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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1915.
weisen; sie liefern wieder einen Beweis dafür, daß nicht selten gerade die sehr
befahrenen Meeresstrecken noch zu den in ozeanographischem Sinne recht
unbekannten gehören.
Nicht in allen Jahren scheint diese Kaltwassergegend des nordwestlichen
Balearen-Beckens im August in der auf Tafel 6 angegebenen Ausdehnung sich
auszubilden; manchmal sind in dem fraglichen Gebiet auch Temperaturen von
22° und 23° beobachtet worden. So könnte man schließlich an zeitweise ein-
setzenden Auftrieb von Tiefenwasser denken, was im Sommer die absoluten Beträge
der Temperatur ja nicht verbieten, und damit an die relativ niedrigen Wärme-
grade erinnern, die im Sommer die dalmatinischen Gewässer bekanntermaßen
auszeichnen, und die — freilich nur in schwacher, aber doch unverkennbarer
Weise — auch an der kleinasiatischen Westküste um diese Jahreszeit charakteristisch
sind. Merkwürdig endlich, gerade in diesem Zusammenhang, wird auch die
langgestreckte Kaltwasserinsel von 22° und weniger, bis 17.8° herunter, im nord-
westlichen Schwarzen Meere erscheinen; sie grenzt, soweit unsere Beobachtungen
gehen, nicht an die Küste selbst.
Der November (Tafel 6) läßt, wenn auch die Temperaturen naturgemäß
durchweg erheblich höhere sind als im Februar, doch im Verlaufe der Isothermen
an solchen schon das kommende winterliche Bild der Wärmeverteilung voraus-
sehen; in allen prinzipiellen Punkten entspricht der November bereits dem
Februar. Dies zeigt sich hauptsächlich in dem Umstande, daß im November
die Osthälften der Becken höhere Temperaturgrade aufweisen als die Westhälften,
d. h. also, daß z. B. an der neapolitanisch-kalabrischen Küste das Wasser wärmer
ist als an der spanischen Ostküste, in der Adria an der dalmatinisch-albanischen
das Wasser wärmer ist als an der italienischen, und in der Ägäis an der klein-
asiatischen Westküste wärmer als an den griechischen Gestaden.
Sehr deutlich hebt sich durch etwas niedrigere Temperaturen der die
Straße von. Otranto mit Süd-Richtung verlassende Abflußstrom an der ita-
lienischen Seite der Adria heraus, desgleichen der Dardanellen-Strom, der sich
in seinen Fernwirkungen noch westlich von Kap Matapan am zungenförmigen
Verlauf der 19°- und 20°-Isotherme offenbart.
Im Schwarzen Meere bringt der November eine sehr‘ schnelle Abkühlung;
während der Oktober bei Wassertemperaturen von 20° bis 22° noch sommerlich
warm erscheint, sinkt die Wasserwärme im November auf 15° bis 16° in den
zentralen und südlichen Teilen, sogar auf 10° vor Odessa; im Dezember geht
die Temperatur noch intensiver zurück auf 12° in dem zentralen Gebiet und
8° bis 5° in den landnahen nördlichen Strecken.
Die mittlere Jahresschwankung endlich, soweit sie aus Isothermen
der Monate Februar und August abgeleitet werden kann, veranschaulicht die
Karte auf Tafel 4. Sehen wir vom Schwarzen Meere ab, das ja wegen seiner
ganzen Lage in der NO-Ecke »Mittelmeercharakter« nicht besitzt, so bleiben
die mittleren Amplituden im Bereich des eigentlichen Mittelmeeres fast überall
unter 13°; nur zwei kleine Strecken, vom Golfe du Lion südwärts und an der
Westseite der Adria, weisen Amplituden bis 14° und selbst 18° auf. Ein guter,
für räumlich weite Flächen gültiger Durchschnittswert ist 10°, Weniger als 10°
Jahresschwankung als unverkennbare Folge des atlantischen Ozeanwassers
finden wir von der Gibraltar-Straße ostwärts an der ganzen nordafrikanischen
Küste, und wir kommen mit einem Werte von 9° und wenig mehr bis in die
Ostecke vor Port Said. Mit der allergeringsten Schwankung, mit dem gleich-
mäßigsten Temperaturgang können aber nach unseren Zahlen die Gewässer vor
der kleinasiatischen Westküste etwa zwischen Smyrna und Rhodos aufwarten;
hier scheint stellenweise die mittlere Amplitude noch unter 7° zu liegen; doch
müßte wohl durch vermehrtes Beobachtungsmaterial dies Ergebnis nachgeprüft
werden. —
B. Am Meeresboden (Tafel 4)
lassen nun die exakten Messungen des »Thor« eine zwischen 12.9° und 18.8°
schwankende Wassertemperatur erkennen, und zwar sind die Unterschiede sehr
regelmäßig derart verteilt, daß die Bodentemperaturen wachsen von Norden