accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

RR 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1916. 
Trägheitsmoment in bezug auf seine Achse, so ist seine Präzessionsgeschwindigkeit, 
d. h. die Winkelgeschwindigkeit der durch die Vertikale und die Achse gelegten 
Ebene gleich ee wenn n hinreichend groß ist; sie ist also unabhängig von der 
Neigung der Achse, proportional der Entfernung a und umgekehrt proportional n 
und dem Trägheitsmoment in bezug auf die Achse)). 
Auf den Kreisel läßt sich nun dieselbe Betrachtung wie bei dem Pendel 
anwenden, d.h. der Kreisel drehe sich in vertikaler Stellung in einem ruhenden 
oder gleichförmig bewegten Lager; wird diesem Lager eine nach Größe und 
Richtung konstante Beschleunigung W erteilt, so tritt eine scheinbare Änderung 
der Vertikalen ein, als wenn die Schwerkraft ihre Intensität und Richtung ge- 
ändert hätte. Da der Kreisel gegen diese neue Vertikale geneigt ist, beginnt 
seine Achse um sie eine Präzessionsbewegung, Ist diese sehr langsam, so be- 
schreibt die Achse in einem kleinen Zeitraum einen sehr kleinen Bruchteil} 
des Kegels. 
Wir nehmen nun an, daß innerhalb eines Zeitraumes von 5 Sekunden die 
Beschleunigung durch nahezu entgegengesetzte Richtungen hindurchgeht, und daß 
die Präzession so langsam ist, daß der in 5 Sekunden durchlaufene Bogen ver- 
nachlässigt werden darf, selbst wenn die störende Beschleunigung beständig in 
demselben Sinne und mit ihrem größten Betrag wirkte; dann wird unter dem 
Einfluß der tatsächlich stattfindenden Beschleunigungen die Lageänderung der 
Achse am Ende der 5 Sekunden um so mehr vernachlässigt werden können. 
Man erkennt hieraus, daß die Kreisel mit langsamer Präzession dieselben 
mechanischen Eigenschaften zeigen, wie die langsam schwingenden Pendel. Bei 
der Unmöglichkeit, ein Pendel von sehr großer Schwingungsdauer und kleinen 
Dimensionen sowie geringem Gewicht herzustellen, bleibt es das große Verdienst 
von Fleuriais®) mittels des eben erläuterten, von ihm erkannten Prinzips gezeigt 
zu haben, daß der Kreisel von sehr langsamer Präzession die wahre Vertikale 
auf See liefern kann. Ihm gelang es auch, die Schwierigkeit zu überwinden, die 
der Benutzung dieser Vertikalen zur Höhenmessung noch entgegenstand, indem 
er an Stelle des von Serson benutzten Spiegels in höchst geistreicher Weise den 
von ihm erfundenen gyroskopischen Kollimator einführte, der sich leicht an jedem 
Sextanten anbringen läßt und dessen Gewicht nur um 165 Gramm vermehrt. 
Dieses Instrument bietet somit die endgültige und die einzig 
mögliche Lösung der solange vergeblich in Angriff genommenen Auf- 
yabe, die wahre Vertikale an Bord zu bestimmen. 
1) Vgl. die größeren Lehrbücher der theoretischen Mechanik, z. B.: Schell, Theorie der Be- 
wegung und der Kräfte. Leipzig 1870, 8.833. — Kirchhoff, Vorlesungen über mathematische 
Physik, Mechanik. 4. Aufl, Leipzig 1897. 6. Vorlesung. Die ausführlichste Behandlung des Kreisel- 
problems und aller seiner Anwendungen geben F, Klein und A. Sommerfeld, Uber die Theorie 
des Kreisels, Leipzig 1897. — Die Darstellungen der kleineren Lehrbücher und der mehr populären 
Behandlungen lassen sehr viel zu wünschen übrig. Eine Ausnahme bildet die Abhandlung von 
E. de Fauque de Jonqui&res, Theorie Elementaire d’apres les methodes de Poinsot du mouvement 
de la toupie et de son application A un horizon artificiel permettant d’obtenir ä la mer la hauteur des 
CO Revue maritime et coloniale T. 91, 18856. S. 433, die das Problem in rein geometrischer Weise 
oehandelt, 
2) G. Fleuriais, Gyroscope ecollimateur, substitution d’un repere artificiel a l’horizon de la 
mer. Revue maritime et coloniale. 91. 1886, S. 452. Von demselben Verfasser: Horizon gyro- 
acopique, modele definitif. Paris 1891.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.