accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Schott, G.: Die Gewässer des Mittelmeeres. 
78 
messungen oder Versuche mit treibenden Bojen sozusagen sichtbar gemacht 
worden ist, erschließen wir seinen Verlauf oder besser: das Bereich seiner Ver- 
breitung im allgemeinen nur indirekt aus den ozeanographischen Kennzeichen, 
Die Karte hierfür auf Taf. 4 ist im wesentlichen mit Nielsens Darstellung identisch, 
Nur längs der algerischen Küste fehlt bei Nielsen der Unterstrom, dessen 
Existenz aber schon bei der Erläuterung des Hauptprofiles (S. 6) aus den Salz- 
gehalten als nicht nur möglich, sondern sicher abgelesen wurde; gerade an diesem 
Teile der nordafrikanischen Küste, wo der östliche Oberstrom noch vergleichs- 
weise kräftig entwickelt ist, muß die Reaktionsbewegung der Tiefe nach Westen 
sich einstellen. 
Im übrigen dürfte es zutreffen, daß auch in der Unterschicht die Neigung 
zu einer zyklonalen Umkreisung der Einzelbecken sich ausprägt, besonders im 
Tyrrhenischen ‘Meere, wo ein Teil des Unterstromes nach Genua hin zielt, der 
andere Teil aber auf der Höhe von Neapel westwärts abkurvend um die Süd- 
spitze Sardiniens herumzieht. 
C. Jahreszeitliche Änderungen. 
Die Strömungen der Oberfläche unterliegen starken zeitlichen Änderungen; 
wir sehen hier davon ab, daß in der Nähe der Gibraltar-Enge der Oberstrom 
and auch der Unterstrom mit Ebbe und Flut ihr Geltungsbereich andauernd 
ändern (S. 76), und fassen die großen jahreszeitlichen Schwankungen in 
das Auge. Im Winter, wenn Niederschläge und niedrigere Temperaturen die 
Verdunstung klein halten, wird das Bedürfnis, Ersatz vom Atlantischen Ozean 
durch den Oberflächenstrom herbeizuziehen, gering sein, demgemäß wohl auch 
der Unterstrom etwas schwächer ausgebildet sein; es kommt in dieser Jahreszeit 
hinzu, daß besonders in den von der Gibraltar-Enge entfernt liegenden nörd- 
licheren Gebieten die oben S. 164f. geschilderte vertikale Temperaturverteilung zu 
indifferenten Gleichgewichtslagen der Wassersäulen und gegebenenfalls zur Bildung 
von Bodenwasser führt, jedenfalls werden dann in der Zwischenschicht konvektive, 
vertikale Bewegungen leicht vorherrschen gegenüber horizontalen Versetzungen, 
Anders im Sommer: die intensive Hitze und monatelang anhaltende Dürre steigert 
bis zum September hin die Verdunstung enorm, hiermit aber auch das Bedürfnis 
nach Kompensation des Verlustes, was. notwendig in einer Beschleunigung und 
Vertiefung des atlantischen Oberstromes zum Ausdruck kommen muß und auch 
den Unter- oder Gegenstrom bis zu gewissem Grade verstärkt. 
Beobachtungen des »Thor« halbwers zwischen Kap de Gata und Oran, 36° 15’ N-Br., 1° 20° W-Lsg, 
Station 53 | Station 107 1 Station 223 
18. IL. 09 25. VI. 10 5. 1X. 10 
Tiefe 
vb: 
S 9/0 
19 | So 
| so 
Y 21.26 | 36.92 1 22,9 36.56 
50 71420 | 37.65 / 16.78 ‚44 
100 13.55 | 38.06 13.03 | 3821 ) 15.01 65 
150 „16 17 12.92 | 3830 FF! 14.09 | 37.290 
200 03 24 12.96 333 13.17 | 38.17 
250 12.90 | 30 "97 ‚36 12.97 — 
300 ‚94 38 ‚99 39 12.95 | 3831 
In der Tat kann aus den Beobachtungen des »Thor« eine derartige Jahres- 
periode wenigstens des Oberflächenstromes nachgewiesen werden. Im Profil von 
Kap de Gata nach Oran hat das Forschungsschiff an nahezu gleicher Position 
auf rund 36° 15’ N-Br., 1° 20’ W-Lg. dreimal gearbeitet, äm 18. IL 1909, am 
25. VI. 1910 und am 5. IX. 1910. Das Ergebnis der Beobachtungen bis 300 m 
Tiefe bringt die vorstehende Tabelle. Während in der Gibraltar-Straße auf 
der Höhe von Tarifa die Grenze zwischen Ober- und Unterstrom bei 37.0 %/oo 
Salzgehalt (in rund 100 m) zu suchen ist, erscheint dieselbe Grenze hier — rund
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.