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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Retzow, U.: Die interdiurne Veränderlichkeit der Lufttemperatur in Europa. 
515 
Neufahrwasser .-+17.4°, — 14.4° [31.89]. 
Kiel + 12.4°, — 9.70 [22.19]. 
Keitum —410.0°, — 9.6° [19.69]. 
Berlin +16.49, — 12.6° [29.09]. 
Breslau +17.9°, — 16.4° [34,39]. 
München 11839 — 18.7° [37.001 
Und zum. Vergleich war noch herangezogen: 
Haparanda -+23.0°%, — 20.4° [43.49]. 
Daß die Kenntnis der Temperaturänderungen von bestinımter Größe in 
klimatologischer Beziehung von großer Wichtigkeit. ist, wurde bereits erwähnt, 
In diesem Zusammenhange möchte ich noch darauf hinweisen, daß man ganz 
allgemein die‘ interdiurne Veränderlichkeit zur Beurteilung hygienischer Ver- 
hältnisse heranzuziehen versucht hat. Als einer der ersten hat sich. der Genfer 
Arzt Lombard!) mit dieser Frage beschäftigt. Von den vielen anderen Ver- 
suchen, die nach dieser Richtung hin angestellt wurden, möchte ich nur den von 
Kremser?) unternommenen an dieser Stelle anführen, in dem er die mittlere 
Veränderlichkeit‘ der Temperatur gegenüberstellt der Sterblichkeitsziffer. Das 
von ihm‘ berechnete Zahlenmaterial führt in der genannten Abhandlung zu dem 
Ergebnis: »Je größer die Veränderlichkeit, desto größer ist. die Sterblichkeit in 
den verschiedenen Provinzen des preußischen Staates« (S. 12). 
Swinemünde 
Hamburg 
Hannover 
Magdeburg 
Bambere 
$ 1606 
= 2 \ UA 
+56 — 82° DaSer 
1168 — 16.60 [27. of 
41689 — 17.00 0 
So 1500 Bot 
"go [36.597 
VI. Die Dauer gleichartiger Änderungen. 
Außer den Betrachtungen über Änderungen der Morgentemperatur von 
bestimmter Größe, wie sie in dem vorhergehenden Kapitel angestellt sind, sollen 
hier noch einige Angaben über die Dauer gleichartiger (also positiver oder 
negativer) Änderungen gemacht werden. 
Zu diesem Zwecke habe ich einige der Stationen ausgewählt.‘ Die Be- 
rechnung der einzelnen Werte geschah folgendermaßen: Für jeden Monat wurde 
die Anzahl der Tage mit positiven Änderungen durch die Anzahl der -gleich- 
artigen Aufeinanderfolgen dividiert; die gleiche: Operation für die negativen 
Werte durchgeführt ergab die Dauer der negativen Änderungen). Jeder Tag, 
der gegen den vorhergehenden keine Änderung besaß und zwischen einer positiven 
und einer negativen Änderung eingeschlossen war, wurde für die Rechnung 
nicht in Betracht gezogen. Lag” dagegen die Änderung 0° zwischen zwei gleich- 
sinnigen Änderungen, so wurde dieser Tag bei der Gruppe mitgerechnet. . Auf 
diese Weise entstanden die Monats- und daraus die Jahreswerte für die Dauer 
der positiven und negativen Änderungen. Da positive Anderungen eine Er- 
wärmung gegen den vergangenen Tag bedeuten, negative aber eine Abkühlung, 
so erhält man hiermit die mittlere Dauer der Erwärmungen und der Abkühlungen. 
Man erkennt leicht (Tab. XV), daß im Jahresmittel die Dauer der positiven An- 
derungen größer ist als diejenige der negativen. Ferner übertrifft die Dauer der Er- 
wärmungen während der Monate März bis August die Dauer der Abkühlungen, 
Dieser Umstand findet seine Erklärung in dem Überwiegen der Insolation während 
dieser Monate. Hierauf läßt sich auch die Verschiebung zurückführen, welche 
‘) Lombard: Trait6& de la climatologie medicale, Tome I. ; . 
2) V, Kremser: Über die Veränderlichkeit der Lufttemperatur in Norddeutschland, a. a, O. 
3) An einem Beispiel sei die Berechnungsmethode dargestellt: In München treten im Mai 1892 
folgende Änderungen gegen den vergangenen Tag ein: ; . 
| 1 ; 1 2 . Z 8 3 
= 25 28 2.1 09 als 30 33 17 SE ler) 19 =] 
Sn 4 ; 4 ; 5 ; 
ver eran | „mar ia. | ar un, : 
fe 0.7 33 3.1 06 40 1033 Salz _22 7 Al 
Hier hat man also 22.Tage mit positiven Änderungen, welche in fünf Gruppen aufeinander folgen. 
Dividiert ‚man die Anzahl der Tage durch: die. Anzahl der Gruppen, so erhält man die Dauer. der 
Änderungen in positivem bzw. negativem Sinne, also in diesem Beispiel für die Dauer der Erwärmungen 
” — 4.40 Tage, für diejenige der Abkühlungen 2 =— 225 Tage.
	        
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