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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1915,
die Bewegung des Wassers der tiefsten Schichten zu messen. Es fragt sich,
ob eine einfache Bootsverankerung, wie wir sie auf der »Deutschland« ausgeführt
haben, hierfür genügt. Am besten würde es sein, eine Boje mit zwei oder mehr
Drahtlitzen fest zu verankern, eine Boje, ähnlich der bei den Kabellegungen
benutzten Form, die auch zu späteren Messungen wieder benutzt werden könnte,
wenn man die Verankerung dauerhaft genug wählt.!) Würde sich ein solcher
erster Versuch zur Schaffung eines festen Punktes im Ozean bewährt
haben, dann könnte später an mehreren Punkten gleichzeitig beobachtet werden,
ebenso wie heutzutage die höheren Luftschichten gleichzeitig durch Drachen-
und Ballonaufstiege erforscht werden. Die technischen und organisatorischen
Einzelheiten werden sich später ergeben, wenn die Mittel zu diesen Arbeiten
vorhanden sind. Für die Inangriffnahme dieser Forschungen tritt auch Bjerknes’”)
ein, den ich kurz noch anführe, Dieser sagt:
»Als wichtigster Punkt muß betont werden, daß es nötig ist, genügend
Daten von unmittelbaren Beobachtungen der Meeresbewegungen sowohl an der
Oberfläche wie in größeren Tiefen herbeizuschaffen.« Ferner:
;Hydrographische Expeditionen, die gelegentlich ausgehen, können nur
zur Kenntnis des durchschnittlichen Zustandes, d. h. der Klimatologie des Meeres
beitragen, Das endliche Ziel muß aber die Erforschung der augenblicklichen
Zustände und ihrer Variationen sein. Dann muß für die Organisation vor allem
die Gleichzeitigkeit als Grundsatz aufgestellt werden. Die Untersuchungen werden
dann nicht von üppig ausgestatteten Schiffen auszuführen sein, die Monate oder
gar Jahre auf dem Meere kreuzen, sondern durch das Zusammenarbeiten kleiner
Fahrzeuge, die gleichzeitig ausreisen.«
‚Jedenfalls scheint es mir unter allen Umständen, in welcher Richtung sich
die Meereskunde auch weiter entwickeln möge, die dringendste Forderung zu
sein: feste Punkte im freien Ozean zu schaffen. Zur Erfüllung dieser
Forderung bedarf es nur relativ geringer Mittel, denn die Verankerung einiger
Bojen kann leicht durch die mit allen technischen Einrichtungen versehenen
Kabeldampfer geschehen, z. B. bei Gelegenheit einer Kabelreparatur. Diese festen
Punkte können sodann die Stützpunkte für kleine Schiffe werden, die an diesen
Bojen ihre Boote verankern, um von ihnen aus die Richtung und Geschwindigkeit
der Oberflächen und Tiefenbewegungen des Ozeans zu messen. An diesen Bojen
können außerdem Apparate in beliebige Tiefe versenkt werden, die uns kontinuier-
liche Temperaturaufzeichnungen geben. Wird an mehreren Bojen von ver-
schiedenen Schiffen gleichzeitig gearbeitet, so ist es möglich, einwandfreie
dynamische Schnitte zu gewinnen und die Theorie durch das Experiment zu
prüfen,
Hoffen wir, daß diese Gedanken sich verwirklichen lassen, indem Mittel
für derartige Forschungen bereitgestellt werden. Ich möchte, wie es Krümmel
schon in Lübeck tat, wieder an das Wort Heinckes erinnern: »Der Ozean ist
groß und mit kleinen Mitteln kann man ihm nicht beikommen.«
') Vgl. auch: G. Ekman, Zur Technik der Strommessung in »Ur Svenska Hydrografisk-
Biologiska Kommissionens Skrifter«, Bd, V.
?ı Dynamische Meteorologie und Hydrographie II, S. 21 und S. 7.