längsschwingung, an der
italienischen Küste 6 Stunden nach dem Hochwasser. Die Eintrittszeit des
Hochwassers von K, wird demnach an der dalmatinischen Küste eine Verfrühung
gegenüber jenem der Längsschwingung aufweisen, Es ergibt sich dies tatsäch-
lich; gegenüber den Kappazahlen von Triest weisen sämtliche Stationen bis auf
Pelagosa und S, Andrea eine kleine, kaum eine Stunde übersteigende Verfrühung
des Hochwassers auf. Auch der theoretische Betrag der Verfrühung gegen
Triest stimmt befriedigend, wie folgende kleine Tabelle zeigt. Im übrigen
Beobachtete Verfrühung gegen Triest in Stunden
Theoretische
m 3 8 © tr m
& 3 s 1328 3 a
ABHEBEN
0.0|0.110.8 db 09/08 12/008 —01
o0l0.0l0.810.7/0.5/0.2 10.2 /0.1 1 —0.3 |—0,3
handelt es sich hier um ganz minimale Beträge. Der Einfluß der Erdrotation
auf die Eintagsgezeit K, zeigt sich also nicht wie bei den Halbtagsgezeiten im
Entstehen einer Amphidromie, sondern nur in ganz kleinen, eine Stunde kaum
äbersteigenden Verschiedenheiten der Eintrittszeiten des dieser Komponente ent-
sprechenden Hochwassers in den Stationen der Ostküste. Durch diese Unter-
suchung v. Sternecks erledigt sich auch v. Keßlitz’ Einwand, den ich in
dieser Zeitschrift!) bei Besprechung der Untersuchungen über den Einfluß der
Erdrotation auf die halbtägigen Gezeiten der Adria vorgebracht habe,
Auch aus dieser Diskussion der bisher vorliegenden Beobachtungsdaten
über die Gezeiten der Adria ergibt sich das Resultat, daß die Adriagezeiten
keine selbständigen Gezeiten sind; sie sind auf Impulse aus dem Jonischen
Meere zurückzuführen und stellen also Erscheinungen dar, die durch das
erzwungene Mitschwingen der Adria mit den Gezeiten des Jonischen Meeres
vom hydrodynamischen Standpunkte vollauf erklärt werden können, Die halb-
tägigen Gezeiten sind infolge des Umstandes, daß die Eigenperiode der Adria
nahe der Periode der halbtägigen Gezeitenkräfte liegt, besonders kräftig ent-
wickelt, und es kommt ihnen infolgedessen fast der Charakter von freien
Schwingungen zu. .
Wien. k. k. Zentralanstalt für Meteorologie u. Geodynamik. Oktober 1915.
Die Eisverhältnisse an den deutschen Küsten im Winter 1914/15.
(Amtlich)
In dienstlichem Auftrage bearbeitet von R. Winters,
(Hierzu Tafel 2.)
a. Die Art der Berichterstattung und Allgemeines.
Auch während des Kriegs-Winterhalbjahres 1914/15 wurden von 32 Beob-
achtungsstationen der Ostsee und 23 Stationen der Nordseeküste die festgestellten
Eisverhältnisse der Deutschen Seewarte, wie in den früheren Jahren, übermittelt.
Dieses geschah in doppelter Form, einmal in der Art telegraphischer Meldung
nur an den Wochentagen — und ferner in zusammenfassenden Monatsberichten,
die noch Angaben über die Dicke des Eises, über die Wirkungen von Ebbe und
Flut auf die Eisbewegungen usw., sowie die in den telegraphischen Meldungen
fehlenden Eisbeobachtungen an den Sonn- und Festtagen enthielten. Die an den
Wochentagen erfolgenden telegraphischen Eismeldungen wurden von den einzelnen
Beobachtungsstationen der Ostsee dem Kaiserlichen Küstenbezirksamt in Kiel und
1) Diese Zeitschrift 1914, S. 560 bis 561.