562 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1915.
wunderlich für die beiden Höhenstationen Cassel und Inselsberg, die bei der Neigung
zu Winterregen den Hauptniederschlag bei südwestlichen Winden empfangen müssen.
Daß Elsfleth, die Küstenstation, den Hauptniederschlag bei westlichen bis
südwestlichen Winden zeigt, ist wiederum wie bei Stettin zu erklären aus der Neigung
der Seeküste zu Herbstregen, der ja bei südwestlichen Winden erfolgt. —
Im Vorstehenden wurden nur jährliche Regenwindrosen benutzt, und zwar
absichtlich aus folgenden Gründen:
Wenn man in der meteorologischen Literatur nach Regenwindrosen sucht,
so findet man sie für die letzten Jahre äußerst selten, wohl nicht nur deshalb, weil
die Aufstellung mühsam ist.
Nein, es scheint sich mehr und mehr die Ansicht Bahn gebrochen zu haben,
daß Regenwindrosen bei schematischer Berechnung nur einen schwachen klima-
tologischen Wert haben, ja eigentlich geradezu falsch sind.
Wie Köppen betont, ist der klimatische Charakter des Windes ganz ver-
schieden, je nachdem der Ort des Beobachters einer Zyklone oder einer Antizyklone
angehört. Wenn demnach ein Beobachter eine bestimmte Windrichtung heute
sowohl wie auch in acht Tagen in derselben Stadt mißt und dabei nicht berück-
sichtigt, daß diese Windrichtung heute etwa einer zyklonalen und in acht Tagen
einer antizyklonalen Wetterlage entsprang, tut er offenbar Unrecht daran, bei Be-
rechnung der Regenwindrose diese beiden Windrichtungen zu addieren. Denn es
handelt sich doch hier offenbar um entgegengesetzte Windwirkungen, die sich zahlen-
mäßig aufheben sollten.
Hieraus geht also hervor, daß Regenwindrosen erst dann ein einwandfreies
klimatologisches Element darstellen können, wenn man bei ihrer Berechnung auf die
Wetterlage Rücksicht nimmt.
Anderseits sind Regenwindrosen, die ohne Rücksicht hierauf berechnet wurden,
noch mehr fraglich, wenn sie für kleinere Jahresabschnitte gelten, da sich dann die
Fehler relativ stärker bemerkbar machen — weshalb oben von uns vermieden
worden ist, Regenwindrosen für kleinere Jahresabschnitte in unsere Untersuchung
hineinzuziehen.
d. Aßmann: „Die Winde in Deutschland“.
Zum Schluß seien unsere Resultate über Windrichtungen noch nach dem
Werke von Aßmann geprüft.
Im Jahre 1910 hat Aßmann, unterstützt durch die bereitwillige Mitarbeit
der deutschen meteorologischen Zentralen, im Auftrage der Motorluftschiff-Studien-
gesellschaft in Berlin eine ausführliche Arbeit über die deutschen Windverhältnisse
veröffentlicht, deren Mittel meistens auf die Beobachtungszeit 1886 bis 1905, also
auch wie die unseren auf 20 Jahre, bezogen sind.
Nach Veröffentlichung eines umfangreichen Materials wird auf S. 28 eine
Zusammenfassung der Resultate nach den vier Jahreszeiten gegeben, Diese möge
hier in gedrängter Kürze ihren Platz finden:
Im Winter herrscht der Südwest vor.
Im Frühling erfahren die nördlichen Winde eine beträchtliche Vermehrung,
während die südlichen seltener werden.
Im Sommer überwiegen nördliche und westliche Winde.
Für den Herbst ist ein Zurückdrehen der Winde nach dem Süden charak-
teristisch.
Ein Vergleich der vorstehenden Feststellungen von Aß mann mit den unsrigen
zeigt wiederum eine erfreuliche Übereinstimmung,