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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Brennecke, W.: Aufgaben und Probleme der Ozcanographie, 
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Entfernungen von mehreren Tausenden von Seemeilen bewahren und nur gering- 
fügig durch Mischung mit den darüber oder darunter lagernden Wassermassen 
yeändert werden, Dies zeigt uns vor allem die 800 m Tiefenschicht im Atlan- 
tischen Ozean, gekennzeichnet durch ein Minimum des Salzgehalts, 
So treffen wir zwischen dem Äquator und 30° S-Br. in dieser Schicht 
überall einen Salzgehalt zwischen 34.25%,, und 34.50 %/,, der aus den 50er 
Breiten des Südatlantischen Ozeans stammt, und noch in 20° bis 30° N-Br. können 
wir dies aus südlichen Breiten stammende Wasser nachweisen. Wenn wir die 
Einzelwerte eines solchen Längsschnitts durch die 800 m Schicht betrachten, so 
sehen wir vom 40° S-Br. bis 20° N-Br. eine dauernde Zunahme des Salzgehalts 
von etwa 34.2 %%n bis 35.2 %p, wir finden sie sowohl an der Ostseite des Atlan- 
tischen Ozeans (Ergebnisse der Reisen S. M. S. »Planet« und »Möwe«) wie auch 
an der Westseite derselben (Ergebnisse der »Deutschland«-Reise), gänzlich un- 
abhängig von den Erscheinungen.der Oberfläche des Meeres, wo der Salzgehalt 
je nach der Klima-Zone zwischen 34 %/,, und 37 %,, schwankt. Trotz der Auftrieb- 
erscheinungen am Äquator bleibt der Charakter der 800 m-Schicht gewahrt, nur 
findet hier die Durchmischung mit Wasser höheren Salzgehalts etwas intensiver 
statt, so daß die Zunahme des Salzgehalts in der 800 m-Schicht auf Nord-Breite 
etwas stärker ist als auf der Süd-Breite. 
[ch könnte noch eine ganze Reihe von Beispielen auch aus andern Ozeanen 
anführen, wie wir aus den Änderungen der Temperatur, des Salzgehalts und des 
Sauerstoffgehalts durch vergleichende .Betrachtung Schlüsse auf die Herkunft 
und Bewegung der Wassermassen in den verschiedenen Niveaus ziehen, doch 
würde uns dies ablenken von einem der wichtigsten, wenn nicht zur Zeit dem 
wichtigsten Problem der Meereskunde: die exakte Messung der Bewegung des 
Wassers in beliebiger Tiefe nach Richtung und Geschwindigkeit. 
Fassen wir zunächst die Meeresoberfläche ins Auge. Unser Wissen von 
den Bewegungen der Oberflächenschicht beruht in der Hauptsache auf zwei 
Methoden: einerseits auf den Schiffsversetzungen, die durch ‘die Differenzen 
zwischen dem gegißten und astronomischen. Besteck ermittelt werden, anderseits 
aus Nachrichten über Treibkörper, die durch die Meeresströmungen verfrachtet 
werden. Diese beiden Methoden genügen auch, um uns über die wichtigsten 
Meeresströmungen zu unterrichten, namentlich wenn Ergebnisse in größerer 
Zahl vorliegen, so daß sich die Fehler herausheben. Einzel- Beobachtungen 
obiger Art sagen uns aber sehr: wenig, da die Fehlerquellen zu groß sind: 
Wenn wir uns über die Einzelheiten der Oberflächenbewegung auf der Hochsee 
unterrichten wollen, z. B. über den Einfluß der Gezeitenwelle oder über die 
Stabilität der Strömung innerhalb eines Zeitraums von 24 Stunden oder auch 
über die engeren Abhängigkeiten des Oberflächenstromes vom Wind, dann ver- 
sagen die obigen Methoden vollständig, denn sie liefern immer nur einen 
Summationseffekt; ebensowenig liefert uns die indirekte Methode, die ‘Er- 
kennung von Strömungen aus Temperatur und Salzgehalt, irgendwelche rech- 
nerisch verwertbare Größen über die Bewegung des Wassers. 
Es ist interessant, daß schon Columbus 1492 ein Mittel fand, um sich 
über den z. Zt. herrschenden Strom auf dem Ozean zu orientieren. Er ver: 
senkte sein Lot und konnte aus dem Winkel, den das Lot mit der Senkrechten 
bildete, die Richtung erkennen, wohin das Schiff abtrieb. Diese Methode ist in 
alten Zeiten häufig angewandt worden; meist versenkte man einen Kessel oder 
ein Segel mit Kanonenrohren beschwert, indem man das Wasser in der Tiefe 
im Vergleich zur Oberflächenschicht als ruhend betrachtete. Natürlich liefert 
diese Methode nur rohe Werte. 
Die großen Tiefsee-Expeditionen der »Challenger« und »Gazelles haben 
eine exaktere Methode zum Messen des Oberflächen- und Tiefenstroms ange- 
wandt. Wenn das Grundnetz oder das Lot sich auf dem Meeresboden befand, 
wurde am oberen Ende der Lot- oder Netzleine ein Baot festgelegt. Das Boot 
wurde‘ sozusagen am Lot oder Netz verankert... Der Oberflächenstrom: wurde 
lJann vom verankerten Boot aus durch das Loggscheit, der Tiefenstrom durch
	        
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