Thraen, A.: Der Einfluß der Nord- und Ostsee auf den Niederschlag usw. 555
uns ein Zeichen dafür, daß die Nordsee in ihrer den Luftdruck im Sommer erhöhenden
Kraft der Ostsee bedeutend über ist. Es hängt dies offenbar mit der Tatsache zu-
sammen, daß die Ostsee sich als Binnenmeer stärker erwärmt, so daß infolge des
geringeren Wärmegradienten (zwischen Ostsee und Festland) auch der Luftdruck-
gradient nicht die Größe hat, wie an der mit dem Weltmeer im Zusammenhange
stehenden Nordsee.
Mit dieser Tatsache stimmt auch die größere Regenbegünstigung des Ostens
im Juli überein.
August. Dem nahezu westöstlichen Verlauf der Isobaren, die demnach eine
landeinwärts regelmäßige Abnahme des Luftdrucks zeigen, entspricht merkwürdiger-
weise nicht ein Analogon im Niederschlag — mutatis mutandis genau wie in dem
Übergangsmonat zum Frühling, dem März.
September. Das ausgesprochene Minimum im Nordwesten Europas ist zurück-
gekehrt und seine Herrschaft erklärt zur Genüge die Abnahme des Regens land-
einwärts. ;
Dem absolut hohen Luftdruck dieses Monats!) entspricht die relative Regen-
armut des Septembers im Vergleich zum Oktober (Tabelle III).
Oktober. Die Wetterlage im Oktober ist eine Steigerung der Verhältnisse vom
September. Der größeren Regelmäßigkeit in der Ausbildung dichter Isobaren ent-
spricht der größere Niederschlagsreichtum dieses Monats (man beachte Tabelle III)
und auch eine größere Regelmäßigkeit in der Abnahme des Niederschlags land-
einwärts.
November. Die Wetterlage hat Ähnlichkeit mit der des Oktobers. Nur ent-
spricht dem höheren Luftdruck sowie der geringeren Dichte der Isobaren (v. Hanns
Karte) ein im allgemeinen geringerer Regenertrag.
Dezember. Das barometrische Minimum im Nordwesten Europas ist absolut
bedeutender und besser ausgebildet (v. Hanns Karte).
Hiermit stimmt die größere Regelmäßigkeit überein, mit der der relative
Regenertrag landeinwärts abnimmt (Tafel 20}.
C. Windrichtung,
Für die zehn Normalstationen der Deutschen Seewarte und für sieben
Stationen des Königl. Preußischen Meteorologischen Institutes aus dem Inlande
berechnete der Verfasser die Prozente der Windhäufigkeit nach den Richtungen der
achtstrahligen Windrose, unter Zugrundelegung unserer einheitlichen. Beobachtungs-
zeit von 20 Jahren (1891 bis 1910).
Die hierfür nötigen Einzelwerte wurden den Jahresübersichten nach inter-
nationalem Schema entnommen, in denen allerdings leider die Resultate der drei täg-
lichen Messungen vereinigt sind, wodurch eine Eliminierung von täglichen
Land- oder Seewinden unmöglich wird.
Ein weiterer objektiv bedauerlicher Nachteil ist der, daß die Deutsche See-
warte andere Beobachtungszeiten hat; um die hieraus resultierenden Abweichungen
nach Möglichkeit zu verringern, wurden Küstenstationen nur dem System der
Deutschen Seewarte entnommen und die Küstenwinde zunächst nur untereinander
verglichen,
An dieser Stelle sei auch festgestellt, daß für unseren Bezirk nur wenige
Stationen des Königl. Preußischen Meteorologischen Institutes zu Berlin existieren,
bei denen die Zusammenstellung der Windhäufigkeitszahlen in den amtlichen Jahr-
büchern ohne Einwendungen gegen die objektive Glaubwürdigkeit der Beobach-
tungen veröffentlicht sind. Vielmehr wird bald die große Häufigkeit der Windstillen
als Moment für die Unglaubwürdigkeit hingestellt — so besonders in Großstädten,
wo die dichten Häusermeere den Wind naturgemäß des öfteren vollständig brechen —,
bald wird umgekehrt das Fehlen jeder Kalmenaufzeichnung für ganze Jahresreihen
als Unterlage für die objektive Unsicherheit der Beobachtungen aufgeführt, bald wird
endlich festgestellt, daß die Zwischenrichtungen oft ganz einseitig bevorzugt seien;
+) Näheres ist ersichtlich aus dem Aufsatz des Verfassers in der Juninummer der »Annalen
d. Hrdr. u. 8. w.«<, Jahrgang 1915.