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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1915. 
des Schwarzen Meeres eine durchschnittliche Niederschlags- und Verdunstungs- 
höhe, und zieht dementsprechend beim Flußwasser auch die Donau und die 
übrigen Schwarzmeer-Flüsse heran. 
Bei der grundsätzlichen Verschiedenheit, die in den klimatischen Be- 
dingungen zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer bestehen, und bei der 
Ähnlichkeit der Funktion der Bosporus-Enge mit der der Gibraltar-Enge dürfte 
es richtiger sein, das neue »Thor«-Material zur Beantwortung einer etwas 
anderen, schon von Th. Fischer!) angedeuteten und von O. Krümmel?) im 
Überschlag nach älterem Material behandelten Fragestellung zu benutzen, der- 
art, daß wir nur für das eigentliche Mittelmeer — also ohne das 
Schwarze Meer — bestimmen, wieviel Wasser jährlich verdunstet, und wieviel 
Prozent hiervon gedeckt werden erstens durch Fluß- und Regenwasser, zweitens 
durch den Gibraltarstrom, drittens durch den Bosporusstrom, Wir setzen also an 
Ju + Je + F=UG + Up +E, 
worin Jg und Ug den Ober- und Unterstrom von Gibraltar, Jpz und Up dasselbe 
für den Bosporus bedeuten. 
A. Die durch die Gibraltar-Enge gehenden Wassermengen. 
Daß trotz der stark überwiegenden Ostströmung der Oberfläche Ge- 
zeitenbewegungen in der Straße von Gibraltar eine große Rolle spielen, ist 
bekannt, zumal in seemännischen Kreisen; ein !/„ bis 2 Sm breiter Streifen auf 
der europäischen und auf der afrikanischen Seite hat dauernd Gezeitenstrom®). 
Wie mächtig aber der Gezeitencharakter auch innerhalb des einlaufenden atlan- 
tischen Oberstromes selbst und des auslaufenden mittelmeerischen Unterstromes 
ausgeprägt ist, haben neuerdings die Untersuchungen des »Michael Sars« von 
Ende April 1910 gelehrt?); neben den überwiegenden Zeiten, in denen der ein- 
wärts gerichtete Strom nach Tiefe und Geschwindigkeit vorherrscht, kommen 
auch Perioden vor, wo dieser Oberstrom fast ganz unterdrückt ist und das 
Wasser fast des gesamten rund 320 m tiefen Profils westwärts fließt, und zwar 
mit großer Geschwindigkeit. Allerdings sind nach den Angaben der Segel- 
handbücher solche Perioden immer nur von kurzer Dauer. Krümmel®) hat in 
einem Isoplethendiagramm den ideellen Fall der vollen Kombination von Ebbe- 
und Flutstrom mit Ober- und Unterstrom unter Anlehnung an die wahrschein- 
lichen Verhältnisse der Gibraltar-Straße behandelt und sagt dabei mit Recht, 
daß in solcher Straße Strommessungen, die nicht eine volle Tide hindurch die 
ganze Wassersäule in zeitlichen Abständen von 1 oder 2 Stunden untersuchen, 
kaum ein zutreffendes Bild von der mittleren Stromschichtung und Wasser- 
führung abzuleiten gestatten. Hiernach können auch die Stromprofile des 
»Michael Sars« nicht entscheidend benutzt werden, wenigstens soweit sie ver- 
öffentlicht sind; aber einen Anhalt geben sie immerhin, 
In Verbindung mit den Salzgehaltsprofilen des »Thor« und den see- 
männischen Angaben über die beobachteten Versetzungen im Oberflächenstrom®) 
werden wir daher berechtigt sein — und dabei nicht zu hoch greifen —, dem 
atlantischen Oststrom (Jg) eine mittlere Mächtigkeit von 125 m, eine Durchschnitts- 
geschwindigkeit von knapp 2 Knoten = 3.6 km/Stunde oder 100 cm/Sekunde zu- 
zuweisen, und zwar für das ganze 14 km breite Profil. Bei der verhältnismäßig 
niedrigen Zahl für Geschwindigkeit beachte man, daß sie für die ganze Schicht 
von 0 bis 125 m gelten soll. In km-Zahlen haben wir dann die Jahresmenge 
Ju == 14 X 0.125 X 3.6 X 24 x 365 — 55198 km ®. (1.) 
Peterm, Geograph. Mitteil. 1885, ©. 415. 
‚ Handbuch der Özeanographie, II. S. 625. 
’) Reichs-Marine-Amt, Handbuch der Küste Portugals usw., 2, Aufl. Berlin 1913, S. 196. 
4) Dr. Hjort, Tiefsee- Expedition des »Michael Sars«, Internationale Revue für Hydro- 
biologie usw,., 1911, S. 162/163, 
5) Handbuch der Ozeanographie, II. 505,509, 
3) Reichs-Marine- Amt, Handbuch der Küste Portugals, 2, Aufl. 1913, S. 196: »die Strom- 
geschwindigkeit beträgt bei antem Wetter und Stillwasser im engen Teile der Straße 2 bis 35m... 
erreicht zwischen Tarifa und Cıris-Huk zuweilen 5 bis 6 Sme
	        
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