Thraen, A.: Der Einfluß der Nord- und Ostsee auf den Niederschlag usw.
Der Einfluß der Nord- und Ostsee
auf den Niederschlag in der norddeutschen Tiefebene.
Von Oberlehrer Dr. A. Thraen, Dinslaken.
(Hierzu Tafel 21.)
A
Dig
(Schluß.)
II Teil. Der Einfluß der See auf die anderen meteorologischen
Hauptelemente,
Es sei nunmehr der Versuch gemacht, auch bei anderen Elementen unter
Zugrundelegung von Mitteln aus demselben Zeitraum?!) (1891 bis 1910) Analogien
aufzusuchen, die die Einsicht in die Regenverhältnisse an der deutschen See eventuell
zu vertiefen imstande sind.
A. Wärme. -
a. Einzelabschnitte des Temperaturjahres.
Um ein schärferes Urteil über den Temperaturverlauf in unserem Gebiete
zu ermöglichen, wurden die Mittel unserer 16 Wärmestationen auf das Meeres-
niveau reduziert nach Kremsers empirischer Reduktionstabelle und dann die so
erhaltenen Werte in einer besonderen Tabelle VI nach acht geeigneten Stationsgruppen
übersichtlich gegenübergestellt. Endlich wurden bei allen Gruppen und Monaten
die Gradienten gebildet, d. i. die Differenzen, bezogen auf den Einheitsgrad geogra-
phischer Breite.
Die Gruppen wurden so gewählt, daß jedesmal einer Seestation eine Land-
station gegenübersteht, mit Ausnahme von Schleswig, wo eine Nord- mit einer Ostsee-
station verglichen werden soll.
Bei der Gruppe Memel-Tilksit wurde nicht wie bei den anderen Gruppen die
ungefähre Luftlinie zur Ermittlung des Reduktionsfaktors gemessen, sondern es
wurde nur der westöstliche Abstand berücksichtigt, der ungefähr 1/, eines Einheits-
grades beträgt. Dies wurde getan, um auch an einem Beispiele die westöstliche
Temperaturabnahme bzw. -zunahme schärfer beweisen zu können, während ja die
anderen Gruppengradienten im ganzen nur die analogen Verhältnisse in nordsüdlicher
Richtung darzutun geeignet sind. |
Januar. Die Temperatur nimmt in diesem negativ-extremen Monate regel-
mäßig ab, westöstlich?) und landeinwärts.
Bedeutend schärfer ließe sich der temperaturerhöhende Charakter der deutschen
See ermessen, wenn wir unsere Wärmemittel mit der mittleren. Temperatur der
zugehörigen Breitengrade vergleichen würden, ähnlich so wie dies P. Vujewic für
die Balkanhalbinsel getan hat?). Wegen der geringen Zahl der von uns benutzten
Wärmestationen sei statt dessen auf Köppens Karte*) „„Isanomalen der Temperatur
im Januar‘ hingewiesen.
Nach ihr liegt unser Gebiet zwischen den Isanomalen von +12° C (Küste)
und +8° C (Festland). Demnach hat unser Gebiet durchschnittlich eine Wärme-
begünstigung von 10°C, wenn die Polhöhe in Betracht gezogen wird. Weiter zeigt
diese Karte deutlich, wie regelmäßig die Wärmebegünstigung unseres Gebietes nach
dem Osten him abnimmt.
Kiel verhält sich nach unserer Tabelle VI zu Husum wie eine Binnenland-
station. Die Temperaturverhältnisse sind demnach ein getreues Abbild der Nieder-
schlagsverschiedenheiten.
1) Daß der Niederschlag in unseren Tabellen dem Messungstag zugeschrieben ist, dürfte
praktisch kaum störend ins Gewicht fallen. >
. 2) Den scharfen Gegensatz zwischen West und Ost zeigt. Philippsons Isothermenkarte
(„Europa‘). (Bibliographisches Institut.) N
3) Geographischer Jahresbericht aus Österreich, X. Jahrg. 1912, S, 96 bis 114.
" v. Hann-Süring: „Meteorologie“. IIL Aufl... Tafel V