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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1915. 
ausscheiden, obschon die häufigen, starken NW-Winde dieses stürmischen Golfes 
den Gedanken nahelegen. Ähnlich, wie südlich von den Po-Mündungen in der 
Adria und südlich von der Donau- und Dnjepr-Mündung im Schwarzen Meere 
die kalten Süßwassermassen dieser Ströme weithin oberflächlich sich ausbreiten, 
wird man im Golfe du Lion an das Rhonewasser denken, das westwärts ver- 
frachtet wird; ist dies der Fall, dann müßten allerdings die Isothermen auf Tafel 6 
bei genauerer Untersuchung eine Anderung dahin erfahren, daß die niedrigsten 
Temperaturen von der Rhone-Mündung ausgehen. Man könnte vielleicht auch 
noch die direkte Abkühlung der Oberfläche des Golfes-durch die niedrigen Luft- 
temperaturen zur Erklärung der ungemein niedrigen Wassertemperaturen an- 
führen. Jedenfalls ist diese nordwestliche Ecke des Balearischen Meeres, also 
das spanisch-französische Grenzgebiet, einer besonderen Erforschung, schon was 
die Oberflächentemperaturen betrifft, wert; daß dies auch für den Sommer gilt, 
wo wiederum augenblicklich noch rätselhafte Temperaturverhältnisse auftreten, 
werden wir nachher (S. 65) sehen. . 
In der Adria bieten die Wasserisothermen, dank den älteren und neueren 
österreichischen Arbeiten, keine Überraschung. Die dalmatinisch-albanischen 
Gewässer erfreuen sich im Winter eines erheblichen Wärmeüberschusses gegen- 
über den italienischen, was nur zum Teil eine Folge der Strömungen ($ 7) ist. 
Ebenso liegen nun die Dinge in der Ägäis; Wärmegrade des Wassers von 15° 
und mehr bei Chios, ja noch bei Mytilini stehen solche von weniger als 14° auf 
der griechischen Seite gegenüber. An der kleinasiatischen Küste von Kap Baba 
nordwärts zu den Dardanellen dürfte ruckweise eine Erniedrigung der Wasser- 
temperatur um 3°, herab bis auf etwa 11°, einsetzen, da das Marmara-Meer, mit 
nur etwa 8.5° im Februar bei großen Schwankungen von Jahr zu Jahr, sein 
kaltes Wasser durch die Dardanellen heraus entläßt, von ‘wo es sich südwestwärts 
ausbreitet. Im Schwarzen Meer stellt im Winter, wie übrigens auch während 
aller anderen Jahreszeiten, die Westseite, insbesondere die Nordwestseite, die 
niedrigsten Oberflächentemperaturen; nach Odessa hin werden im Februar 
manchmal Werte von nahe an 0° beobachtet, während in der SO-Ecke vor Batum 
und Trapezunt die Wasserwärme kaum je unter 7° herabgeht. 
Die vorhin erwähnte thermische Begünstigung der kleinasiatischen Seite 
des Ägäischen Meeres scheint in Zusammenhang mit relativ hohen Wasser- 
temperaturen auch an der Südküste von Kleinasien und an der Küste Syriens 
und Palästinas zu stehen, Im Golfe von Alexandrette (Iskenderun) auf nahezu 
37° N-Br. sind 17° und darüber im Februar beobachtet; höher sind die ent- 
sprechenden Temperaturen vor Port Said—Alexandrien unter nur 32—31° N-Br, 
auch nicht. Der große Wärmevorrat des Mittelmeeres im Winter an den klein- 
asiatischen Küsten steht in starkem Gegensatz zu den niedrigen Festlands- 
temperaturen um diese Zeit; für Smyrna wird beispielsweise eine mittlere 
Januartemperatur von 7.5° und ein mittleres Minimum von —4.4° angegeben, 
Wenn nach unserer Isothermenkarte das Meerwasser in der Gegend von Chios 
—Smyrna mehr als 15° für Februar besitzt, so beachte man dabei, daß die 
benutzten Messungen im allgemeinen von den landfreien Strecken stammen 
und nicht in unmittelbarer Nähe des Ufers gemacht sind; dicht unter Land 
mögen im Februar wohl etwas niedrigere Temperaturgrade herrschen. Aber 
eine sehr erhebliche positive Differenz Wasser minus Luft bleibt ganz sicher 
bestehen, ist auch nichts ungewöhnliches, wenn wir z. B. an die ähnlichen 
winterlichen Verhältnisse der norwegischen oder jütländischen Gestade der 
Nordsee denken. ; 
Die Februar-Temperaturen haben, da sie im allgemeinen die Minima der 
Wasserwärme bringen, besondere Bedeutung für die Entstehung des Bodenwassers 
($ 4, S. 15 bis 18). 
Der Mai (Tafel 6) bringt, verglichen mit Februar, eine starke Erwärmung 
aller nördlichen Teile der verschiedenen Mittelmeerbecken; so in der Bucht von 
Genua um 4 bis 5°, so in dem ganzen nördlichen Teile und der westlichen 
Hälfte der Adria um 6 bis 8°, und besonders im Schwarzen Meere, wo die 
Steigerung seit Februar 8 bis 10° und im nordwestlichen Zipfel mehr als 10°
	        
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