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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1915. 
Allerdings gelten diese normalen Verhältnisse nur für einen kleinen Teil der 
Westküsten. An vielen Küsten sind sie gestört, ja geradezu umgekehrt. Man denke 
nur an die den kalten Meeresströmen benachbarten Küsten der verschiedenen Erd- 
teile, wo z. B. der absolute Regenertrag sogar landeinwärts zunimmt. 
Auch war das Gleichgerichtetsein der Gradienten der Temperatur und des 
Niederschlags zum guten Teil dem Umstande zuzuschreiben, daß wir die deutschen 
Mittelgebirge von unserer Betrachtung ausschlossen, wie schon eingangs betont wurde. 
Für unbedeutendere Erhebungen des norddeutschen Flachlandes wurde die 
ungleiche Seehöhe durch Benutzung von Relativwerten so gut wie eliminiert. Bei 
Benutzung von absoluten Werten hätten wir offenbar weniger klare Resultate er- 
halten, ein neuer Beweis für die Notwendigkeit, bei regionalen Darstellungen 
Relativwerte zu benutzen. 
B. Luitdruck, 
Zu schönen Beziehungen zwischen Niederschlag und Luftdruck gelangen wir, 
wenn wir unsere Isokoeffizienten (Tafel 20) mit den Isobaren vergleichen. Wir be- 
nutzen hierfür die Isobarenkarten aus der bekannten Arbeit v. Hanns?!). Wenn- 
zleich die für diese Kärtchen benutzten Mittel sich zeitlich mit den unsrigen nicht 
decken (1851 bis 1890), können sie unseren Zwecken doch wertvolle Dienste leisten. 
Mit jenen Kärtchen sollen unsere Isokoeffizienten nunmehr Monat für Monat ver- 
glichen werden. 
Januar. Nord- und Ostsee gehören der Depression an, die im Nordwesten 
Europas lagert. Nach der norddeutschen Tiefebene hin nimmt der Luftdruck zu. 
Es entspricht daher durchaus der Wetterlage einer Zyklone, wenn der Niederschlag 
in Norddeutschland nach dem Festlande hin, speziell nach dem Südosten, abnimmt. 
Februar. Die Wetterlage ist ungefähr die gleiche, wodurch sich wiederum 
der Regenüberschuß der See gegenüber dem Festlande erklärt. Im ganzen ist zwar 
der Luftdruck?) gefallen, indes besitzen die Isobaren nicht mehr dieselbe Dichte wie 
im Januar. Dieser Tatsache entspricht der geringere relative Regenreichtum des 
Monats Februar im allgemeinen im Vergleich zum Januar (Tabelle 111). 
März. Der Luftdruck ist noch weiter gefallen, ja er besitzt sogar im März sein 
absolutes monatliches Minimum ®?). An der Ostsee (Isobaren nach v. Hann) hat sich 
ein lokales Minimum herausgebildet. 
Mit diesen Tatsachen deckt sich gut der größere Regenreichtum des Monats 
März im Vergleich zum Februar (Tafel 20). 
Daß jedoch das Land mehr Niederschlag hat als die See, vermag nach der 
Isobarenkarte nicht erklärt zu werden. 
April. Der Luftdruck an der See ist durchweg gestiegen ?). Auf der Isobarenkarte 
ist für diesen Monat charakteristisch die „V‘“-Form der Isobaren, deren Spitzen 
äquatorwärts gerichtet sind, so daß die böigen Regenerscheinungen („Aprilwetter‘‘) 
und der größere Regenreichtum des Landes gegenüber der See hieraus zwanglos 
erklärt werden können. 
Mai. Der Luftdruck ist weiter gestiegen?), am meisten im Westen, wo sich ein 
Maximum auf der See herausgebildet hat. Der Abnahme des Luftdrucks nach dem 
Südosten (v. Hanns Isobarenkarte) entspricht gut die schnelle Abnahme des Nieder- 
schlags in derselben Richtung (Tafel 20). 
Juni. Der Luftdruck ist im ganzen noch recht hoch?) und die größere Dichte 
der Isobaren (v. Hanns Karte) bildet hier ein Analogon zum intensiveren 
Niederschlag. 
Juli. Der bedeutenderen Herabminderung des Luftdrucks?) und der wesentlich 
erhöhten Dichte der Isobaren (v. Hanns Karte) entspricht der intensive Niederschlag 
in diesem Monate (Tafel 20). 
Das Umbiegen der Isobaren im Osten der Ostsee nach dem Süden hin und der 
südöstliche Verlauf derselben auf dem Wege von der Nordsee nach der Ostsee?) ist 
1 
» 
1) „Die Verteilung des Luftdruckes über Mittel- und Südeuropa“. Wien 1887. 
2) Näheres ist ersichtlich aus dem Aufsatz des Verfassers in der Juninummer der »Annalen 
d. Hydr. u, s. w.«, Jahrgang 1915. 
3) Man fasse einmal besonders die 760 mm-Linie von der Isobarenkarte in Philippsons 
„Europa“ (IE. Aufl., S. 38) hierfür ins Auge.
	        
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