50 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1915.
eine sogenannte Stromboje bestimmt, die aus einem Segeltuchkreuz, das in einer
bestimmten Tiefe durch eine Boje gehalten wird, bestand. Indem man annahm,
daß die Richtung und Geschwindigkeit der Boje gleich der Resultierenden aus
Oberflächen- und Tiefenstrom sei, konnte man nach Bestimmung des Ober-
flächen- und Resultierenden Stroms den Tiefenstrom berechnen,
Die Fehlerquellen sind bei dieser Methode auch noch erheblich, so daß
z. B. die Messungen der »Gazelle«-Expedition keinen Einblick in den Mechanis-
mus der Tiefenströmung ermöglichen, aber bei einzelnen »Challenger«-Beob-
achtungen tritt z. B. das erst neuerdings von Ekman abgeleitete Gesetz der
Rechtsdrehung der Strömung bei zunehmender Tiefe auf N-Br, klar heraus, So-
weit ich gesehen habe, sind die Beobachtungen der »Challenger« wenig berück-
sichtigt worden (im »Challenger«-Werk fand ich auch keine Zusammenstellung),
trotzdem außer den Tiefenstrommessungen auch zuweilen während längerer Zeit-
räume OÖberflächenstrom gemessen ist, der sehr wechselvolles Verhalten zeigte,
Eine Reihenstrommessung vom 24, April 1873 westlich von den Bermudas-
Inseln in 32° 18’ N-Br., 65° 38’ W-Lg. sei hier angeführt:
Oberfl. Strom
Strom in 91m
in 183 m
in 366 m
N 60°0O 12.3 cm/Sek.! Strom in 549m 5S40°0 4.1 cm/Sek.
N75°0 220 » . » in732m S65°0 56 »
N87°0 185 » | » in9l4m N65°0 31 >»
S870°O0 115 +* | 2. in1097m Kein Strom
Die Größenordnung der erhaltenen Werte, die Rechtsdrehung des Stroms
mit zunehmender Tiefe sowie die Tiefenlage der Schicht größter Geschwindig-
keit unter der Oberflächenschicht, alles dies stimmt gut zu den wenigen
modernen Ergebnissen mit Strommessern, die Richtung und Geschwindigkeit
registrieren. (Erwähnt sei, daß bei flüchtiger Durchsicht der verstreuten
»Challenger« -Beobachtungen auch Linksdrehung des Stroms auf Nordbreite
sowie Beobachtungen gefunden wurden, die keinen meßbaren Strom ergeben
hatten.) Wesentlich ist bei dieser Stromserie aber noch, daß die Ekmansche
Reibungstiefe nicht festgestellt worden ist, da der Strom nur um 80° rechts
dreht und in größerer Tiefe zurückdreht,
Schufen »Challenger« und »Gazelle« mit relativ einfachen Hilfsmitteln
sich einen festen Beobachtungspunkt im offenen Ozean, so gingen die Amerikaner
einen Schritt weiter, sie verankerten den Dampfer »Blake« auf mehrere tausend
Meter Tiefe, Dies bedingte natürlich ganz besondere technische Einrichtungen
auf dem Schiff, die das Experiment sehr kostspielig machten. Die Beobachtungen,
die im amerikanischen Mittelmeer, speziell im Golfstrom, gewonnen wurden,
haben manch interessante Aufschlüsse über die Stromgeschwindigkeiten gegeben,
aber zuverlässig sind auch sie nicht, da das nur vor einem Anker liegende
Schiff vom Wind und Oberflächenstrom in pendelnde Bewegung versetzt wird,
so daß die Eigenbewegungen des Schiffs die Messungen fälschen. Dieser Ein-
wand kann auch gegen Messungen geltend gemacht werden, wie sie Helland-
Hansen auf dem »Michael Sars« gemacht hat, wobei das Schiff durch das am
Boden festgekommene Schleppnetz verankert war. Allerdings sei hervorgehoben,
daß die vorläufig veröffentlichten Messungen Helland-Hansens einen zuver-
jässigen Eindruck machen, aber der Weg erscheint mir nicht gangbar für eine
umfassende Erforschung der Strömungen,
Eine andere Methode hat A, Merz gelegentlich einer Reise mit einem
Kabeldampfer erprobt. Vorn vom Bug des Schiffes aus wurde ein Lot versenkt
und sodann mit dem Schiff so manövriert, daß der Draht dauernd senkrecht
stand. Auf diese Art glaubte Merz einen festen Punkt im Ozean gewonnen zu
haben, von dem aus er die Richtung und Geschwindigkeit der Strömungen
bestimmen kann. Für qualitative Messungen halte ich die Methode auch bei
günstigen Wind- und Stromverhältnissen für anwendbar, aber nicht für exakte
Bestimmungen der Stromrichtung und Stärke... Man kann wohl ein Schiff an-
nähernd in derselben Position halten, aber man wird nicht dauernde, langsam
erfolzende Verschiebungen seiner Position hindern können, Solche zeigt