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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

58 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1915. 
von Norden her beziehen, aus den Gewässern vor der Straße von Otranto und 
vielleicht auch zeitweise aus der südlichsten Adria. Es liegt nahe, die Herkunft 
des Bodenwassers in dem Östlichsten Teil, im Levante-Meer, auf entsprechende 
Art und Weise aus der Ägaeis abzuleiten; und die Station Nr. 163 des »Thor« 
im NW von Samos, wo in 1140 m Tiefe 13.4° mit S = 38.84 %/9o (!) beobachtet 
wurde, zwingt wegen des abnorm hohen Salzgehaltswertes, der nicht irgendwie 
von Westen her auf dem Tiefwasserweg gekommen sein kann, zu der Annahme, 
daß im Winter in der östlichen Ägaeis Bodenwasser entsteht, das — wenigstens 
zeitweise — südwärts über die von Kreta nach Rhodos verlaufende Schwelle 
von weniger als 500 m Tiefe fließt und dann in die großen Tiefen des Levante- 
Beckens absinkt (Nielsen a. a. O. S. 141), sich zugleich weitgehend mit Wasser 
aus den Zwischenschichten dieses Beckens mischend. 
Ob aber diese Quelle im Ägäischen Meer ausreicht, das Bodenwasser für 
das ganze große Levante-Becken zu liefern, will mir sehr zweifelhaft erscheinen, 
hauptsächlich wegen der Wärmeverhältnisse des Winters in dem östlichen Teil 
des Ägäischen Meeres nördlich von den Cykladen. Der westliche Teil kommt 
ja wegen der stark verminderten Salinität des Oberflächenwassers überhaupt 
nicht in Betracht. Nach der Februarkarte (Tafel 6) können wir nicht damit 
rechnen, daß in jedem Winter die erforderlichen niedrigen Oberflächen- 
temperaturen auftreten von weniger als 14°; in dem ganzen Bereich bewegen 
sich die Wärmegrade vielmehr zwischen 15° und 16°. Allerdings sind dies 
Mittelwerte, und außerdem verlangt der hohe Salzgehalt von 39 %g und < nur 
eine Abkühlung auf etwa 14.5°%, um ein Absinken solchen Oberflächenwassers 
direkt bis zum Boden herbeizuführen, Aber diese Erwägungen besagen nichts 
yegenüber der Tatsache, daß 13.8° als Bodentemperatur im ganzen Levante- 
Becken nun einmal beobachtet ist, keine höheren Werte. 
Aus dem Zwiespalt hilft wohl nur die Annahme heraus, daß auch das 
Levante-Recken zwar nicht alles Bodenwasser, aber doch sehr große Mengen 
seines Bodenwassers von Westen aus dem Jonischen Meere bezieht. Wir haben 
dann auch eine bessere Erklärung für den sehr großen Unterschied im Sauer- 
stoffgehalt dieses Bodenwassers: nördlich von der Schwelle Kreta — Rhodos 
Dr — 88%, (Station 163), südlich von der Schwelle nur = 71%, (Station 160). 
Das Bodenwasser des östlichsten Mittelmeeres ist schon lange Zeit von der Ober- 
fläche abgeschnitten und sauerstoffarm geworden, 
Alles in allem genommen, führen schon diese Schlüsse zur Vorstellung, 
daß auch das Bodenwasser des Mittelmeeres, im Westen wie im Osten, 
sehr weitgehende horizontale Versetzungen erfährt, daß es fließt 
und nicht stayniert. 
8 6. Die Verteilung des Sauerstoffgehaltes im Mittelmeerwasser. 
(Tafel 7 und 8.) 
Neben Salzgehalt und Temperatur gilt der Gehalt an absorbierter atmo- 
sphärischer Luft, im besonderen an Sauerstoff, als drittes wichtiges Kennzeichen 
der verschiedenen Wasserarten; in der Tabelle IV, S. 69, sind für einige aus- 
gewählte Stationen die absoluten Beträge von O, nach ccm pro Liter und die 
relativen Beträge in Prozenten der bei Sättigung möglichen Menge, also 100 S 
enthalten, letztere auch in den Profilen. Diese Werte, denen ähnlich wie den 
Angaben der relativen Luftfeuchtigkeit eine größere Anschaulichkeit zukommt, 
3zind vom absoluten Betrag und der Temperatur abhängig. Neben der atmosphä- 
rischen Luft kommt für den Sauerstoffgehalt, zumal in den obersten Schichten, 
bald ihn mehrend, bald ihn mindernd, die Tätigkeit der lebenden Organismen, 
namentlich des Planktons, sowie die Verwesung abgestorbener Lebewesen in 
Betracht. 
Gehen wir im Mittelmeer — zunächst im westlichen Becken als dem in 
diesem Sinne einfacheren — von der Oberfläche zur Tiefe, so finden wir an der 
Oberfläche im allgemeinen nahezu Sättigung mit O,, d.h, Werte, die um 95°/, sich 
bewegen. Darauf folgt überall, auch im östlichen Becken, zwischen 25 und 50 m
	        
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