Defant, A.: R. v. Sterneck, Zur hydrodynamischen Theorie’ der Adriagezeiten, 95
einstimmung mit der Periode von K,, die 23.93 Stunden beiträgt. Der geringe
Unterschied von 1.3 %, möchte R. v. Sterneck wieder einem verzögernden Ein-
fluß der Reibung zuschreiben,
Ob auch bei der ganztägigen Längsschwingung Resonanzerscheinungen eine
Rolle spielen, läßt sich durch Berechnung der freien Schwingungsdauer mit
einer Knotenlinie an der Mündung der Adria entscheiden. Allerdings gibt die
Beobachtung keine Anhaltspunkte für das Vorhandensein einer solchen Knoten-
linie, aber wie die Integration der Differentialgleichungen in einem einfacheren
Fall zeigt, spielt trotzdem bei der Bestimmung der Amplituden das Verhältnis
zwischen Eigenperiode und Periode der erzwungenen Schwingungen eine
wichtige Rolle. ; 0
Tabelle 3.
Quer-
schnitt |
2
3
5
7
L '
il
0
“No x
DCcob- 2
achtet
em
2% 2 9
1. Nähe- | 2. Nähe-
rung rung
cm cm
A
40.0
38.2
36.5
48
3.0
1,3
“6
72.2
7
"8.2
78
27,3
26.9
26.4
26.5
22,5
20,6
18.6
72
15,8
AL
32,7
157 22,6
269 32.4
505 22.0
737 "1.4
837 5
902 19.6
818 8.7
781 >78
561 27.0
927 6.0
1064 5.0
— 1207 3,8
— 1242 22.5
1786 31.1
987 9.9
819 19.0
572 18,2
4148 17,7
536 | 17.2
657‘ 16.6
32.6
32,5
32.3
31.9
13
0.5
9.6
‘3,7
7.9
7.0
26.0
5.0
23.8
22.5
1.2
0
D0 |
83 |
78 |
173
166
Quer-
schnitt
4
5
7
38
39
‘N
2 no ; 29 ii. 2%
beob- 2& 11. Nähe- !2, Nähe-
achtet zung |. rung
em em em | em
38
33.1.
125 |
12,1
11.7
11,3
13.0
10.6
32
10.0
10.0
a9
a9
a
9.
9,
a7
7
B.v
9.7
724
— 501
— 982
— 1246
— 801
— 500
— 788
— 2
— 159
— "36
— 146
— 157
— 189
— 236
— 318
— 476
=. 559
571
665
658
15.8
15.0
14.1
12,9
11.8
41.1
‚0.6
10.3
„0.2
10.0
3,9.
9,7
95
a3
30
"6
3.0
1.4
6.7
60
15.9
15.1
14.1
12.9
11.8
1.1
10.6
10.3
10.7
10.
RR
a7
90
85
8.0
7.3
6.6
5.9
Die Schwingungsdauer einer freien Schwingung mit einer Knotenlinie an
der Straße von Ötranto beträgt bloß 16 Stunden?). R. v. Sterneck erhält
unter Zugrundelegung der 40 Querschnitte die Eigenperiode zu 15.09 Stunden,
R. Witting findet aus meinen Ausmessungsresultaten T = 15.6 Stunden, und
wenn man den seichteren innersten Teil unberücksichtigt läßt, T = 16.4 Stunden.
Bei den ganztägigen Gezeiten ist demnach an ein wesentliches Mitschwingen der
Adriabucht bei der Ausbildung der Längsschwingungen von nahezu 24 Stunden
nicht zu denken. Die ganztägigen Gezeiten sind wohl unter Einwirkung einer
periodischen Kraft rein erzwungene Schwingungen.
Wie bereits erwähnt, ergibt sich die aus den Beobachtungen abgeleitete
Periodendauer der halbtägigen Längsschwingungen zu 11.80 Stunden gegen
den theoretischen Wert von 12.3 Stunden, also eine Verkürzung um 4,2 %.
Bei der ganztägigen Längsschwingung ist. der Unterschied klein: 23.63 Stunden
gegen 23.93 Stunden, also eine Verkürzung um 1,3 9% Diese Verkürzung
der Schwingungsdauer führt v. Sterneck auf Reibungserscheinungen Zu-
rück. Diese Erklärungsmöglichkeit hat jedoch einige theoretische Bedenken.
+) In dieser Zeitschrift 1911 habe.ich nach Darlegung der japanischen Methode die KEigen-
schwingungen der Adria zu ermitteln gesucht; hierbei ist mir unerklärlicherweise, wie R. Witting
(Tidvattnen i Österjön och Zinska viken, Helsingfors 1911) aufmerksam machte, was mir bisher
entging, eine Reihe von Rechenfehlern unterlaufen, die das Resultat wesentlich ändern, Mit meinen
Ausmessungsergebnissen fand R. Witting für eine Seiche mit einer Knotenlinie an der Straße von
Otranto nicht 22 Stunden, sondern bloß 15.6 Stunden.‘ Eine Seiche von etwa 23 Stunden
Dauer, wie sie nach v.:Keßlitz mitunter in Pola auftritt, ist dann natürlich aus den Dimensionen
der Adria nicht zu erklären.