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Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausiührliche Inhaltsangaben.
Julius v, Hanns meteorologische Lehrbücher.
Die dritte Auflage des großen Lehrbuchs der Meteorologie von Hann (Leipzig, Tauchnitz,
1913/14) ist kürzlich erschienen. Die erste, im Jahre 1900 erschienene Auflage war dem Verfasser
unter dem Massenandrang des Stoffs weit über den ursprünglich beabsichtigten Umfang eines Lehr-
buchs für Studenten hinausgewachsen. Deshalb leistete er, als schon 1906 eine zweite Auflage nötig
wurde, das seltene Meisterstück, deren Umfang trotz vieler zeitgemäßer Zusätze von 805 auf 649
Seiten zu verringern, Da es aber ein ähnlich umfassendes und zeitgemäßes Handbuch der Meteoro-
logie weder in deutscher noch in anderer Sprache gibt, so entschlossen sich bei der dritten Auflage
Verfasser und Verleger, diese Beschränkung fallen zu lassen und das Buch durch Wiederaufnahme
der umfangreicheren Literaturangaben und Ausbau mancher Teile auf fast 870 Seiten anwachsen zu
lassen. Die Einschränkung dieser Literaturangaben in der zweiten Auflage war von vielen Seiten
bedauert worden. So ist das Buch zwar kein handliches Kompendium, aber ein unschätzbares Richt-
und Hilfsbuch für werdende wie für produzierende Meteorologen und Wissenschaftler der nächst-
verwandten Wissenszweige geworden,
Es ist nicht das erste meteorologische Handbuch, das Hann veröffentlicht. Sein jetzt in
dritter Auflage vorliegendes Handbuch der Klimatologie (1. Aufl, 1883, 2. Aufl. 1897,. 3. Aufl.
[3 Bände] 1908 bis 1911) ist in noch höherem Grade konkurrenzlos und unentbehrlich für jeden, der
sich mit geographischer Meteorologie befaßt, wie. das Lehrbuch der Meteorologie. Ist doch dies Buch
zu einem guten Teil aus den zahllosen Klimaskizzen einzelner Orte und Länder entstanden, die der
Verfasser selbst in einer langen Reihe von Bänden der Meteorologischen Zeitschrift veröffentlicht
hat, Das Buch ist nicht nur eine Fundgrube kritisch gesichteten und vergleichbar gemachten
meteorologischen Zahlenmaterials, sondern bringt auch durch zahlreiche lebendige Einzelschilderungen
ein anschauliches Bild der mannigfaltigen Klimate der Erde. Die letzte Auflage zeigte das schnelle
Wachstum unserer Kenntnisse über das Klima der überseeischen, besonders der deutschen Kolonien
in den letzten zwei Jahrzehnten.
Noch früher, schon im Jahre 1872, hat Hann den Geographen eine knapp zusammengefaßte
Klimakunde in der von ihm gemeinsam mit Hochstetter und Pokorny verfaßten »Allgemeinen
Erdkunde« beschert, die eine Reihe von Auflagen erlebt hat. Auf der anderen Seite hat er den
Studierenden der Mathem atik und Physik die für diese interessanten Zweige der Meteorologie nahe
gebracht ‚durch die Bearbeitung eines großen Abschnitts »Meteorologie« in Pfaundlers neuer
Bearbeitung von Pouillet-Müllers Lehrbuch der Physik,
Es kann nicht warm genug begrüßt werden, daß der unbedingt bedeutendste Fachgelehrte der
Meteorologie in dieser Weise wiederholt seine Einzelforschungen unterbrochen hat zugunsten von
zusammenfassenden Darstellungen unserer Wissenschaft, Gar zu oft werden, und wurden namentlich
früher, Lehrbücher und populäre Darstellungen der Wissenschaften von Leuten geschrieben, die den
betreffenden Wissenszweig selbst nur schr unvollkommen beherrschen, so daß manche schiefe Dar-
stellung und manche längst widerlegte Auffassung dem Leser aufgedrängt wird, während die wirk-
lichen Fachleute sich auf die Einzelforschung zurückziehen, Das ist keine gute Arbeitsteilung, weder
für die Leser, noch für die Forscher; denn auch für diese ist die Nötigung zu einer solchen
zusammenfassenden Sichtung ihres ganzen Gebiets sehr förderlich. In den Büchern von Hann aber
stoßen wir überall auf eine ganz erstaunliche Beherrschung des Stoffs, wie nach der Seite der
Literaturkenntnis, so nach der Durchdringung des Gegenstandes selbst.
Hanns Lehrbuch der Meteorologie hat zwei Vorgänger in den ähnlich großen Lehrbüchern
von Kämtz, 1831 bis 36, und von E. E. Schmid, 1860. In den 40 Jahren seit dem Erscheinen
des letzteren war eine Umwälzung in der Meteorologie vor sich gegangen, die ihren äußerlichen Aus-
druck im Auftreten der Wettertelegraphie und der synoptischen Wetterkarte gefunden hatte. Die
Umwälzung war nicht von Deutschland ausgegangen; im Gegenteil, es gab eine Zeit, 1860 bis 1875,
wo fast auf der ganzen Peripherie von Europa die Meteorologie bereits lebhaft in der neuen Richtung
gepflegt wurde, während sie im Deutschen Reiche unter der Autorität des alternden Dove nur als
klimatologische Statistik und als ein versteinertes- Lehrgebäude seiner Schöpfung gepflegt wurde.
Eine kurze Zeit hatte die Phrase »la m&6t6orologie, cette science si €minemment francaise,« eine gewisse
Berechtigung, die uns jetzt sehr sonderbar anmutet, Daß damals die in Deutschland zeitweise
erloschene Flamme meteorologischer Forschung in der deutschsprachlichen Literatur weiterlebte, das
war großenteils das Verdienst der von Jelinek und Hann herausgegebenen Zeitschrift der Öster-
reichischen Gesellschaft für Meteorologie, die nun, mit derjenigen der 1884 gegründeten deutschen
Schwestergesellschaft verschmolzen, ihren 50. Jahrgang feiert, Seit in Deutschland, nach der
Gründung der Deutschen Seewarte im Jahre 1875, ein lebhaftes Interesse für die Meteorologie, und
speziell für ihre neue Richtung, erwachte, ist die meteorologische Literatur in deutscher Sprache auf
beiden Seiten der Grenze so einträchtig und so lebhaft gefördert worden, daß sie nach Umfang wie
nach ‚Tiefe unzweifelhaft die erste Stelle einnimmt; und daß sie diese Stellung auch in kontinuier-
licher Weiterentwickelung ferner behalten kann, ist das große Verdienst von Hanns Lehrbuch,
Denn in ihm ist auch dem jüngeren Forscher, von dem man eine Kenntnis der weitschichtigen älteren
Literatur nicht verlangen kann, alte und neue, ja, neueste Literatur so reichlich und übersichtlich
dargeboten, daß es keine Entschuldigung für deren Nichtkenntnis gibt.
Als die erste Auflage des »Lehrbuchs« erschien, war eben ein neuer Zweig der Meteorologie
im Entstehen, dessen Entwickelung manche Ähnlichkeit zeigte mit der früheren der Wettertelegraphie,
da auch diesmal die neuen Hilfsmittel in Amerika und Frankreich entstanden; ich meine.die