Schott, G.: Die Gewässer des Mittelmeeres,
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anderseits, hält der atlantische Oberstrom dem von Osten kommenden mittel-
meerischen Unterstrom weithin die Wage, und das die Grenzschichten beider
Bewegungen umfassende Wasser bei 200 bis 400 m Tiefe birgt daher das Sauer-
stoffminimum, im nördlichen Teil (Tabelle IV, S. 69) mit <72.5, stellenweise
<< 70, im südlichen Teil (Profil VI, Tafel 7) längs der afrikanischen Küste mit
durchweg << 70%, .Vor dem Ausgange zur Gibraltar-Straße scheint sich .die
Sauerstoffarmut bis zum Meeresboden und auf diesem ostwärts auszubreiten.
Jedenfalls erreicht nach dem Passieren der Meerenge, im
Atlantischen Ozean, und zwar in der weiten Bucht vor Cadiz (Profil VI),
das Sauerstoffminimum seine niedrigsten Werte mit 64 und 63 °%,, jedoch in
rund 1000 m Tiefe, Wir stehen damit vor demselben plötzlichen Absinken einer
und derselben Wasserschicht, das schon aus dem Salzgehalt an der ‘gleichen
Stelle sich ergab (S. 7); »auch das Salzgehaltsmaximum liegt außerhalb der
Gibraltar-Schwelle um reichlich 500 m tiefer als innerhalb, und beide ozeano-
graphische Tatsachen sind natürlich ursächlich verknüpft, wenn auch im übrigen
das atlantische Sauerstoffminimum von rund 800 bis 1000 m Tiefe in mittleren
und höheren geographischen Breiten eine dem. offenen Ozean ohnehin zukommende
Eigenschaft sein mag l).
8 7. Die Zirkulation der mittelmeerischen Gewässer.
(Tafel 4.)
A. An der Oberfläche
ist die Neigung zu zyklonalen Umkreisungen vorhanden, nicht nür im ganzen
Mittelmeere als einem großen Becken, sondern auch in seinen einzelnen und
verschieden gestalteten Teilen, Diese Auffassung, die schon. vor nun genau
100 Jahren durch den englischen Admiral Smyth entwickelt und für das Ost-
becken von S. M.S. »Pola« bestätigt wurde, hat sich immer von neuem als im
Prinzip richtig erwiesen, Auch Nielsen legt sie seiner Karte zugrunde, und da
O0. Krümmel?) ausführlich, diese Wasserbewegungen in seinem Handbuche
behandelt, setzen wir sie als im allgemeinen bekannt voraus, Es ist immer nur
die Neigung zu diesen dem Uhrzeiger entgegengesetzt gerichteten Strömungen
vorhanden. Man darf nicht annehmen, daß jeweils das ganze System als solches
überall ausgeprägt sei; es ist wohl stets nur teilweise ausgebildet,
Maßgebend sind erstens die Winde, zweitens die Erdrotation — deren
Einwirkung besonders Nielsen an verschiedenen Beispielen berücksichtigt —,
drittens die starke Verdunstung im Mittelmeer: sie gibt zu der sozusagen pri-
mären Oberflächenbewegung Veranlassung, nämlich zu dem von Gibraltar herein-
kommenden, ostwärts gerichteten atlantischen Strom. Mit 2.5 Seemeilen stünd-
licher Durchschnittsgeschwindigkeit das Mittelmeer betretend, verliert dieser
Strom schon bis zu der Höhe von Oran erheblich, so daß hier nur noch 0.5 Sm
erreicht wird; auch treten in der flachen Bucht einerseits zwischen Oran und
dem Kap Tres-Forcas und anderseits zwischen Kap Tres Forcas und Ceuta
rückläufige, also nach Westen gerichtete Neerströme auf, Immerhin ist der
Hauptstrom noch. recht stetig bis. zum Kap Bougaroni und bis zur Enge von
Tunis, wo ein Stromteil nach dem Tyrrhenischen Meere abzweigt, an die Nord-
küste Siziliens sich anlehnend. Die von Nielsen angenommene zweite Abzweigung
recht nach Norden an der Westküste Sardiniens und Corsikas dürfte nur sehr
selten, schon im Hinblick auf die vielfach vorherrschenden starken NW-Winde,
an der Oberfläche deutlich vorhanden sein. U
1) Vgl. hierzu W. Brennecke im »Planet«-Werk, Band IIT; Ozeanographie, Berlin 1909.
S. 76, Tafel 22.
2) Handbuch der Ozeanographie, II, Band. Stuttgart 1911. S. 619 ff. Theobald Fischer
hat allerdings in einem Aufsatz »Zur Entwickelungsgeschichte der Küsten« (Petermanns Geograph.
Mitteil. 1885, S. 415) die Richtigkeit dieser allgemeinen Anschauung bestritten und dabei bemerkt;
daß er sein Material hierüber später veröffentlichen werde. Soviel mir bekannt, ist dies jedoch nicht
zeschehen. Vermutlich wollte er nur die Annahme, der Kreislauf sei in allen einzelnen Teilen immer
vorhanden. bekämpfen, eine Annahme, die hier ja auch nicht geteilt wird.