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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Thraen, A.: Der Einfluß der Nord- und Ostsee auf den Niederschlag usw. 557 
Dieser Tatsache trägt unsere Tabelle IX in der Weise Rechnung, daß in ihr 
die absolute Größe der Resultierenden für jeden Fall berechnet vorgelegt wird. Die 
Resultierende wurde nach der Formel berechnet: R = yA?1{B°. Sie wäre also für 
das von uns theoretisch angenommene Beispiel im ersten Falle y1? 1? =Y2=1 (ab- 
gerundet), im zweiten Falle yı0? 4 10? = 7200 = 14 (abgerundet). 
Die einzelnen Monate. ; 
Januar. Tabelle VIII zeigt, daß der Wind durchschnittlich aus dem Süd- 
westen weht, und zwar so; daß er sich längs der Seeküste allmählich nach dem 
Süden und Südosten wendet. | 
Tafel 21 erhärtet diese Feststellung und läßt überdies erkennen, mit welcher 
Hartnäckigkeit der Wind aus dem Südwesten kommt, daß aber nach dem Osten hin 
die südlichen und südöstlichen an Häufigkeit zunehmen. ; 
Den für diesen Monat besonders hohen Grad der Windbeständigkeit für alle 
Seestationen weist auch die Tabelle IX nach. ; 
v. Hanns Isobaren bestätigen und motivieren diese Vorgänge des weiteren: 
Da die Isobaren im ganzen von dem Westen nach dem Osten laufen und das Minimum 
im Norden liegt, so resultiert eine Südwestrichtung der Winde infolge ihrer Rechts- 
ablenkung auf der nördlichen Halbkugel. Auch die allmähliche Wendung der Winde 
nach dem Südosten hat ihr Gegenstück in der allmählichen Drehung der Isobaren*). 
Februar. Tabelle VIII zeigt ähnliche Verhältnisse wie im Januar. Nur ist, 
wie auch aus der Tabelle IX erhellt, die:einseitige Vorherrschaft der südwestlichen 
Winde nicht mehr derart stark vorhanden — ein meteorologisches Gegenstück zur 
geringeren Dichte der Isobaren. 
März. Tabelle VIII und Tafel 21 zeigen für die Nordsee eine stärkere Neigung 
zu südwestlichen, für die Ostsee eine solche zu südlichen und südöstlichen Winden — 
eine deutliche Folge des lokalen Minimums auf der Ostsee. Die Windbeständigkeit 
(Tabelle IX) ist geringer. 
April. Tabelle VIIL und Tafel 21 reden schon von dem überwiegenden Ein- 
fluß der Winde aus den nördlichen Quadranten, während die Windbeständigkeit 
nach der Tabelle IX. ihr Minimum erreicht, eine schöne Ausdrucksform für die sprich- 
wörtliche Unbeständigkeit des Aprilwetters. N . 
Mai. Tabelle VIII und Tafel 21 weisen deutlich das Überwiegen der Winde 
aus dem Nordwesten nach, während nach der Tabelle IX die Windbeständigkeit für 
diesen Monat noch gering ist — ein schönes Analogon zu der bekannten Tatsache, 
daß während der zahlreichen ‚„Eisheiligen‘ die im ganzen schon sommerliche Wetter- 
lage nach winterlichem Muster umgekehrt wird ?). . 
Juni. Tabelle VIII und Tafel 21 ergeben deutlich die ausgesprochene Nord- 
westrichtung der Winde und nach der Tabelle IX ist auch die Windbeständigkeit 
eine größere als in den drei vorangegangenen Monaten. 
Diese Windrichtung stimmt. wie beim Mai mit der Isobarenkarte gut überein, 
insofern als die Abnahme des Luftdrucks vom Westen nach dem Osten die Winde 
nach dem Osten richtet, wobei infolge der Rechtsablenkung durch die Erdrotation 
die Nordwestrichtung resultiert. ; . 
Juli. Tabelle VIII und Tafel 21 reden uns von der Vorherrschaft der Winde 
aus den westlichen Quadranten und Tabelle IX. weist ihre hohe Beständigkeit für 
diesen Monat nach. . . 
Philippsons Isobarenkarte zeigt eine. Wendung der 760 mm-Isobare nach 
‘ 1) Man vergleiche im besonderen die 765 mm-Linie anf der Januar-Isobarenkarte von 
Philippson („Europa“). 
2) Daß die „Eisheiligen“ auch ihre Abbildung finden im Niederschlagsdiagramm des Monats 
Mai und "ebenso im Diagramm. des Luftdrucks und der Wärme (nach täglichen. Mittelwerten), hat der 
Verfasser an den folgenden Stellen gezeigt: 
1. „Met. Zeitschrift“, Jahrgang 1913, S. 380 bis 386. 
2. „Das Wetter“, Jahrgang 1913, S. 247 bis 256 und S. 270 bis 280. 
3. „Das Wetter“, Jahrgang 1914, S. 54 bis 63. — Hiermit steht. im Einklang eine Unter- 
suchung von Otto Meißner („Weltter“, 1914, S. 176 u. £.), nach der sich auch bei durchschnittlichen 
Windverhältnissen die „Eisheiligen“, besonders die um den 10. und 20. Mai, deutlich von anderen 
Maitagen abheben.
	        
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