Thraen, A.: Der Einfluß der Nord- und Ostsee auf den Niederschlag usw.
Tabelle XI.
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Monatliche Windbeständigkeitszahlen, d.h. die Endresultierenden aus den
Windhäufigkeitszahlen. (Stationen des K. Pr. M. I. zu Berlin.)
Station
Löningen
Celle
Gardelegen |
Frankfurt a. 0.
Bromberg
Osterode ;
Marggrabowa
Jan. | Febr. | März | ApriL| Mai | Juni | Juli
ı Aug. |
Sept. '
Okt. | Nor. |! Dez.
28
2
h
24
29,
31
36
mn
|
5
$ 3
23 11
24 18
7 5
24 ] 8
19 4%
2
+4
8
h)
1?
Q
9
9
17
24
18
20
16
25
18
28 34 ‘6 , 28 | 5
23 39 4 | 21 16
4) 47 | 24 | 29 | 26
40 | 47 | 30 | 36 | 32
28 ! 38 | 18 | 16 | 20
26 | 35 23 33 87
23 | 31 | 22 | 33 | 31
34
24
34
38
22
38
30
31
O4
Winddrehung im Binnenlande. Um nun ein Urteil über die Wind-
richtungs-Drehungen auf dem Wege von der Küste nach dem Binnenlande hin
bequem zu ermöglichen, wurden in der Tabelle XII acht Stationsgruppen gebildet,
Jede Gruppe besteht aus einer Küsten- und einer geeigneten Binnenlandstation, mit
der die erstere verglichen werden soll.
_ Dieser Vergleich wurde in der Weise ermöglicht, daß für jeden Monat die
Hauptwindrichtungen gruppenweise untereinander gestellt und dann die Differenzen
zebildet wurden. Positiv wurde die Differenz dann genannt, wenn der Wind von
der Küste nach dem Lande hin im Sinne des Uhrzeigers, also nach rechts,
abgelenkt wird, negativ dann, wenn die Winddrehung gegen den Sinn des laufenden
Uhrzeigers erfolgt.
Die unter der Tabelle angebrachten Gradbrüche gestatten einen exakteren
Vergleich über die absolute Drehungsschärfe. .
Eine Durchsicht der Tabelle XII ergibt folgende Tatsachen:
1. In den Monaten vom Oktober bis zum März, also in der kälteren Jahres-
hälfte, wird der nach dem Ausweis unserer Tafel 21 an der Küste im ganzen nach
Norden gerichtete Wind mit zunehmender Entfernung vom Meere im großen und
ganzen nach rechts abgelenkt; eine Ausnahme machen die Stationspaare Keitum-Kiel
und Neufahrwasser-Osterode.
2. Während der Monate vom April bis zum August, also in der wärmeren
Jahreszeit, werden die nach dem Ausweis unserer Tafel 21 aus Nordwesten wehenden
Winde mit wachsender Entfernung vom Meere gegen den Uhrzeiger abgelenkt.
Das Stationspaar Keitum-Kiel verhält sich im ganzen wieder umgekehrt.
3. Im September, also in der Zeit des Übergangs vom Sommer zum Herbst,
zeigen die einzelnen Stationspaare nicht ein konsequentes Verhalten -— ganz nach
dem Charakter der Übergangszeit.
Es werde nunmehr eine innere Erklärung der beschriebenen Winddrehung
versucht: .
ı. Im Winter erzeugt die starke Wärmedifferenz zwischen See und Land
eine Windströmung nach der See hin, die infolge der Erdrotation nach Südwesten
abgelenkt wird.
Da nun weiter der Einfluß der See mit wachsender Entfernung von der Küste
mehr und mehr erlahmt, wird auch die Richtkraft der See für die Winde abnehmen,
Die Windrichtung wird also zur Küste immer weniger senkrecht, nähert sich dem-
nach der westlichen.
Daß in Schleswig der Wind vom Westen nach dem Osten hin gegen den Uhr-
zeiger gedreht wird, ist ein neuer Beweis für das Wärmeübergewicht, das .die mit
dem offenen Meere in Verbindung stehende Nordsee im Winter gegenüber dem fast
isolierten und daher viel schneller erkaltenden Binnenmeer der Ostsee darstellt. Die
Nordsee zeigt demnach eine größere positive Wärmeanomalie und richtet den Wind
der Ostseeküste in Schleswig stärker nach dem Westen hin — der Wind muß sich
also gegen den Uhrzeiger drehen.