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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1915. 
Ein zweites Problem der vertikalen Temperaturverteilung ist infolge der 
verfeinerten Temperaturmessungen in den Tiefen der durch Schwellen abge- 
schlossenen Mittelmeere und der Tiefseegräben aufgedeckt worden: das Problem 
der adiabatischen Temperaturänderungen in großen Meerestiefen, Eine bestimmte 
Wassermenge, die in die Tiefe sinkt und dabei weder Wärme abgibt noch Wärme 
aufnimmt, wird durch das Zusammenpressen erwärmt. Die Temperaturänderung, 
die sie dabei erleidet, nennt man adiabatisch. 
Bislang nahm man an, daß, wenn Meeresräume von bestimmter Tiefe ab 
durch Schwellen gegen das kältere Wasser anliegender, tieferer Meeresgebiete 
geschützt sind, in diesen Becken oder Gräben von der Schwellentiefe ab 
Homothermie herrsche. Durch exakte Temperaturmessungen im Mittelmeer 
haben Ekman und Nielsen dargetan, daß von einer bestimmten Tiefe ab die 
Temperatur bis zum Boden hin wieder zunimmt, dasselbe geht ebenfalls aus den 
von G. Schott zusammengestellten Beobachtungen des deutschen Vermessungs- 
schiffes »Planet« im Philippinen-Graben und Bougainville-Graben hervor. Die 
Diagramme von G. Schott zeigen die Erscheinung‘). Die Temperaturzunahme 
ist aber, wie hervorgehoben sei, größer als das Gesetz der adiabatischen Tem- 
peraturänderung es verlangt, So beträgt die im Philippinen-Graben in 9788 m 
gemessene Temperatur 2,60°, während das Wasser, wenn es von 5000 m an ab- 
wärts gesunken wäre, bei adiabatischer Temperaturänderung eine Temperatur 
von 2.31° haben würde. Ob diese Erhöhung der Temperatur auf eine Wärme- 
zufuhr von dem Erdinnern zurückzuführen ist, steht noch dahin, wie das ganze 
Problem überhaupt noch exakterer Messungen bedarf. Durch das Entgegen- 
kommen des Reichs-Marine-Amts dürfen wir aber hoffen, bald exaktere und aus- 
führlichere Daten aus den großen Tiefen der Grabensenkungen zu erhalten, da 
Herr Dr. Schulz aus Hamburg vornehmlich zu diesem Zweck eine Reise an Bord 
S. M. S. »Möwe« mitmachen wird, die auf ihrer Fahrt von Ostafrika nach Ost- 
asien mehrere Stationen in diesen Grabensenkungen machen wird®). Es sei 
übrigens bemerkt, daß ich selbst an Bord der »Deutschland« Beobachtungen in 
den kesselförmigen Vertiefungen auf dem »Azoren«-Plateau gemacht habe. Hier 
fand ich wohl eine Erhöhung der unter die Schwellentiefe eingesenkten Schichten, 
indem z.B, in 3000 m Tiefe das Wasser eine um etwa 1,5° höhere Temperatur 
aufwies als das Wasser des gleichen Niveaus im offenen Ozean, aber ich fand 
keine adiabatische Temperaturänderung mit der Tiefe. Die Erwärmung in diesen 
Vertiefungen ist wohl auf Wirkungen des Vulkanismus zurückzuführen, da auf 
den benachbarten Inseln noch heute lebhafte Geysirtätigkeit ist und unterseeische 
Eruptionen häufig vorkommen. 
Wie Schott ausführt, fordert die Theorie ein stetiges Absinken und Auf- 
steigen der Wassermassen in diesen Einsenkungen, da andernfalls Homothermie 
herrschen würde. Welches die Triebkräfte für diese Zirkulation sind, ist heute 
noch nicht bekannt — unsere Vorstellungen hierüber sind noch unklar, 
Ein weiteres Problem der vertikalen Temperaturverteilung ist die Frage: 
Wie weit dringt die von der Sonne zugeführte Wärmemenge in die Tiefe ein 
oder wie groß ist die Tiefe, bis zu der die täglichen und jahreszeitlichen Ände- 
rungen der Temperatur sich erstrecken, und kommen außer diesen periodischen 
Änderungen der Temperatur auch andere periodische oder aperiodische Ande- 
rungen vor? Alles in allem wissen wir hiervon sehr wenig. Der tägliche Gang 
der Temperatur in den Tiefenschichten unter der Oberfläche ist auf der Hoch- 
see fast gar nicht erforscht, Die ausführlichsten Beobachtungen stammen aus 
dem Jahre 1844 (!) von Aim6&, der im Mittelmeer feststellte, daß sich die tägliche 
Erwärmung bis zu einer Tiefe von 25 m nachweisen ließ, Auf der Plankton- 
expedition hat Hensen in 10 m Tiefe noch im offenen Ozean stündliche Tempe- 
raturveränderungen von 0.03° feststellen können. Dies ist aber — soweit mir 
bekannt — alles, was wir über den täglichen Gang der Temperatur in den 
oberen Meeresschichten der Hochsee wissen. Die Lösung dieser Frage erfordert 
‘) Vgl. »Ann. d. Hydr. usw.« 1914, Tafel 15. 
;) Infolge des Krieges hat die Reise nicht ausgeführt werden können,
	        
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