Brennecke, W.: Aufgaben und Probleme der Ozcanographie,
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auch der Lotdraht nicht an, denn wenn die. Verschiebungen langsam erfolgen,
steht trotz der Bewegung des Schiffes der Lotdraht senkrecht aus, da er,
beschwert durch das Lotgewicht, .den Verschiebungen, die das Schiff erleidet,
folgt. Für die ziemlich kräftigen Strömungen an und unter der Meeresoberfläche
kommt diese Verschiebung des Schiffes. nicht so schwerwiegend in Betracht,
starken Einfluß gewinnt sie aber, wenn man. die schwächeren Strömungen in
mehreren hundert oder gar wohl tausend Meter Tiefe messen will. Daher möchte
ich auch diese Methode für die Messung von Tiefenströmungen als nicht genügend
exakt ablehnen, trotzdem sie den unverkennbaren Vorteil hat, daß sie leicht
auszuführen ist. . ;
Ich selbst habe mich auch praktisch mit dem Problem der Strommessung
auf der deutschen antarktischen Expedition ‚beschäftigt. Ich bin zurückgegangen
auf die Verankerung eines Bootes: an der Lotleine, nur, daß ich erst die Tiefe
feststellte und sodann eine Schlammröhre mit festaufsitzendem Lotgewicht an
einer 2 mm starken Drahtlitze versenkte. Hatte das Lot den Boden (3000 m)
erreicht, so wurden etwa 1000 m Drahtlitze nachgesteckt, das Ende der Draht-
litze wurde sodann dem längsseit liegenden Boot übergeben. Ich konnte fest-
stellen, daß das Lot als Anker sich gut bewährt hat, d. h. daß die Schlammröhre
während der ganzen Zeit der Verankerung im Boden fest gewesen ist; dies zeigte
auch die. stetige Trift des Schiffes. an, das sich schnell vom Boot entfernte. Daß
das Boot keine großen pendelnden Bewegungen ausgeführt hat, zeigen die Er-
gebnisse der ‚Strommessung: 7° 13’ N-Br., 36° 1’ W-Lg., indem eine Wiederholung
der Beobachtungen gute Übereinstimmung (z. B. in 50 und 150 m Tiefe) ergab,
wie die folgende Zusammenstellung zeigt:
103/23 V 0.5m
1212N 05m
3hN 005m
5hN 05m
(12V 10m
4hN 10m
111,3 V 25m
N50°W 5 em/sek.
NIOCW 26
N35°W 20
NV8S0°W 12
S65°W 12
S85°W 12
N50°0 33
41,N 25m N45°W 11 cm/sek.
117% 50m Ost, 40
4/57 50m N85°0 36
41." 100m * S10°W 3°
12h 7 150m N60°W. 17
43/37 150m N709°W 24
21/hN 600m S15°W 12
Eine Erklärung der Strombewegungen in den einzelnen Schichten ist nicht
möglich, wohl aber zeigt uns diese Reihe, daß die Verhältnisse sehr verwickelt
sind. Die. theoretischen Ableitungen sind mit der Beobachtung in diesem Gebiet
zum Teil in Widerspruch. Zwar dreht der Strom mit zunehmender Tiefe nach
rechts, ist zwischen 50 und 100 m entgegengesetzt dem Oberflächenstrom, ” hat
aber hier eine weit über die Stärke der Oberflächenströmung. herausgehende
Geschwindigkeit, in 150 m hat er um 360° gedreht und fließt nach derselben
Richtung wie der Oberflächenstrom; die nahezu. stromlose Schicht,; die ‚nach
Drehung des Stromes um 180° vorhanden: sein soll, wurde ‘nicht festgestellt.
An der Oberfläche finden wir ferner sehr starke Veränderungen während der
Beobachtungszeit, die etwa 6 Stunden betrug, Veränderungen, die wir auch im
Boot selbst beobachten konnten sowohl nach Richtung wie Geschwindigkeit.. Ob
die großen Unterschiede zwischen den beiden Bestimmungen in 25 m Tiefe reell
sind, oder ob ein Versagen des Instruments vorliegt, ist nicht zu entscheiden,
Solche vereinzelte Strommessungen von kurzer Dauer können nun wohl
gut die Methodik fördern, jedoch wenig nur unsere Kenntnis über den ursäch-
lichen Zusammenhang der einzelnen Faktoren vermehren. Es ist daher eine
der dringendsten Forderungen, systematische Strommessungen auszuführen,
zunächst an einem bestimmten Platz, z. B. in der Kalmenregion des Atlantischen
Ozeans. Ich denke mir dies so, daß ein Schiff wochenlang sich hier aufhält
und außer den Serienarbeiten, die sich. auf die Untersuchung der Schwankungen
der Temperatur und des Salzgehalts in den Tiefenschichten erstrecken, sein
Hauptgewicht darauf legt, möglichst kontinuierliche Strommessungen mit Vvoll-
kommneren Instrumenten, als bislang zu den Einzelmessungen benutzt werden,
in den verschiedensten Schichten auszuführen — vor allem auch Versuche macht,