Thraen, A;: Der Einfluß ‚der Nord- und. Ostsee auf den Niederschlag usw. 503
Preußische Seenplatte. Östlich der Weichsel folgt auf eine schmale
regenarme Küstenzone ein. Gebiet von hoher Regenbegünstigung, die vor allem in
dem nordsüdlichen Verlauf der dortigen Ostseeküste ihren Hauptgrund haben dürfte.
Mit der größeren Entfernung von der. See nimmt aber trotz bedeutender
Seehöhe der Niederschlag wesentlich ‚ab, bis endlich die noch größeren Gebirgs-
erhebungen wiederum ein relatives Plus der Niederschläge bedingen.
Pommersche Seenplatte. Zwischen Oder und Weichsel sind die Nieder-
schlagsverhältnisse ganz analog; jedoch bringt offenbar die fast westöstlich verlaufende
Küste eine bedeutend geringere Regenbegünstigung mit sich und im Lee des Land-
rückens liegt eine Zone von intensiver Regenarmut.
Mecklenburgische Seenplatte. Westlich der Oder sind die Verhältnisse
wiederum ähnlich den pommerschen; nur wird dem Regenreichtum hier in der Nähe
der Nordsee schon eine größere Begünstigung zuteil. Weiterhin gibt es — wie schon
oben erwähnt — eine zusammenhängende Zone, der wir einen für unser Gebiet
normalen Regenreichtum zusprechen können. ;
Es dürfte wohl kaum ein Zufall sein, daß diese Zone an der Grenze zwischen
der Ostsee und der Nordsee liegt, also auf der Scheide zwischen der echtozeanischen
westlichen See und dem östlichen Meere, dem der Charakter einer Binnensee eigen ist.
Hinterland der Nordsee. Auch.an der Nordseeküste sind die Verhältnisse
im ganzen analog den vorangegangenen Feststellungen. Nur reden die Zahlen zudem
noch deutlich von der ungeheuren Regenbegünstigung dieses Gebietes im Gegensatze
zu den Gebieten an der Ostsee. Hierbei fällt noch bedeutend ins Gewicht die
Tatsache, daß an der Nordsee kein Landrücken die Regenwinde zu verfrühter
Kondensation ihrer der See vorwiegend entstammenden Feuchtigkeit zwingt*).
C. Jährliche Niederschlagsperiode: ;
Zur Darstellung der jährlichen Regenperiode wurde von den bekannten Dar-
stellungsarten die nach Angot gewählt, da ‚sie für regionale Untersuchungen be-
sonders geeignet ist?).
In der Tabelle III sind die Maxima der monatlichen „relativen pluviometrischen
Koeffizienten‘ durch fetten Druck hervorgehoben. Wie ersichtlich, hat die weitaus
überwiegende Anzahl der Stationen ihr Maximum im Juli, in dem Monat der — durch-
schnittlich — größten Sonnenglut,
Tabelle JIL.*)
20jährige Mittel der Niederschlagshöhe nach „relativen pluviometrischen Koeffi-
zienten“. (Beobachtungszeit: 1891 bis 1910.)
Station
; iz law E[EIE
ES aa [2 Elle LANE 3 E
[3/3] 13]= Ela [E88 ]8 har BE
Ostpreußen,
Memel (H) \ 0.85| 0.75] 0.61] 0.68| 0.72]0.89|1.06/1.54|1.15/1.28|1.24/1.20 I 11.97 1 0.67{1.17 1.22/0.94
Memel (B) 0.91! 0.78! 0.62| 0.67| 0.7210.90/1.06/1.52/1.16|1.26]1.2011.19 I 11.99 ı 0.6711.1611.20/0.96
Barsenicken - 0.79| 0.74 0.651 0.70| 0.74/1.12/1.35/1.49/1.21/1.04/1.13|1.01 ı 11.97 1 0.69/1,33 112085
Königsberg 0.79] 0.711.0.661 0.711 0.81|/1.1211.4911.48|1.2210.9611.0210.99 | 11.96 ı 0.7311.37|1.0710.83
* Bemerkungen zur Tabelle II[: 1. Die Werte beziehen sich alle auf den Messungstag.
Da das Jahrbuch der Deutschen Seewarte die Niederschläge dem Tage des Niederschlages zuschreibt,
waren zur Erreichung einer homogenen Notierungsweise für die Stationen der Seewarte Umrechnungen
vorzunehmen. Die hierfür nötigen Einzelwerte wurden -— abgesehen von den 10 »Nofmalstationen«
der Seewarte, deren Beobachtungsergebnisse in extenso veröffentlicht werden — im Auftrage des Ver-
fassers von. sachkundiger Seite durch Vermittlung der Deutschen Seewarte den Original-Beobachtungs-
tabellen entnommen. — 2. Wo der Verfasser denselben Stationsort aus dem System Hamburg (D. 5.)
und. Berlin (K, Pr. M. I) benutzte, sind die Stationen durch Beifügung eines (H) oder (B) besonders
kenntlich gemacht. .
1) Die Untersuchung über die örtlichen Unterschiede in der jährlichen durchschnittlichen
Niederschlagsmenge ist vom Verfasser inzwischen im „Wetter“ (Jahrgang 1915, August- und September-
nummer) auf 374 über Deutschland gleichmäßig verteilte Stationen ausgedehnt worden, An derselben
Stelle findet sich eine Zusammenstellung der Gründe, die den Niederschlag zu einem von Ort zu Ort
ganz besonders veränderlichen klimatologischen Elemente machen,
.2) Ein eingehendes Referat über ‚die Möglichkeiten der Darstellung der jährlichen Nieder-
schlagsperiode siehe in: v. Hann-Süring: „Lehrbuch der Meteorologie‘ (3. Aufl.), S. 346 bis 349.