Brennecke, W.: Aufgaben und Probleme der Ozeanographie.
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Erdball ausgebreitet hat und auch zur Jetztzeit noch immer weiter ausgebaut
wird, so wird auch die meereskundliche Forschung allmählich sich ausdehnen.
Wir werden später nicht nur die Änderungen von Temperatur und Salzgehalt
im Nordatlantischen Ozean, sondern auf der gesamten Meeresfläche, soweit
sie von Schiffen befahren wird, dauernd aufzeichnen und in Beziehung zuein-
ander und zu andern Naturerscheinungen zu bringen versuchen, Wir werden
so die Wirkungen eines verstärkten Transports von Eismengen in die südhemi-
sphärischen Meere kennen lernen und den Zusammenhängen nachgehen, die
zwischen der. Temperatur der Meeresfläche im Indischen Ozean und dem früheren
oder späteren Einsetzen des befruchtenden Monsuns in Vorderindien bestehen,
Doch dies sind Ausblicke in die ferne Zukunft‘).
Wenden .wir uns der Gegenwart wieder zu und fragen zunächst: Was
wissen. wir von der Temperatur und dem Salzgehalt in den einzelnen Tiefen des
Meeres? Die Fundamente in diesem Wissensgebiet sind durch die zahlreichen
Tiefsee- und Polarexpeditionen, unterstützt durch Arbeiten der Kabeldampfer
und Vermessungsschiffe der Marinen, gelegt, zum Ausbau fehlt aber sehr viel,
Am besten orientiert sind wir über die Temperatur der einzelnen Tiefenschichten
des Meeres, die schon seit mehreren Jahrzehnten auf !/,,° bis 2/,,° exakt durch
Kippthermometer bestimmt wurden, so. daß G. Schott im Valdivia-Werk und in
Annalen der Hydrographie usw. (1910) zusammenfassende Karten der Temperatur-
verteilung für die einzelnen Schichten der verschiedenen Ozeane zeichnen konnte;
Infolge der intensiveren Forschung und der Verbesserung der Thermo-
meter, die uns heutzutage eine Genauigkeit der Temperaturbestimmung in den
Tiefen von 2/40 Grad gewähren, sind auch hier neue Tatsachen gefunden worden;
die neue Probleme aufgerollt haben.
Auf Grund der vertikalen Temperaturmessungen der einzelnen Expeditionen
nahm man bislang an, daß in den warmen und gemäßigten Zonen der Hochsee
die Temperatur von der Oberfläche bis zum Boden mehr oder weniger gleich-
mäßig abnimmt, daß also anotherme Schichtung besteht. Zum Teil war man auch
zu dieser Auffassung gekommen, weil die Reihenmessungen früherer Zeiten sich
meist nur bis 1000 oder 1500 m Tiefe erstreckten und sodann bei der Lotung
noch die Temperatur der Bodenschicht bestimmt wurde, die regelmäßig .eine
niedrigere, nur um einige Grad geringere Temperatur als die 1000- oder 1500 m-
Schicht aufwies. Auf der Deutschen Antarktischen Expedition war ich. daher
aufs höchste überrascht, dicht am Äquator im Südatlantischen Ozean in 1500 m
eine höhere Temperatur als in 1000 m zu finden. Aber die nachfolgenden
Stationen bestätigten die Entdeckung der Temperaturinversion, die von 5° S-Br;
bis. 34° S-Br. verfolgt werden konnte und die Tiefen zwischen 1000 m und 2500 m
beherrscht. Diese Zunahme der Temperatur, verbunden mit einer Anreicherung
des Salzgehalts — so daß stabiles Gleichgewicht vorhanden ist — können wir
nur erklären durch eine Tiefenströmung von Norden nach Süden. Hierdurch
ergibt sich folgendes Bild der Wasserbewegungen in den verschiedenen Schichten
an der Westseite des Südatlantischen Ozeans: An der Oberfläche führt der
Brasilstrom die hochtemperierten Oberflächenschichten der ÄAquatorialzone nach
Süden, er wird unterlagert von einer Wassermasse mit entgegengesetzter : Be-
wegungstendenz von Süden nach Norden, die charakterisiert ist durch eine Schicht
minimalen Salzgehalts in 600 bis 800 m Tiefe und ihren Ursprung in. den
50er Breiten des Südatlantischen Ozeans hat. Hierauf folgt mit entgegengesetzter
Bewegungstendenz die 1000 bis 1500 m mächtige Schicht mit Temperaturinversion
und hohem Salzgehalt, unterhalb deren die Bodenströmung vom südlichsten
Atlantischen Ozean gegen den Äquator hin setzt. ;
Diese Ergebnisse können als gesichert in ihren Grundzügen angesehen
werden — wenig wissen wir aber darüber, wodurch die verschiedenen Tiefen-
strömungen bedingt sind, und vor allem, mit welcher Geschwindigkeit der Ge-
samtwasseraustausch erfolgt.
?) Infolge des Krieges und der Einstellung der Schiffahrt ist dieses internationale Zusammen-
wirken zur Zeit unterbrochen.