542
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1915.
Nur auf einige Punkte sei kurz hingewiesen. Guyou!®) gibt der Tafel der
Meridionalteile eine Anordnung, die von der gewohnten abweicht. Er bezeichnet
mit Z/ die zu einer Breite gehörenden Meridionalteile, mit co4 die Meridionalteile,
welche zu dem Komplement dieser Breite gehören, und stellt dann in der Tafel
das 2 und co4 für jede Breitenminute nebeneinander. Da die 4 der Minuten von
0° bis 45° die coli der Minuten von 90° bis 45° sind, so stehen an der linken
Seite der Tafel die Breitenminuten von 0° bis 45° und an der rechten Seite die
von 90° bis 45°. Die Tafel der Meridionalteile, welche in der gewohnten Anordnung
von 0° bis 90° fortschreitet, ist bei Guyou also gleichsam bei 45° eingeknickt!"), in
derselben Weise, wie es bei den trigonometrischen Tafeln zu geschehen pflegt.
Guyou hat diese Anordnung getroffen, weil in den von ihm angegebenen
Methoden vielfach zu den Meridionalteilen eines Winkels die zu dem Komplement
dieses Winkels gehörenden Meridionalteile gesucht werden. Bei der gebräuchlichen
Anordnung der Tafeln müßte erst der zu den Meridionalteilen gehörende Winkel
gesucht, dann das Komplement dieses Winkels bestimmt und zuletzt die dazu ge-
hörenden Meridionalteile in der Tafel gesucht werden, während in der neuen An-
ordnung einfach die danebenstehende Zahl genommen wird.
Folgende Tafel gibt ein Bild von der Guyouschen Anordnung.
Tabelle 16. Aus der Tafel von Guyou.
' co2 | Breite
5° 300.4 | 107646
10 603.1 | 83752
15 910.5 69703
20 1225.1 5965.9
25 1550.0 51788
85
80
75
70
659
30°
35 |
40
15
1888.4 4527.4
22443 39680 |
2622.7 2 34745
20999 20299
60
55
50
45°
Breite ) coA4 |
Die Werte der Guyouschen Tafel stimmen überein mit der Tafel von Men-
doza von 1791 für die Kugel.
Die Tafel der Meridionalteile in der Form von Guyou ist übernommen von
Börgen in der zuerst genannten Arbeit von 1898 und von G. Friaucourt, Tables
de logarithmes et tables de navigation. Edition stereotype. — 3° tirage. Paris 1903.
Börgen schlägt in der Abhandlung von 1898 für die Meridionalteile einen
neuen Namen vor. Er sagt (S. 4): „Im nachfolgenden werden nun diese Zahlen
(nämlich die Meridionalteile) nicht allein für die Breitengrade gebraucht, sondern
allgemein für jeden beliebigen Winkel, und da dürfte es sich empfehlen, eine Be-
zeichnung für dieselben einzuführen, welche jede spezielle Beziehung ausschließt.
Hierfür scheint die Bezeichnung Mercatorsche Funktion ganz besonders
empfehlenswert zu sein, da sie zugleich dem Andenken des großen Geographen eine
wohlverdiente Huldigung darbringt und an die enge Beziehung zu der seinen Namen
tragenden Kartenprojektion erinnert. Wir werden sie im folgenden mit f (x) be-
. . Intg (459° + 4x) «
zeichnen. und es ist f (x) = a
Auf der ersten Seite derselben Abhandlung von 1898 sagt Börgen: „In
neuerer Zeit macht sich in nautischen Kreisen mehr und mehr das Bestreben geltend,
die allzu große Fülle der zur Erleichterung der astronomischen Rechnungen kon-
struierten Tabellen so viel wie möglich einzuschränken und namentlich die bisher üb-
lichen logarithmisch-trigonometrischen Tabellen durch eine einzige Tafel, die der
Meridionalteile, zu ersetzen.‘ Er zeigt in den beiden Aufsätzen, daß man in der Tat
alle Aufgaben der nautischen Astronomie und somit überhaupt alle Aufgaben der
nautischen Praxis mit der einzigen Tafel der Meridionalteile lösen kann, so daß,
wenn die neuen Methoden sich in der Praxis durchsetzen, der Gedanke Guyous
(a. a. O0. S. 4) verwirklicht wird, daß „die Tafel der Meridionalteile bestimmt ist,
eines Tages das Universalrecheninstrument der Seeleute zu werden‘‘.
2
Breite
110) Les problömes de navigation..., 1895. Tafel XV; vielleicht hat er schon in seinen Tables
de poche, 1885, die mir nicht zugänglich waren, der Tafel diese Form gegeben.
u) Vol, C. Börgen., 1898. S. 35.