accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Schott, G.: Die Gewässer des Mittelmeeres. 
65 
ausmacht. Dagegen beläuft sich die Wärmezunahme im Bereiche des Gibraltar- 
Stromes nur auf etwa 2°, und wenig größer ist die entsprechende Zahl in den 
offenen Teilen des Tyrrhenischen und Jonischen Meeres, einschließlich der Levante. 
Die syrischen Küstengewässer allerdings, die fast immer das Wärmemaximum 
im Bereiche des Mittelmeeres zu beherbergen scheinen, steigern ihre Temperatur 
seit Februar um 5° und mehr, so daß wir im Mai vor Jaffa, Beirut, Iskenderun 
und Mersina schon über 22° beobachten können, ; 
Das im Mai die Erwärmung des Mittelmeerwassers im allgemeinen für die 
nördlichen Gegenden schneller vor sich geht und höhere Beträge erreicht als 
für die südlichen Gebiete, mag mit der größeren Landumschlossenheit der ersteren 
zusammenhängen; so kommt es, daß im Mai vor Palermo die Meerestemperatur 
nicht höher, eher niedriger sich stellt als an der »Riviera«, besonders an der 
italienischen. Und endlich erscheint der Umstand beachtenswert, daß, soweit das 
Material hierin einen Einblick gestattete, mehr als in anderen Monaten im Mai 
große Unterschiede auftreten zwischen Anfang und Ende des Monats; es kommen, 
wohl je nach dem Verlaufe der Witterung, Differenzen von 5° und darüber 
innerhalb dieser Zeit an ein und derselben Örtlichkeit vor. 
Im August (Tafel 6) begegnen wir einer fast durchweg sehr hohen, bei 
Beachtung der geographischen Breiten geradezu tropischen Temperatur des 
Mittelmeerwassers, Mittelwerte von mehr als 25° treten überall verstreut auf, 
so im Bereiche der Balearischen Inseln, im südlichen Tyrrhenischen Meere von 
Neapel an, in der Adria so nördlich wie Venedig, dann im ganzen Jonischen 
Meere, und die heißeste Ecke bildet die Gegend zwischen Cypern und der Fest- 
landsküste, wo im Golfe von Iskenderun mit Wärmegraden von 30° Verhältnisse 
auftreten, die an die des Roten Meeres durchaus heranreichen. Dem gegenüber 
finden wir, und zwar auf derselben Breite von 36° N., das überhaupt kühlste 
Wasser des hochsommerlichen Mittelmeeres ganz im Westen, nach Gibraltar hin, 
wo die Oberfläche nur 22° und weniger besitzt; zieht doch um diese Zeit die 
20°-Isotherme im Atlantischen Ozean nordsüdlich an der portugiesisch-afrikanischen 
Küste entlang‘). 
Nur eine Gegend im Mittelmeere scheint während des August noch kühler 
zu bleiben als die Gibraltargegend, nämlich ein gewisses Gebiet zwischen der 
Westküste Korsikas und dem Golfe du Lion südlich von der Rhone-Mündung; 
hier mußte, wenigstens nach dem verfügbaren Material, die für August sehr 
niedrige Isotherme von 20° eingezeichnet werden, und Werte von nur 22° sind 
bis zur Straße von Bonifacio beobachtet. Die Hyerischen Inseln östlich von 
Toulon bilden anscheinend die Grenze zwischen dem warmen und kalten Wasser; 
jedenfalls haben direkt südlich von der Rhone-Mündung, aber mehr als 100 km 
davon entfernt, verschiedene Schiffe sogar nur 18.3° im August gemessen! 
überraschend niedrige Werte für den, der die glühende Hitze Südfrankreichs im 
Sommer erfahren hat und das Rhone-Wasser nicht dafür verantwortlich machen 
möchte, um so weniger, als nahe der französichen Küste das Mittelmeerwasser 
meist etwas wärmer zu sein scheint als weiter seewärts, südwärts. Welche 
Wärmegrade das Rhonewasser im August an der Mündung besitzt, war mit 
Sicherheit nicht festzustellen. In Genf?) hat die Rhone im August eine Temperatur 
von 18.4°, in Lyon?) schon eine solche von 19.8° (an diesem Örte um 2° kälter 
als die Luft), so daß für die weit entfernte Mündung .22° wahrscheinlich sind, 
selbst wenn wir durch die auf der Strecke noch hereinmündenden Alpenwässer 
der Isere und Durance eine Verzögerung der Temperaturzunahme annehmen. 
Dieser Wert von 22° ist aber bereits zu hoch, um die im Mittelmeer haupt- 
sächlich in starkem Abstande von der Küste beobachteten niedrigen Oberflächen- 
temperaturen zu erklären, ganz abgesehen von dem Mißverhältnis zwischen den 
Wassermengen. Ich kann daher auch hier, wie schon bei dem Februar (S. 63/64), 
nur auf diese neuen, noch ungeklärten Verhältnisse der Wärmeverteilung hin- 
!) Vgl. z. B. G. Schott, Geographie des Atlantischen Ozeans. Hamburg 1912. Tafel X, 
2) Forster, Die Temperatur der fließenden Gewässer Mitteleuropas. Geographische Ab- 
handlungen, hrsg. von Penck. Bd, V, Heft 4. Wien 1894. 8, 418 ff. 
Ann. d. Hydr. usw. 1915, Heft 1I.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.