Retzow, U.: Die interdiurne Veränderlichkeit der Lufttemperatur in Europa. 519
Die so mannigfachen Erörterungen über die Beziehungen zwischen Tem-
peratur- und Luftdruckänderungen gehören nicht in den Rahmen dieser Ab-
handlung. Dennoch fordert die von H. Bahr!) durchgeführte Berechnung der
interdiurnen Veränderlichkeit des Luftdrucks zu einem Vergleich mit den Ergeb-
nissen der vorliegenden Arbeit auf, Eine derartige Gegenüberstellung der Re-
sultate erscheint mir um so mehr angebracht, als die Berechnung dieser beiden
Elemente auf derselben Grundlage erfolgte und auch eine kurze Zusammenfassung
der hier erlangten Ergebnisse gestattet.
Die größte Veränderlichkeit der Temperatur fand sich im kontinentalen
Klima, und zwar im NO Europas; von hier aus nahmen die Werte nach dem
Meere und nach S hin ab... Das Maximum der Veränderlichkeit des Luftidrucks
dagegen liegt nach der Arbeit von Bahr für unser Gebiet auf dem Atlantischen
Ozean im NW der britischen Inseln. Von hier aus erfolgt die Abnahme land-
einwärts und nach Süden. »Die interdiurne Veränderlichkeit der Temperatur
und des Luftdrucks stehen also in bezug auf ihre geographische Verteilung in
entschiedenem Gegensatz.« Das ist dasselbe Ergebnis, welches v. Hann?) bereits
in die oberen Worte gekleidet hat.
Bei dem jährlichen Gange der beiden Elemente, wie er in den einzelnen
Monatswerten zum Ausdruck kommt, ist die große Ähnlichkeit beider Kurven
unverkennbar. Sowohl der jährliche Verlauf der Veränderlichkeit des Luftdrucks
als auch der der Temperatur weisen die größten Werte im Winter auf, während
die kleinste Veränderlichkeit im Sommer zu suchen ist.
Schwerer gestaltet sich aber der Vergleich des täglichen Ganges, da in
der Arbeit von Bahr genauere Zahlenangaben hierüber nicht vorhanden sind.
Ich muß mich deshalb an die Beschreibung halten, die er von dem Verlauf
während der einzelnen Tagesstunden gibt, und zwar beziehen sich diese Angaben
auf .das Jahresmittel. »Die Mittelwerte lassen einen täglichen Gang in Form
einer einfachen Welle mit einem Maximum am Vormittage, einem Minimum in
den Nachmittagsstunden deutlich erkennen. Das Maximum tritt im Jahresmittel
um 7h V und 82 V mit 4.01 mm ein, das Minimum um 65N und 7®N mit 8.81 mm.«
(Bahr.) Mit diesen Angaben steht nun der Verlauf der Veränderlichkeit der
Temperatur im Gegensatz, da wir gesehen haben, daß dieser zwei Maxima besitzt;
das eine trat in den frühen Morgenstunden ein, während der andere Maximalwert
zur Zeit der höchsten Temperatur erreicht wird.
Daß für den‘ täglichen Gang der Veränderlichkeit des Luftdrucks die
Zerlegung in einen sommerlichen und winterlichen Verlauf, wie er sich für die
Veränderlichkeit der Temperatur notwendigerweise ergeben hat, nicht vor-
genommen ist, beeinträchtigt den Vergleich sehr. Die wenigen Andeutungen
darüber können: aber nicht dazu benutzt werden, »Größer sind naturgemäß die
Unterschiede in der Veränderlichkeit zu verschiedenen Tagesstunden in den
jahreszeitlichen und noch mehr in den monatlichen Mitteln, Der Eintritt der
Extreme wechselt von Monat zu Monat.« (Bahr.)
Als ein weiteres übereinstimmendes Merkmal der beiden Elemente erweist
sich die Abhängigkeit von der geographischen Breite. Die Veränderlichkeit des
Luftdrucks nimmt ebenso wie die der Temperatur mit wachsender Breite zu.
Dasselbe läßt sich auch von ihrem Verhalten in bezug auf die Höhenlage
sagen. Mit der Erhebung über dem Meeresspiegel nimmt die Veränderlichkeit
zu. Doch sind gerade hierüber noch die Untersuchungen im Gange und werden
besonders auch auf die höheren Luftschichten ausgedehnt. »Von den eben erst
begonnenen Untersuchungen der Druck- und Temperaturschwankungen in den
Höhenschichten der freien Atmosphäre dürfen wir daher die wichtigsten Auf-
schlüsse über die Natur der noch so viel Rätselhaftes bietenden wandernden,
entstehenden und vergehenden Zyklone und Antizyklone und damit unserer
Wetteränderungen überhaupt erwarten.« (Köppen?.)
.-) H. Bahr, Die interdiurne Veränderlichkeit des Luftdrucks: A. a..O., We
. ?) J. v. Hann, Die gleichzeitigen interdiurnen Luftdruck- und Temperaturänderungen auf
dem Sonnblickgipfel und zu Salzburg. Sitzungsber. d. Wiener Akademie. CXXIL. 1913. BO
3) W. Köppen, Die Beziehungen zwischen Druck, Temperatur, Luftströmung und..De-
pressionsbahn. Annalen der Hydrographie, Mai 1914.