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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1915. 
seit vergleichsweise langer Zeit direkte Berührung mit der Atmosphäre fehlt. 
Freilich ist diese Anordnung zunächst nur für den Sommer beobachtet!) und sie 
gilt innerhalb bestimmter Flächen wohl auch nur für den Sommer; in den Ge- 
bieten, wo im Winter Bodenwasser gebildet wird (obeh S. 67), muß mindestens 
im Winter eine durchaus andere senkrechte Sauerstoffverteilung- eintreten und 
wird das Minimum vor der Zwischenschicht verschwinden, so wie es sogar im 
Sommer z. B. bei der »Thor«-Station 163 nordwestlich von Samos im Ägäischen 
Meer fehlte, in einer offenbar sehr energisch von oben bis unten durchlüfteten 
Wassersäule. . 
Hierauf weist auch die unterhalb des eben erwähnten Minimum einsetzende 
mäßige Sauerstoffzunahme hin, die in den meisten, besonders den westlichen 
Mittelmeergegenden zu einem zweiten, aber mäßig ausgeprägten Maximum am 
Meeresboden führt. Das Wasser der Bodenschicht, das in jedem Winter zu 
großem Teile an den uns bekannten Stellen (S. 67) neu gebildet werden dürfte, 
ist somit besser ventiliert als das der Zwischenschicht. 
Die regionalen Abweichungen von diesem Schema lehrt eine ostwest- 
liche Fahrt durch das Mittelmeer kennen; wir beginnen sie ganz im Nordosten, im 
Schwarzen Meer (Profil VII, Tafel 8). Hier begegnen wir der genugsam 
bekannten Tatsache, daß das Tiefenwasser vollkommen sauerstoffleer ist und 
unterhalb von 200 m sogar die Bildung von Schwefelwasserstoff einsetzt. Aber 
schon im Marmara-Meer tritt das charakteristische Sauerstoffminimum in 300 m 
Tiefe uns entgegen, allerdings mit dem ungewöhnlich niedrigen Werte von 32 9%; 
das Bodenwasser dagegen bringt es auf 42 °%,. Damit nimmt, wie schon räumlich, 
so auch ozeanographisch dies kleine Becken eine echte Mittelstellung zwischen 
dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer im engeren Sinne ein. 
Das Ägäische Meer ist sehr gut ventiliert, und zwar anscheinend auch 
im westlichen Teil, was im Hinblick auf die niedrigen Salzgehalte der Oberfläche 
auffallen muß; nirgends wieder im Mittelmeer reichen im Sommer die hohen 
Beträge von 90 %, so tief (bis 500 m) wie hier hinab. Es wurde auch schon 
vorhin erwähnt, daß hier das Sauerstoffminimum in 200 bis 400 m Tiefe fehlt; 
es fehlt aber solches Minimum überhaupt, da noch am Boden 88.4 %, gemessen ist. 
Im Levante-Becken und im Jonischen Meer (Profil VI, Tafel 7) 
begegnen wir einem Minimum an der oberen Grenze der salzreichen Zwischen- 
schicht bei 400 m zwar auch nicht, dafür aber in 1000 bis 2000 m, so daß im großen 
Ostbecken des Mittelmeeres das vergleichsweise sauerstoffärmste Wasser zum 
Bodenwasser gehört; es verschlägt dabei wenig, daß von 1500 oder 2000 m 
ab eine ganz leise Zunahme des Sauerstoffes meist beobachtet ist. Nach Nielsen 
ist die Tatsache dadurch zu erklären, daß im Osten das Bodenwasser von seinen 
Ursprungsstellen, dem Ägäischen Meere und der Adria, weit entfernt sich befindet; 
ob dies ganz ausreicht, um z. B. die sehr großen Unterschiede zwischen Stat. 163 
(Samos) und Stat. 160 (Rhodos) annehmbar zu machen, dürfte zweifelhaft sein. 
Die Luftverhältnisse des Wassers der N 
Adria”) erinnern wieder an die der Agäis; selbst im Sommer erreichen 
die Sauerstoffprozente der Tiefen fast durchweg die hohen Werte 80 und 85 %., 
von den Tiefen des an der allgemeinen Zirkulation wohl oft unbeteiligten soge- 
nannten Pomo-Beckens abgesehen, Nur in der Straße von Otranto macht sich 
in Verbindung mit dem vom Jonischen Meere einströmenden salzreichen Wasser 
der Zwischenschicht eine Herabsetzung unter 80%, wenigstens zeitweise bemerkbar. 
Das Tyrrhenische Meer”) ähnelt, was die senkrechte Verteilung des 
Sauerstoffgehaltes betrifft, dem Jonischen; dies nimmt nicht wunder, da offenbar 
unter Vermittelung der langen Straße zwischen Tunis und Sizilien die Tiefen 
des Tyrrhenischen Meeres ganz wesentlich von denen des Jonischen Meeres aus, 
also von Süden her, in den allgemeinen Wasseraustausch einbezogen werden 
(S. 6). Anders nun im 
Balearen-Becken, der großen westlichsten Fläche. Hier, zwischen 
Spanien und Sardinien—Corsika einerseits. Algier und der französischen Riviera 
!) Auf seiner Winterreise beobachtete »Thor« den Sauerstoffgehalt erst von 600 m Tiefe ab. 
2) Eine Profildarstellung hierfür ist im vorliegenden Aufsatz nicht gegeben.
	        
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