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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1915.
Nach den Segelhandbüchern beträgt die Geschwindigkeit der Meeres-
oberfläche — nur dieser — in der durchschnittlich 1100 m breiten Straße
2,5 Knoten = 4.6 km/Stunde = 130 cm/Sek., an den engsten Stellen von nur
650 m Breite aber bis zu 5 bis 6 Knoten!); doch wird der Strom unterhalb der
Oberfläche schnell viel schwächer. Wir berechnen nun unabhängig von dieser
Angabe, aber auf Grund des Makaroffschen Jahresvolumens, ähnlich wie oben
S. 77 bei der Gibraltar-Straße, eine durchschnittliche Geschwindigkeit der ganzen
Wassermasse des 30 m mächtigen Öberstromes und des etwa 23 m mächtigen
Unterstromes; die Grenzfläche beider Ströme steigt von 40 m am Ausgang zum
Schwarzen Meere bis auf 25 und 20 m vor Konstantinopel. Wir haben, da für
den OÖberstrom ein Querschnitt von rund 900 X 30 m, für den Unterstrom ein
solcher von rund 740 X 23 m zur Verfügung steht*®),
Jp =332=09 0.03 >XvV>X24><365, woraus vı = 1.45 km/Stunde,
Up = 180 = 0,74 >< 0.023 >< v >< 24 ><365, woraus yıy = 1.20 km/Stunde,
Hiernach käme dem ÖOberstrom eine Sekundengeschwindigkeit von 40 cm, dem
Unterstrom eine solche von 33 em zu. Diese Zahlen hNeiben hinter dem Durch-
schnittswert, der aus Makaroffs Beobachtungen vor Konstantinopel bei einer
Gesamttiefe von 40 m (Oberstrom + Unterstrom) abgeleitet werden kann’) um
deswillen nicht zurück, weil bei unserer Berechnung eine Gesamttiefe des ganzen
Bosporus von 53 m zugrunde gelegt werden mußte; auch das Verhältnis der
Geschwindigkeit des Oberstromes zu der des Unterstromes ist in beiden Fällen
fast ganz das Gleiche, Die Zahlen dürften somit einigermaßen zutreffen.
C. Niederschlag, Flußwasser und Verdunstung.
Unter sorgsamer Abwägung des vorhandenen Materials setzt Nielsen für
das Mittelmeer einschließlich des Schwarzen Meeres eine jährliche Niederschlags-
höhe von 450 mm an. Da wir unserseits das regenreiche Schwarze Meer aus-
scheiden und außerdem die ziemlich feststehende Tatsache noch besonders
berücksichtigen, daß Stationen selbst auf kleinen Inseln schon erheblich mehr
Niederschlag empfangen als das Meer selbst, rechnen wir nur 400 mm für das
Mittelmeer im engeren Sinne, zumal nach der libysch-ägyptischen Küste hin die
Regenmengen noch unter 250 mm bleiben. Damit erhalten wir für 2510000 km?
Fläche rund 1000 km* Niederschlag pro Jahr.
Für die dem Mittelmeer in derselben Ausdehnung durch Festlandsströme
zufließenden Süßwassermengen kann höchstens 230 km® angesetzt werden; denn
nach R. Fritzsches*) grundlegender Arbeit liefern der Nil 100, der Po 50,8, die
Rhone 39.2, der Tiber 9.2 und der Ebro 3.2, zusammen 202 km®. Somit stellt
sich der Wert
F = 1000 + 230 = 1230 km3.
Und unter Benutzung der Formel (S. 76)
Ja+ Ja +F=UG+Up-+E
haben wir nunmehr
55 198 + 332 + 1230 = 51 886 + 180 + E,
woraus folgt
E = 4694 km
A
Dieser Betrag setzt auf das Areal des Mittelmeeres eine jährliche Ver-
dunstungshöhe von 187 cm voraus, also rund 190 cm; eine Zahl, die nach
R. Lütgens®°) direkten Verdunstungsmessungen auf dem offenen Ozean, welche
1 Reichs-Marine-Amt. Mittelmeer-Handbuch, V. Teil: Die Levante, 2. Aufl. Berlin 1912,
S. 302 bis 304.
?) Vgl. die englische Admiralitätskarte Nr. 1198 (The Bosporus).
” Krümmel a. a. O. S&. 629.
‘) Niederschlag, Abfluß und Verdunstung auf den Landflächen der Erde. Halle 1906.
5) »Ergebnisse einer Forschungsreise im Ätlantischen Ozean usw.« Aus dem Archiv der See-
warte XXXIV, 1911. Nr. 1. Vegl. auch Annalen der Hydrographie 1911, S. 410 ff; insbesondere S, 425.