58 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1915.
zwischen Jan Mayen und Spitzbergen sowie südöstlich von Grönland) Konvektions-
strömungen auf, die, da das Oberflächenwasser etwa gleiche Temperatur und
gleichen Salzgehalt wie das Bodenwasser hat, schließlich eine Vertikalzirkulation
zwischen Oberfläche und Boden herbeiführen. Begünstigt wird diese eventuell
noch durch Eisbildung, die den Salzgehalt der Oberflächenschichten anreichert,
O. Pettersson, der Vertreter der Eisschmelztheorie, führt die Bildung des
Bodenwassers auf Abkühlung des Meeres beim Schmelzprozeß des Eises zurück,
indem er annimmt, daß das durch den Schmelzprozeß abgekühlte Wasser zu
Boden sinkt. Nansen und andere haben nachgewiesen, daß dies nicht möglich
ist, da das Oberflächenwasser der eisführenden Strömungen zu leicht und durch
eine warme Zwischenschicht von den Tiefenschichten getrennt ist. Dies stimmt
mit meinen Beobachtungen in der Antarktis überein, wo ich feststellen konnte,
daß eine Bildung des Bodenwassers infolge des Schmelzens des Eises nicht statt-
findet. Es ergab sich durch das neue Beobachtungsmaterial in der Weddell-
See, daß die Bildung des Bodenwassers hier infolge Absinkens kalten Wassers
von der Flachsee stattfindet. Auf der breiten, dem antarktischen Kontinent im
Süden der Weddell-See vorgelagerten Flachsee von etwa 600 m Tiefe fehlt die
warme Zwischenschicht, die wir über der Tiefsee im hohen Süden gefunden
hatten. Die Temperaturen liegen auf der Flachsee durchweg unter 0° und, wie
uns die gute Durchlüftung der gesamten Wassermasse zeigte, findet hier eine
Vertikalzirkulation zwischen Oberfläche und Tiefe im Winter statt, indem sich
die Gesamt-Wassersäule bis zur Gefrierpunkts-Temperatur abkühlt. Ahnliches
hat auch v. Drygalski auf der Flachsee vor Kaiser Wilhelm II.-Land gefunden.
Dieses kalte, schwere Wasser strömt nun dort, wo die Flachsee nicht durch
trennende Schwellen begrenzt ist, in die Tiefen des Weddell-Meeres. Diese Auf-
fassung wurde bestätigt durch die niedrigen Temperaturen, die auf der Trift-
fahrt der »Deutschland« bei Annäherung an den Schelf auf dem Steilabfall zur
Tiefsee gefunden wurden. Durch Mischung wird die Temperatur dieses Wassers
beim Absinken erhöht, so daß in den größeren Tiefenlagen eine Bodentemperatur
von — 0.4° bis — 0.5° C, beobachtet wird,
Diese Art der Bildung des Bodenwassers durch winterliche Abkühlung
der Gesamtwassermasse auf der Flachsee, die den antarktischen Kontinent um-
gibt, weicht von der Nansenschen Hypothese beträchtlich ab, da Nansen für
die Bildung des Bodenwassers im Nordatlantischen Ozean eine Vertikalzirkulation
von der Oberfläche bis zum Boden über der Tiefsee außerhalb des eigentlichen
Polargebiets annimmt. Um Nansens Hypothese beweiskräftig zu machen, würden
einige Reihenbeobachtungen in den fraglichen Gebieten zur Winterszeit genügen,
die tatsächlich Homohalinität von der Oberfläche bis zum Boden ergeben würden
— diese Reihenbeobachtungen fehlen aber bislang. Für das romanische Mittel-
meer hat kürzlich Nielsen durch seine Beobachtungen auf der »Thor«-
Expedition nachgewiesen, daß in bestimmten Gebieten (Balearisches Meer,
Ägäisches Meer) im Winter Konvektion zwischen der Oberfläche und der Boden-
schicht stattfindet,
Es sei noch darauf hingewiesen, daß die Gesamtheit der südlichen Meere
mit Ausnahme der zum Nordatlantischen Regime gehörenden Westafrikanischen
Mulde ein Bodenwasser von gleichem Salzgehalt aufweist, wenn wir einen mög-
lichen Fehler von 0.1 %, zugeben. Bei den neueren Expeditionen wurde nämlich
stets ein Salzgehalt zwischen 34.65 und 34.75 9/9) gefunden, so daß vorläufig
angenommen werden kann, daß keine Unterschiede im Salzgehalt des Boden-
wassers der südlichen Meere (mit Ausnahme bestimmter Gebiete wie der west-
afrikanischen Becken) vorhanden sind, Diese Einheitlichkeit im Salzgehalt des
Bodenwassers deutet auf einen einheitlichen Bildungsvorgang und auf Aus-
gleichung von Unterschieden geringer Art durch Mischungsprozesse,
Inwieweit eine Vermischung von Wasserschichten von verschiedener
Temperatur und verschiedenem Salzgehalt stattfindet, darüber sind gleichfalls
unsere Kenntnisse noch recht wenig befriedigend. Wir haben verschiedene Tat-
sachen, die uns zeigen, daß Wassersechichten ihre spezifischen Eigenschaften auf