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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Thraen, A.: Der Einfluß der Nord- und Ostsee auf den Niederschlag usw. 
Tabelle XI. 
559 
Monatliche Windbeständigkeitszahlen, d.h. die Endresultierenden aus den 
Windhäufigkeitszahlen. (Stationen des K. Pr. M. I. zu Berlin.) 
Station 
Löningen 
Celle 
Gardelegen | 
Frankfurt a. 0. 
Bromberg 
Osterode ; 
Marggrabowa 
Jan. | Febr. | März | ApriL| Mai | Juni | Juli 
ı Aug. | 
Sept. ' 
Okt. | Nor. |! Dez. 
28 
2 
h 
24 
29, 
31 
36 
mn 
| 
5 
$ 3 
23 11 
24 18 
7 5 
24 ] 8 
19 4% 
2 
+4 
8 
h) 
1? 
Q 
9 
9 
17 
24 
18 
20 
16 
25 
18 
28 34 ‘6 , 28 | 5 
23 39 4 | 21 16 
4) 47 | 24 | 29 | 26 
40 | 47 | 30 | 36 | 32 
28 ! 38 | 18 | 16 | 20 
26 | 35 23 33 87 
23 | 31 | 22 | 33 | 31 
34 
24 
34 
38 
22 
38 
30 
31 
O4 
Winddrehung im Binnenlande. Um nun ein Urteil über die Wind- 
richtungs-Drehungen auf dem Wege von der Küste nach dem Binnenlande hin 
bequem zu ermöglichen, wurden in der Tabelle XII acht Stationsgruppen gebildet, 
Jede Gruppe besteht aus einer Küsten- und einer geeigneten Binnenlandstation, mit 
der die erstere verglichen werden soll. 
_ Dieser Vergleich wurde in der Weise ermöglicht, daß für jeden Monat die 
Hauptwindrichtungen gruppenweise untereinander gestellt und dann die Differenzen 
zebildet wurden. Positiv wurde die Differenz dann genannt, wenn der Wind von 
der Küste nach dem Lande hin im Sinne des Uhrzeigers, also nach rechts, 
abgelenkt wird, negativ dann, wenn die Winddrehung gegen den Sinn des laufenden 
Uhrzeigers erfolgt. 
Die unter der Tabelle angebrachten Gradbrüche gestatten einen exakteren 
Vergleich über die absolute Drehungsschärfe. . 
Eine Durchsicht der Tabelle XII ergibt folgende Tatsachen: 
1. In den Monaten vom Oktober bis zum März, also in der kälteren Jahres- 
hälfte, wird der nach dem Ausweis unserer Tafel 21 an der Küste im ganzen nach 
Norden gerichtete Wind mit zunehmender Entfernung vom Meere im großen und 
ganzen nach rechts abgelenkt; eine Ausnahme machen die Stationspaare Keitum-Kiel 
und Neufahrwasser-Osterode. 
2. Während der Monate vom April bis zum August, also in der wärmeren 
Jahreszeit, werden die nach dem Ausweis unserer Tafel 21 aus Nordwesten wehenden 
Winde mit wachsender Entfernung vom Meere gegen den Uhrzeiger abgelenkt. 
Das Stationspaar Keitum-Kiel verhält sich im ganzen wieder umgekehrt. 
3. Im September, also in der Zeit des Übergangs vom Sommer zum Herbst, 
zeigen die einzelnen Stationspaare nicht ein konsequentes Verhalten -— ganz nach 
dem Charakter der Übergangszeit. 
Es werde nunmehr eine innere Erklärung der beschriebenen Winddrehung 
versucht: . 
ı. Im Winter erzeugt die starke Wärmedifferenz zwischen See und Land 
eine Windströmung nach der See hin, die infolge der Erdrotation nach Südwesten 
abgelenkt wird. 
Da nun weiter der Einfluß der See mit wachsender Entfernung von der Küste 
mehr und mehr erlahmt, wird auch die Richtkraft der See für die Winde abnehmen, 
Die Windrichtung wird also zur Küste immer weniger senkrecht, nähert sich dem- 
nach der westlichen. 
Daß in Schleswig der Wind vom Westen nach dem Osten hin gegen den Uhr- 
zeiger gedreht wird, ist ein neuer Beweis für das Wärmeübergewicht, das .die mit 
dem offenen Meere in Verbindung stehende Nordsee im Winter gegenüber dem fast 
isolierten und daher viel schneller erkaltenden Binnenmeer der Ostsee darstellt. Die 
Nordsee zeigt demnach eine größere positive Wärmeanomalie und richtet den Wind 
der Ostseeküste in Schleswig stärker nach dem Westen hin — der Wind muß sich 
also gegen den Uhrzeiger drehen.
	        
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