Schott, G.: Die Gewässer des Mittelmeeres.
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Bezeichnen wir ferner mit S den mittleren Salzgehalt des Öberstroms J,
mit Z den des Unterstromes U, so folgt als Kontinuitätsbedingung, da die ge-
samte Salzmenge für lange Zeiträume als konstante Größe betrachtet werden
kann und muß, ;
J.:S=U-Z.
Dies ist eine der bekannten Knudsen’schen Beziehungen!). Nehmen wir nun
auf Grund der »Thor«-Beobachtungen in der Gibraltar-Straße S = 36.15, Z =
38,80 %oo, SO erhalten wir?) ;
. Ua= 094 Ja = 51886 km3.
(2.)
Von dem gesamten, in das Mittelmeer während eines Jahres strömenden
atlantischen Wasser fließen also jeweils 94%, mit dem Unterstrom zurück, und
nur 6%, verbleiben dem Binnenmeer. .Um diese 6° % = 3312 km* dem Mittel-
meer zur Deckung des Verdunstungsverlustes zuzuführen, werden 107 084 km®
dauernd in Bewegung gesetzt, nur allein in der Meerenge von Gibraltar!
Wir können übrigens auch von der durchschnittlichen Geschwindigkeit
des Unterstromes nunmehr eine Vorstellung zu gewinnen suchen, nachdem wir
das wahrscheinliche Jahresvolumen kennen. Nach der deutschen Admiralitäts-
karte Nr. 309 sind Tiefen von mehr als 125 m (der Grenzschicht von Ober- und
Unterstrom) längs. des schmalsten Querschnittes der Straße, der zwischen Tarifa
und der Ciris-Spitze sich befindet, auf einer Entfernung von 11 km vorhanden,
Die hier gemessenen Tiefen (bis über 700 m) dürfen wir aber nicht benutzen,
weil auf einer von Punta Paloma, bzw. den Cabezos-Riffen recht nach Tanger
laufenden Linie die höchsten Erhebungen der Schwelle sich finden; diesem
seichtesten Querschnitt ist eine mittlere Tiefe — immer innerhalb der mehr als
125 m tiefen Strecke — von genau 300 m eigen. Als Mächtigkeit des Unter-
stromes in vertikaler Richtung erhalten wir somit 300 — 125 = 175 m. Wir
haben dann
Ua = 51886 =11 x 0.175 X v >< 24 >< 365,
woraus v, die Geschwindigkeit des westwärts gerichteten Unterstromes, zu
3.0 km/Stunde = 1.6 Knoten = rund 80 cm,Sek. sich errechnet. Diese Geschwin-
digkeit erscheint im Hinblick auf die direkten Beobachtungen mit Strommessern
durch »Michael Sars« durchaus nicht zu hoch?); das Schiff fand zeitweise bis zu
9 m/Sek. im Unterstrom.,
B. Die durch den Bosporus gehenden Wassermengen,
Hierfür haben wir die ausgezeichneten Arbeiten S. O, Makaroffs, über
welche Krümmel*‘) nähere Angaben macht; von ihren Ergebnissen abzugehen
liegt keine Veranlassung vor, um so weniger, als der aus der neuen Makaroff
; ST _-
noch nicht benutzbaren Knudsen- Formel U=d.— ) für das Verhältnis von
Ober- und Unterstrom resultierende Wert gut übereinstimmt mit der direkten
Quantitätsberechnung Makaroffs, Makaroff gibt nämlich als sekundliches Volumen
des Oberstromes 10 530 cbm, des Unterstromes 5700 cbm, hiernach ist U, = 0.54 J,:
Setzen wir nach den Messungen des »Thor« für S, den mittleren Salzgehalt des
Oberstromes, 18°, für Z aber 32%, So erhalten wir U, = 0.56 J.. Die Zahlen
Makaroffs liefern im Jahre
Jp = 832 km?; Up = 180 km?.
Hiernach verbleiben dem Mittelmeer alljährlich 152 km?3 aus dem Schwarzen Meere
stammendes Wasser.
„ 1) M..Knudsen, ein hydrographischer Lehrsatz. Annalen der Hydrographie 1900, S. 316 £f.;
auch O0. Krümmel im Handbuch IL, S. 510,
?) Nielsen benutzt 0.95 J und erhält auf anderem Wege für J 59 180 km?, für U 56 220 km®.
°) S. Dr. Hjort (Fußnote 2 8. 8) S, 162.
*) Handbuch der Ozeanographie II, S. 629.
5) 8. oben S. 77.
(3. 4.)