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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Schott, G.; Die Gewässer des Mittelmeeres. 
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nach Süden und zugleich von Westen nach Osten. Den niedrigsten Wärmegrad 
mit 12.9° finden‘ wir daher im nördlichen Balearen-Becken und im Golf von 
Genua, den höchsten mit 13,8° im Levante-Becken. Daß in der nördlichen Adria 
die Bodentemperaturen mit 12.5° und 12° und über ganz flachem Wasser noch 
weiter herunter gehen, kann bei dem besonderen Charakter dieses Binnenmeer- 
teiles nicht wundernehmen, ebensowenig, wie die bei 9° liegenden Werte für das 
Bodenwasser des Schwarzen Meeres hier uns weiter beschäftigen, 
Hand in Hand mit der Temperaturzunahme des mittelmeerischen Boden- 
wassers von NW nach SO und fast überall genau parallel mit ihr geht eine 
Salzgehaltszunahme (Tafel 4); wir können ansetzen 
Bodenwasser 
So 
ei 
Nördliches Balearen-Becken ... 
Südliches Balearen-Becken .... 
Tyrrhenisches Meer ........ 
Jonisches Meer ....... # 
Levante-Meer ‚.........44 I 
2.9 
3.1 
3,3 
13.7 
13.8 
35.37 
38,38 
38.42 
38.64 
38.66 
Die westöstliche Salzgehaltszunahme erinnert an die entsprechende Steigerung 
in der Meeresoberfläche (S. 12); dies und der absolute Betrag von S°%/,9 zeigen 
schon, daß das Bodenwasser des Mittelmeeres durchaus im Mittelmeer 
selbst gebildet werden muß und nicht etwa durch Zufluß vom Atlantischen 
Ozean her über die Gibraltar-Schwelle zustande kommt. Dies verbieten zudem 
die bekannten Stromvorgänge in der Straße von Gibraltar; und wenn auch 
gerade im Niveau der Schwelle (300 bis 400 m) draußen in der UCadiz-Bucht 
Temperaturen von 13° bis 12° beobachtet sind, so sind sie doch dort an Wasser 
von 36 %/,9 und << 36 9 gebunden. Unser Mittelmeer gehört also keinesfalls 
zu denjenigen abgeschlossenen Becken, wie z. B. die hinterindisch-malailischen, 
für deren Bodenwasser die Schwellentiefe, die zum freien Ozean führt, maß- 
gebend ist!); entscheidend sind vielmehr die Wintertemperaturen des 
Wassers der Oberfläche über der betreffenden Stelle oder auch an mehr 
oder weniger weit entfernten Stellen. Die Ausführungen in $ 4 (S. 16 ff.) zeigen, 
wie das Absinken und wann es möglich wird, 
Hier fassen wir nur, im Grundgedanken Nielsen folgend, noch das 
»wO«, also die Örtlichkeiten in das Auge, die besonders für die Entstehung 
des Bodenwassers in Betracht kommen, und vergleichen zu dem Zwecke mit 
unserer neuen Karte der Oberflächenisothermen des Februar (Tafel 6) die 
Karte der Bodentemperaturen (Tafel 4); die in letzterer stehenden Temperatur- 
zahlen müssen wir dabei in Gedanken noch um ?%/,4° bis 39° verkleinern, weil 
das Bodenwasser im Mittelmeer der adiabatischen Erwärmung um etwa solche 
Beträge unterliegt?). Dann verbleiben nur eng begrenzte Gebiete, in denen 
Oberflächenwasser zum Boden absinken kann. Der nördliche Teil des Balearen- 
Beckens ist in dieser Hinsicht das wichtigste Gebiet für die ganze westliche 
Hälfte des Mittelmeeres; nur hier sinkt im Durchschnitt die Wintertemperatur 
bis herab auf rund 12.5°. Das Bodenwasser. vor der algerischen Küste kann 
schon nicht mehr an Ort und Stelle entstanden sein, .es verbieten dies auch 
die niedrigen Oberflächensalzgehalte. 
Das Jonische Meer muß, da seine zentralen und südlichen Flächen schon 
15° und 16° Februar-Temperatur besitzen, sein Bodenwasser mit 13.7° ebenfalls 
1) In meiner kleinen »Physischen Meereskunde« (Leipzig 1910) steht S, 75/76 leider auch 
noch in der 2. Auflage der Satz: »Bei dem westlichen Mittelmeer kommt noch der zufällige Um- 
stand hinzu, daß in der größten Zugangstiefe, welche den Atlantischen Ozean mit dem Mittelmeer 
verbindet, gerade eine ungefähr der Wintertemperatur gleiche Tiefentemperatur des offenen Ozeans 
mit 12,79 vorhanden ist.« Die ganze Stelle wird am besten getilgt, da sie den Anschein erweckt, 
als sollte Ozeanwasser in der Tiefe zum Mittelmeer hineinströmen und zur Bildung von Boden- 
wasser beitragen können. G. Sch, 
2) G. Schott, »Adiabatische Temperaturänderung in großen Meerestiefen«, in den »Ann, 
d. Hydr. usw.« 1914, S. 325; auch oben 1915, S. 14.
	        
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