Thraen, A.: Der Einfluß der Nord- und Ostsee auf den Niederschlag usw. 509
Winter. Auch im Winter nimmt der relative Regenertrag nach dem Lande hin
im allgemeinen ab. Dies soll die folgende kleine Tabelle zeigen, in der für vier Teil-
gebiete unseres Niederschlagsbezirkes Beispiele enthalten sind.
Station |
Seehöhe |
(m) _
Winter-
Niederschlags-
koeffizient
Station
Seehöhe |
{m}
Winter-
Niederschlags-
koeffizient
Barsenicken 28 0.85 Nusse 35
Grünthal 7 43 0.64 Plau 83 |
Kolbergermünde | 3 | 0.79 ‚Jever . | 10 0.91
Schneidemühl 57 0.70 Hannover 55 0.81
In dieser Tabelle stellt sich die Regenabnahme landeinwärts um so bemerkens-
werter heraus, als die seeferne Station hier jedesmal eine größere Seehöhe hat. Größerer
Seehöhe entspricht aber sonst ein größerer Niederschlagskoeffizient für den Winter!
Die Linien gleicher Koeffizienten für den Winter stellen sich nun bei unseren
20jährigen Mitteln noch nicht so regelmäßig, daß sich der zugehörige Kartenentwurf
zur Veröffentlichung eignete. Es sei nur noch festgestellt, daß die Isokoeffizienten
im Osten bedeutend näher an die See herantreten (Binnensee der Ostsee ohne den
echtozeanischen Charakter!), und daß der Verlauf der Linien mehr der nordsüdlichen
Richtung sich nähert. — Dieses zeigt auch Hellmanns Regenkärtchen für den
Winter (Regenwerk, Bd. I, S. 80, Figur 3). Die hier vorhandene 18 °/,-Linie (18°,
= 0.73 nach Angot) läuft fast genau so wie die 0.75-Linie unseres Materials, so daß
also nach mehrjährigen Beobachtungen der Regenertrag des Winters sich als ein
wenig geringer herausstellt, was durch unsere Tabelle IV bestätigt wird.
Frühling. Bessere zeichnerische Resultate bringt die Auswertung unserer
TabelleIII wiederum für den Frühling. Wir entnehmen der Figur 3 unserer Tafel19,
daß im Frühling eine Umkehr der Niederschlagsverhältnisse stattfindet, in dem Sinne,
daß in dieser Jahreszeit durchweg an der See der Niederschlag relativ geringer
ist als auf dem Lande. i . ;
Die Zunahme landeinwärts erfolgt nach unserer Karte im ganzen regelmäßig,
am schnellsten an der östlichen Hälfte der Ostsee, während in der Abstumpfung
der Extreme an der Nordsee wiederum der reinozeanische Charakter dieses Meeres
zur Geltung kommt. ; |
Im langjährigen Mittel (Tabelle IV) erscheint der Frühling durchweg etwas
regenärmer. ; i .
Dasselbe sagt uns Hellmanns Frühjahrskärtchen (Regenwerk, Bd, I, S. 80,
Figur 4). Der 20 %,-Linie, der rechnerisch unsere 0.79-Linie entspricht, läuft auf
unserer Karte die 0.85-Linie ungefähr gleich. |
Sommer. ‚Unser Niederschlagskärtchen für den Sommer (Figur 4 auf Tafel 19)
zeigt wie die Frühjahrskarte ein Mehr des Niederschlags auf dem Lande, und zwar
sind die Gegensätze zwischen Meer und’ Land wieder schroffer im Osten — ent-
sprechend dem mehr kontinentalen Charakter des Sommers in Ostdeutschland!
Ähnlich unserer 1.38-Linie verläuft auf Hellmanns Karte (Regenwerk, Bd.TI,
S. 81, Figur 5) die 36 °/,-Linie, der die 1.43-Linie nach Angots Koeffizienten rech-
nerisch entspricht, weshalb sich der Niederschlag nach längeren Beobachtungen
als etwa größer herausstellt, wie auch unsere Tabelle IV im großen und ganzen
bestätigt.
_ Januar. Vom Januär gilt fast genau dasselbe wie vom Winter im allgemeinen:
Der Niederschlag nimmt im ganzen landeinwärts ab, am schnellsten an der Ostsee,
wo der schon fast kontinentale Winter die Isokoeffizienten zu annähernd nord-
südlicher Richtung zwingt. . .
Wie beim Winter sind auch im Januar die Kurvenverhältnisse nach unseren
20jährigen Mitteln nicht so regelmäßig, daß das Kärtchen einer Veröffentlichung
würdig wärel).
1) Der hier und im folgenden wiederholt festgestellte unregelmäßige Verlauf unserer „Iso-
koeffizienten‘“ hat seinen Grund unter anderem offenbar in der Tatsache, daß die bürgerlichen Monate
vermutlich ungeeignete Abschnitte des Regenjahres in Deutschland sind. Man vergleiche hierüber den
Aufsatz des Verfassers in der „„‚Meteorologischen Zeitschrift“. Jahrgang 1915. Oktoberheft.