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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1915. 
die Tiefe, in welcher die Thermometer gekippt sind, berechnen. Das Verfahren 
hat sich bei meinen Arbeiten auf der 2. deutschen Südpolarexpedition gut 
bewährt. 
Sodann möchte ich noch darauf hinweisen, daß, so vollkommen auch 
unsere Kippthermometer sind, doch die heutige Methode für die Verfolgung 
der kurz oder lang periodischen Schwankungen der Temperatur nicht sehr ge- 
eignet ist. Will ich z. B. die Schwankungen in der 200 m-Schicht verfolgen, so 
ist es erforderlich, daß ich zu jeder Messung das Instrument neu versenke, es 
wieder hochhole, ablese, neu einstelle usf, viele Stunden lang). Wie viel ein- 
facher würde es sein, wenn wir Apparate besitzen würden, welche die Temperatur 
in der Tiefsee kontinuierlich aufzeichnen, am besten gleichzeitig die Angaben 
eines geschützten und eines ungeschützten Thermometers. Solche Apparate 
könnten wir auch an Bojen, die in der Tiefsee verankert wären, befestigen und 
so feste Stationen im Weltmeer schaffen, die uns fortlaufend über die Temperatur- 
änderungen der Tiefenschichten unterrichten würden. Die Herstellung solcher 
Apparate dürfte keine unüberwindlichen, technischen Schwierigkeiten bieten, und 
ich gebe mich der Hoffnung hin, daß, wenn auch nicht bald, so doch in späteren 
Jahren der Gedanke verwirklicht werden kann. 
Wenden wir uns jetzt zum Stand unserer Kenntnis der Verteilung des 
Salzgehalts und Gasgehalts im Ozean, so sei zunächst bemerkt, daß wir hier- 
über bedeutend weniger wissen, als über die Temperatur-Verteilung. So ist 
z. B. die Verteilung des Salzgehalts in den Tiefen des Östlichen Stillen Ozeans 
noch gänzlich problematisch, ebenso verhält es sich im östlichen Indischen 
Ozean und in andern Gebieten, so daß die erste Forderung ist: mehr exaktes, 
gutes Beobachtungsmaterial, um Vertikalschnitte mit Linien gleichen Salzgehalts 
und weiter Karten der Verteilung des Salzgehalts für die einzelnen Tiefen- 
schichten .zeichnen zu können. Wir können die Kenntnis des Salzgehalts — 
und zwar mit allen Einzelheiten — nicht entbehren, da wir andernfalls nicht 
die Dichte des Meerwassers in den verschiedenen Regionen und Tiefen berechnen 
können und somit uns die Grundlage für eine rechnerische Behandlung der 
Wasserbewegungen fehlt. 
Aber auch als Charakteristikum für die Herkunft und Bewegungsrichtung 
des Wassers ist die Kenntnis des Salzgehalts unentbehrlich, ein Vertikalschnitt 
durch ein Meeresgebiet mit Isohalinen zeigt uns in den meisten Fällen klarer 
die Herkunft und Bewegungstendenz des Wassers als ein Isothermen-Bild. Zum Ver- 
gleich bringe ich einen Querschnitt durch die Nordäquatorialströmung des Atlanti- 
schen Ozeans, der auf der Deutschen Antarktischen Expedition gewonnen wurde, 
(Fig. 3, S. 57.) Der Temperaturschnitt zeigt vornehmlich nur die von Süden nach 
Norden geneigte Lage der dicht gedrängten Isothermen, damit aussagend, daß 
kaltes Wasser im äquatorialen Teil der Strömung nach oben drängt, Viel weiter- 
gehende Schlüsse gestattet der Salzgehalt-Schnitt. Der Isohalinen-Verlauf zeigt 
uns dreierlei an. 1. Ein keilförmiges Vordringen von Wasser hohen Salzgehalts 
unter der Oberflächenschicht von Norden nach Süden, bewirkend, daß bei den 
südlich gelegenen Stationen der Salzgehalt‘ von der Oberfläche bis 100 m zu- 
nimmt. 2. Eine Tiefenströmung in 600 bis 1200 m Tiefe vordringend von Süden 
nach Norden, gekennzeichnet durch eine Schicht minimalen Salzgehalts. 3. Ein 
Vordringen salzhaltigeren Wassers in größeren Tiefen in entgegengesetzter Rich- 
tung. Es ist dieser Vergleich für uns ein Beweis, daß viele Probleme erst auf- 
gedeckt werden, wenn wir über die vertikale Verteilung der einzelnen Elemente 
hinreichend unterrichtet sind. Denn mit der Feststellung obiger Bewegungs- 
tendenzen der einzelnen Wasserschichten ist der Forschung nicht Genüge getan, 
— es gilt vielmehr jetzt die Kräfte, die diese Bewegungen unterhalten, kennen 
zu lernen, sie zahlenmäßig auszudrücken u. a. m. Hierzu kommt sodann die 
Aufgabe, die Wirkung anderer sekundärer Kräfte, wie z. B. den Einfluß der ab- 
lenkenden Kraft der Erdrotation und der Kompensationsbedingungen heraus- 
zuschälen. . 
1) Elektrische Widerstands-Thermometer haben sich bei Tiefenmessungen auf hoher See 
nicht bewährt.
	        
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