m.
>
+
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1915.
Ausgenommen sind folgende Gebiete, die ihr Niederschlagsmaximum im
August (also nach dem Herbst hin) haben:
1. Die Gegend nördlich von Königsberg,
2. die Küste von Hinterpommern, etwa von Kolbergermünde bis Hela,
3. ein Teil der vorpommerschen Inseln,
4. die ganze Nordseeküste,
5. Schleswig.
Bei Helgoland und Keitum ist neben dem Augustmaximum noch ein zweites
(fast ebenso hohes) im Oktober zu verzeichnen, — Die vorstehenden Feststellungen
weichen zum Teil ab von dem Inhalt des Kärtchens auf S. 84 (Figur 8), Bd. I des
eingangs genannten Regenwerkes von Hellmann‘).
Es soll daher weiter nach der Tabelle IV, die unsere Mittelwerte mit lang-
jährigen Mitteln vergleicht, untersucht werden, ob unsere Abweichungen von den
Feststellungen Hellmanns etwa der relativ kurzen Beobachtungszeit zuzu-
schreiben sind.
Wir finden 1.: In Königsberg haben Juli und August nach 35jährigen Beob-
achtungen genau den gleichen Koeffizienten; nach 50- und 60jährigen Mitteln neigt
sich die Wagschale mehr und mehr dem August zu. — Tilsit behält in den 35Jährigen,
50jährigen, 60jährigen und 70jährigen Mitteln den August als Maximum bei. —
Memel eignete sich zur Ableitung der 35jährigen Mittel im ganzen zwar nicht, da
die Glaubwürdigkeit der Niederschlagsbeobachtungen bei Hellmann?) angezweifelt
wird; dennoch berechnete der Verfasser für August und Oktober die 35jährigen
Mittelwerte und fand dabei, daß der August auch in Memel das Maximum der monat-
lichen Niederschläge aufweist. (Für die von Hellmann benutzte Zeit von 1876
bis 1890 liegt das Maximum allerdings im Oktober.)
2. Von Hinterpommern hat Hellmann?) noch kaum eine unserer Stationen
benutzt.
3. Von Vorpommern hat in der genannten Tabelle?) Putbus im 50jährigen
Mittel das Maximum im August.
4. In die Nordseezone, die auf dem erwähnten Kärtchen von Hellmann‘)
das Maximum im Oktober hat, gehört die Station Borkum, die indes nach unserer
Tabelle IV im 35jährigen Mittel ihr Augustmaximum beibehält. Auch die anderen
Küstenstationen an der Nordsee behalten nach längeren Beobachtungen ihr Maximum
im August bei, wogegen die Inselstationen Helgoland und Keitum nach 35jährigem
’Mittel ihr Maximum wie bei Hellmann®) im Oktober zeigen.
Es hat deshalb den Anschein, als ob unsere 20jährigen Mittel bis auf die eine
Ausnahme auch in dieser Hinsicht als fast normal gelten können. Anderseits be-
stätigt sich die Vermutung, die Hellmann selbst ausspricht, daß seine Grenzkurven
zwischen den Gebieten der verschiedenen monatlichen Maxima nur ungefähre sind
und daß „in Wahrheit ganz allmähliche Übergänge von dem einen ins andere Gebiet
stattfinden müssen“‘.
Um diese allmähliche Verschiebung vom Sommer- nach dem Herbstregen nach
ihrer eventuellen Regelmäßigkeit hin zu untersuchen, hat der Verfasser für alle
Stationen die Quotienten aus dem August- und Julibetrag gebildet.
Figur 1 auf Tafel 19 stellt die kartographische Auswertung dieser Zahlengrößen
dar. Wir sehen, daß die Linien gleicher Quotienten im ganzen zur deutschen
Seeküste wirklich parallel verlaufen, wodurch ja der Einfluß der See auf den Eintritt
des monatlichen Maximums erwiesen ist. Zugleich zeigt uns diese Figur, daß die
Zone dieses See-Einflusses an der Nordsee und an der Umgebung der Danziger Bucht
— den beiden Küstengegenden ohne dahinter liegenden Landrücken — am
weitesten reicht. —
Neuerdings hat Hellmann die oben angeführten Resultate seines großen
Regenwerkes in einer besonderen Arbeit®) unter Benutzung des Beobachtungs-
1) Von einer späteren nach Abschluß dieser Arbeit erfolgten Richtigstellung durch Hellmann
ist weiter unten die Rede.
2) „Regenwerk‘, Bd. IT, S. 4, Fünfjahrmittel.
“ „Regenwerk“, Bd. I, S. 74, Tabelle 9.
„Regenwerk“, Bd I, S. 85.
"Über die Verteilung der Niederschläge in Norddeutschland“. Berlin, November 1914.