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Annalen der Hydrographie und Maritimen. Meteorologie, Februar 1915.
stehung der landfernen Sande der Tiefsee hin, der die mittelatlantische Schwelle
und den Walfischrücken als Geoantiklinalen auffaßt, die in der Mitte von Geosyn-
klinalen entstanden sind, daß also möglicherweise die mittelatlantische Schwelle
ein emporstrebendes Kettengebirge ist, in Richtung und Länge vergleichbar der
Andenkette.,
Die Grabensenkungen im östlichen Indischen und im Stillen Ozean sind
morphologisch von großem Interesse durch ihre Beziehungen zu den anliegenden
Kontinenten und deren Gebirgsketten sowie als Ursprungsstätte der großen Welt-
beben, morphographisch bedeutend unter anderm dadurch, daß in ihnen die
Maximaltiefen der Ozeane gefunden worden sind, wobei erwähnt sei, daß sowohl
die größte Tiefe des Indischen Ozeans (7000 m) im Sundagraben, wie auch die
größte Tiefe des Stillen Ozeans (9780 m) im Philippinengraben von dem deutschen
Vermessungsschiff »Planet« gelotet worden sind. Hingewiesen sei darauf, daß
eine intensivere Auslotung noch manche grabenförmige Einsenkung zutage fördern
dürfte, die unsere Anschauungen über den Umfang der Zerrungsgebiete vom
pazifischen Typus erweitern wird,
Vielfach sind noch die Beziehungen der Bodengestaltung der Ozeane zur
allgemeinen Geographie. So wird die ehemalige Verbindung Südamerikas mit
NW-Antartika, heute getrennt durch eine über 3000 m tiefe Meeresstraße, erhellt
durch die Auffindung eines unterseeischen Gebirgszuges zwischen NW-Antartika,
Südorkney und Sandwich-Inseln. Der Aufbau der unzähligen Korallen-Inseln im
Stillen Ozean ist keineswegs geklärt, da wir nicht wissen, ob diese Inseln auf
isolierten Kuppen aufsitzen, die steil aus der Tiefsee aufragen oder eine gemein-
same Basis in Form langgestreckter unterseeischer Höhenzüge besitzen, deren
Gipfelformen von Korallen besiedelt sind. Große Aussichten bietet auch die Unter-
suchung der vom Lot heraufgeförderten Tiefseesedimente in ihren Analogien
zum Aufbau der heutigen Gebirge. Für viele Studien versagt vorderhand noch
die Technik, da es nur selten gelingt, längere Proben als 50 cm vom Meeres-
grunde auszustechen; auch ein Hochbringen von anstehendem Gestein — also
ein Abmeißeln am Meeresboden — liegt heute noch nicht im Bereich der tech-
nischen Möglichkeiten,
Nachdem wir einige Probleme angedeutet haben, die sich auf die Boden-
gestaltung der Meere beziehen, wenden wir uns dem Meere selbst zu, Am
leichtesten zugänglich für die Beobachtung ist die Meeresoberfläche, da hier
von jedem die See befahrenden Schiff die Möglichkeit gegeben ist, Beiträge
zur Kenntnis der die Meeresoberfläche beherrschenden Gesetzmäßigkeiten zu
gewinnen.
Die Grundlage für unser Wissen bilden hier vornehmlich die Beobachtungen,
die an Bord der zahlreichen Handelsschiffe alle vier Stunden über die Temperatur
der Meeresoberfläche ausgeführt werden, außerdem die Besteckdifferenzen —
d. h. die Differenzen zwischen dem aus Kurs und Distanz ermittelten Schiffsort
und dem aus astronomischen Beobachtungen berechneten Ort; aus diesen Besteck-
differenzen leiten wir die Meeresströmungen ab, Erweitert werden diese Kennt-
nisse durch Beobachtungen von Wissenschaftlern, die den Salzgehalt und damit
die Dichte des Wassers bestimmen, ferner den Gasgehalt, die Farbe u. a. m,
Ist man über die geographische Verteilung der Temperatur und des Salz-
gehalts sowie über den durchschnittlichen Verlauf der Strömungen infolge der
Sammlung und Bearbeitung dieses Materials durch die nautisch wissenschaft-
lichen Institute (in Deutschland durch die Deutsche Seewarte in Hamburg)
unterrichtet, kennen wir auch die jahreszeitliche Schwankung der Temperatur
der Meeresoberfläche, so liegen doch hier an der Meeresoberfläche noch viele
Probleme offen.
Beschäftigen wir uns zunächst mit der Temperatur der Meeresoberfläche,
so stoßen wir sofort auf eines der aktuellen Probleme der Meeresforschung: Die
Feststellung der Temperatur- und der Salzgehaltsänderungen der Meeresoberfläche
zur Erkennung der periodischen und aperiodischen Schwankungen dieser Faktoren
oder zur Erkennung von Schwankungen im Wärmehaushalt der Erdoberfläche.
Die Arbeiten von Pettersson und Meinardus haben zuerst uns mit Schwankungen