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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1915,
400 km östlich von der Enge — infolge bereits starker Vermischung des Mittel-
meerwassers mit dem atlantischen an die Isohaline von 38 °/„ gebunden. Diesen
Wert von 38 °/.9 Salzgehalt finden wir aber im Februar und Juni in etwa 70 m,
im September erst in 190 m Tiefe, so daß hiernach zu urteilen der Oberflächen-
strom vom Winter bzw. Frühjahr bis zum Frühherbst um reichlich 100 m an
Mächtigkeit gewinnt und bis nahezu 200 m Tiefe reicht. Das schon dem
Unterstrom zugehörige Wasser mit 38.30 %/, und 12.92° Temperatur, das im Juni
in 150 m sich befand, traf »Thor« im September erst in 300 m Tiefe,
Aber nicht bloß um 120 bis 150 m mächtiger wird der atlantische Strom
gegen Ende des Sommers, auch schneller wird er um diese Zeit. Auf diese
Geschwindigkeitsvermehrung können wir aus der Tatsache schließen, daß an der
Oberfläche (0 m) von Februar über Juni bis zum September hin die Salinität
schrittweise von 37,25 auf 36.92 und 36.56 abnimmt; bezeichnend für die
Geschlossenheit und homogene Beschaffenheit der nach Osten einströmenden
Wassermassen im September ist auch der Umstand, daß der Unterschied des
Salzgehaltes zwischen 100 m und 0m Tiefe, der im Mittel des Februar und Juni
rund 1%, ausmachte, im September nur 0.09 % betrug.
Im Unterstrom erscheinen nach den vorliegenden Beobachtungen die jahres-
zeitlichen Anderungen klein zu sein, soweit die Kennzeichen von Temperatur und
Salzgehalt entscheiden sollen, Aber es ist wohl richtig anzunehmen, daß mit der
Geschwindigkeit des östlichen Oberflächenstromes auch die des westlichen Unter-
stromes gegen Ende des Sommers etwas zunimmt, wenn natürlich auch nicht im
Maße des Oberflächenstromes; also um diese Jahreszeit wird der gesamte
Wasseraustausch zwischen Atlantischem Ozean und Mittelmeer seinen
Höhepunkt erreichen, Gegen Ausgang des Winters aber wird das Minimum
liegen; um diese Zeit sind auch die Gegensätze in der Wasserbeschaffenheit
zwischen Ober- und Unterstrom am kleinsten,
D. Niveauunterschiede zwischen Mittelmeer und Atlantischem Ozean,
Die Ursache für die wichtigste Strömung des gesamten Mittelmeeres, für
die an der nordafrikanischen Küste ostwärts setzende Bewegung von Wasser
atlantischen Ursprungs, liegt bekanntlich in dem Verdunstungsverlust des Mittel-
meeres. Er setzt seinerseits eine Niveauerniedrigung in dem großen Binnen-
meer voraus, über deren Betrag Nielsen unter Benutzung des neuen »Thor«-
Materials Berechnungen anstellt. Wenn Nielsen dabei aus den Dichten die
Höhe der einander das Gleichgewicht haltenden Wassersäulen westlich und öst-
lich von Gibraltar derart berechnet, daß er die ganze Tiefe der Gibraltar-
Straße, rund 400 m, zugrunde legt, so verfährt er damit nach meiner Ansicht
im Prinzip nicht richtig. Denn es muß, da die untere Hälfte des Querschnitts
(in N—5$S-Richtung) von dem Unterstrom eingenommen ist, an der Grenzfläche
von Ober- und Unterstrom eine beliebig dünne stromlose und im wesentlichen
horizontal verlaufende Schicht vorhanden sein; ‚für die aus den Dichten-
unterschieden resultierenden Unterschiede des Oberflächenniveaus kann nur die
Wassersäule oberhalb der Grenzfläche, also von etwa 150 m oder 125 m auf-
wärts, maßgebend sein!). Nun hat allerdings Nielsen auf eine deshalb an ihn
gerichtete Anfrage mir freundlichst erklärt, er habe so, wie es geschehen, um
deswillen gerechnet, weil die Grenzfläche nicht horizontal liege, sondern nach
Osten hin allmählich ansteige, Wenn dies auch gewiß zutrifft, so darf man
meiner Meinung nach doch deshalb nicht die Dichten der gesamten Wasser-
säule von 400 m aufwärts zusammennehmen; es kommt hinzu, daß für ver-
gleichsweise nahe gelegene Stationen westlich und östlich von der Meerenge
die Grenzfläche sicherlich nur ganz unbedeutend von der horizontalen Lage
abweicht. Vergleicht man eine Position in der Cadiz-Bucht mit einer im Levante-
Becken gelegenen, so mag Nielsens Einwand schon eher gelten.
Nielsen gelangt nun durch sein Verfahren zu sehr großen Niveau-
unterschieden zwischen dem Atlantischen Ozean in der Cadiz-Bucht und in
) Vgl. z. B. Krümmel, Handbuch der Ozeanographie, II. S. 481. Stuttgart 1911.