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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Brennecke, W.: Aufgaben und Probleme der Ozeanographie, 
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der Oberflächentemperatur des Golfstroms bekanntgemacht und auf die Be- 
ziehungen dieser Schwankungen mit den Temperaturverhältnissen des nordwest- 
lichen Europa hingewiesen, Stützten sich diese Arbeiten noch auf die an Küsten- 
stationen gemessenen Meerestemperaturen, so wurden später auch die Temperaturen 
auf der Hochsee auf einzelnen Routen für längere Zeiträume auf Grund der 
Schiffsbeobachtungen zusammengestellt (von Petersen, Engeler und Liepe‘), 
die das positive Ergebnis förderten, daß auf den drei untersuchten Routen, vom 
Kanal nach Nordamerika, nach dem Äquator und von Kapstadt zum Aquator, 
große und oft jahrelang andauernde Temperaturanomalien vorkommen: daß 
also der Wärmegehalt der Meeresoberfläche in den verschiedenen Jahren stark 
voneinander abweicht und daß, wie beifolgende Kurven zeigen, dies nicht Zu- 
Jälligkeiten der Bearbeitung oder Mängel des Beobachtungsmaterials sind, sondern 
Eigenschaften der Meeresoberfläche, die aus voneinander gänzlich unabhängigem 
Material herausgeschält worden sind.?) 
Fig. 1. 
Abweichungen der Temperaturen vom Normalwert, (September-— August.) 
j884 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 9% 97 98 99 190 O1 02 03 
4 1.09 T 
Station I (bei Liepe) 
rm - 
+4 0.5 
NO 
— 05 
(X 
Ir 
—A— ——— 
| Station } (bei Petersen) 
+1,09 
L0,5° 
0° 
— 0,5° 
1.09 
Natürlich konnten diese Arbeiten uns keine Lösung des Problems bringen, 
sondern nur auf Analogien hinweisen und bestimmte Beziehungen . aufstellen; 
auch war der zugrunde liegende Zeitraum (20 bzw. 8 Jahre) zu kurz, um fest- 
zustellen, ob diese Perioden mit der 35 jährigen Periode von Brückner oder 
mit der Sonnenfleckenperiode Beziehungen aufweisen. 
Um ein wirklich zuverlässiges Bild von den Änderungen der Eigenschaften 
der Meeresoberfläche zu gewinnen, dazu bedarf es eines so großen Materials, so 
vieler Beobachtungen, daß ein einzelnes Institut oder eine einzelne Nation nicht 
imstande ist, diese Frage gründlich zu verfolgen. Es ist ein internationales Zu- 
sammenwirken notwendig, eine gemeinschaftliche Arbeit der verschiedenen Nationen 
mit gleichem Ziel. Die seit 1902 in der Erforschung der nordeuropäischen 
Meere vereinigten Nationen haben schon seit einigen Jahren Oberflächenproben 
vom Atlantischen Ozean gesammelt, die jedoch auch‘ nur Andeutuugen von den 
Änderungen geben. Erst in diesem Jahre hat eine Organisation stattgefunden, 
die es ermöglicht, von dem großen Gebiet des Atlantischen Ozeans zwischen 
65° N-Br. und dem Äquator fortlaufende Beobachtungen über die Temperatur 
und den Salzgehalt zu gewinnen. Die beifolgende Karte gibt einen guten Über- 
blick über die einzelnen Routen, auf denen von deutschen, englischen, dänischen 
und holländischen Schiffen täglich ein oder mehrere Male Wasserproben ge- 
sammelt werden, deren Temperatur vorher genau bestimmt worden ist, Die 
Wasserproben werden in den Laboratorien der einzelnen Staaten auf ihren Salz- 
gehalt untersucht, so daß es in Zukunft möglich sein wird, Karten der Temperatur 
und Salzgehaltsverteilung im Nordatlantischen Ozean für jeden Monat zu zeichnen. 
Wenn diese für eine Reihe von Jahren vorliegen werden, hofft man nicht nur 
H Ann. d, Hydr. usw. 1910, S. 397, 475; 1911, S. 471. 
2) Station I (Liepe) und Station I (Petersen) liexen rund 500 km voneinander entfernt. ' Vgl. 
Ann.-d. Hydr. usw. 1912, S. 112.
	        
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