Thraen, A,: Der Einfluß der Nord- und Ostsee auf den Niederschlag usw. 553
angehören, Zeiten, in denen meteorologische Beobachtungen und Materialveröffent-
lichungen noch nicht die scharfe Kritik erfuhren, wie heutzutage durch die meteoro-
logischen Zentralen. Daher wird es auch kaum nötig sein, alle geringfügigen Diffe-
renzen gegenüber. unseren obigen Feststellungen etwa als Unnormalität unserer
Resultate zu deuten.
Schreiten wir nunmehr zum Vergleiche unserer Resultate mit den 40jährigen
Mitteln nach Kremser. . ;
Januar. Westöstlich und landeinwärts nimmt die Temperatur überall ab.
Februar. Westöstlich ist die Temperaturabnahme regelmäßig, landein-
wärts nur im Osten zu spüren — genau wie im 20jährigen Mittel, ; ;
März. Westöstlich nimmt die Temperatur regelmäßig ab, ebenso landein-
wärts im Osten unseres Bezirkes — genau wie im 20jährigen Mittel,
April. Wie im 20jährigen Mittel nimmt die Temperatur nach dem Osten
ab und landeinwärts zu. . . .
; Mai. Wie bei unseren Mitteln ist auch hier die westöstliche Wärmedifferenz
gering, die. Wärmezunahme landeinwärts dagegen streng.
; Juni. Bei geringer westöstlicher Temperaturzunahme ist die von der
See nach dem Lande hin gerichtete im ganzen auch hier regelmäßig.
Juli. Mit Ausnahme der allersüdlichsten Zone unserer Stationen ist die west-
östlich und landeinwärts gerichtete Temperaturzunahme wieder vorhanden.
August. Westöstlich ist die Zunahme der Temperatur unregelmäßig, land-
einwärts ist sie regelmäßig an der Ostsee. .
September. Die Temperaturverteilung trägt sehr den Charakter des Un-
bestimmten. ;
Oktober. Westöstlich ist die Temperaturabnahme im ganzen regelmäßig. —
Landeinwärts zeigt sich eine schwache Temperaturabnahme bis auf den mittleren
Teil unseres Gebietes — genau wie im 20jährigen Mittel.
November. Die Abnahme der Temperatur erfolgt westöstlich regelmäßig,
während sie landeinwärts schwach in die Erscheinung tritt. — Ob dies etwa der
winterlichen Temperaturumkehr mancher Höhenstationen oder aber. einer
Inhomogenität der 40jährigen Reihen zuzuschreiben ist, dürfte sich schwer ent-
scheiden lassen — genug, daß’ die Abweichungen unbedeutende sind.
Dezember. Westöstlich und landeinwärts ist die Temperaturabnahme
wie im 20jährigen Mittel gut ausgeprägt.
Resultat. In der für die vorliegende Untersuchung interessierenden Hinsicht
hat ein Vergleich der 40jährigen Mittel Kremsers mit unseren 20jährigen eine
erfreuliche Übereinstimmung ergeben. ; . EM
b. Wärme und Niederschlag,
Der im Vorstehenden ausgeführte Vergleich zwischen dem Verhalten der
Temperatur und des Niederschlags hat ergeben, daß landeinwärts die Wärme in den
einzelnen Monaten ganz ähnlich abnimmt bzw. zunimmt wie der Niederschlag. In
den Monaten, in denen die See ihren positiven Einfluß auf die Wärme zeigt, so daß
also seewärts die Wärme zunimmt — Herbst und Winter — zeigt sie auch ihren
positiven Einfluß auf den Niederschlag, der dann ebenfalls seewärts zunimmt. Hin-
gegen zeigt sich zur Zeit der thermisch negativen Wirkung der See — Frühling und
Sommer — auch eine negative Wirkung der See auf den Niederschlag, der dann
auch seewärts abnimmt.
‚ Diese Verwandtschaft. zwischen den Elementen der Temperatur und des
Niederschlags leuchtet theoretisch gut ein und ist bekannt. -
Das Gebiet der größeren ‚Wärme ist der Sitz der relativ größeren positiven
Wärmeanomalie. Letztere ist häufig der Sitz eines relativen Luftdruckminus. Daher
werden infolge der dadurch bedingten Luftauflockerung und infolge der beim
Luftaufstieg erfolgenden dynamischen Abkühlung die. Luftmassen leicht eine
Kondensation der mit. nach oben geführten Feuchtigkeit erfahren und dieselbe nach
Überschreitung der jeweiligen Sättigkeitsgrenze ausscheiden müssen, und zwar im
allgemeinen um so mehr, desto‘ mehr” man sich dem Zentrum der Auflockerung
nähert, also im Herbst und Winter seewärts und im Frühling und Sommer landwärts.
Ann. d. Hydr. usw. 1915. Heft XII,
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