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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1915.
Strom von etwa 2 Knoten; sein Kentern dauerte etwa eine Stunde. Auf der
Weiterreise von Ponno nach der Rich-Insel (Bagabag) hatten wir während der
Nacht nördliche Stromversetzung, See spiegelglatt, Windstille,
Gegen 4% V sahen wir voraus helles, stark phosphoreszierendes Wasser,
In der Meinung, eine Schar Fische vor uns zu haben, steuerten wir unseren
Kurs weiter, bis wir dicht daran waren und Riffgrund erkannten. Wir befanden
uns beim Hankow-Riff,
Rich-Insel (Bagabag). Nachdem wir die Riffe vor der SO-Seite um-
steuert hatten, liefen wir durch einen Durchbruch des Riffes in den großen
Kraterspalt der Insel, welcher einen prächtigen, nach allen Seiten geschützten
Hafen bildet. Er ist bis dicht an die hohen Seitenwände frei von Gefahren,
Von der Mitte, wo 60 m Tiefe gelotet wurden, nach dem inneren Hafen, wo wir
auf 30 m Tiefe ankerten, fanden wir Schlickgrund. Nachts fiel starker Regen,
wodurch das ganze Wasser eine gelbliche Färbung erhielt. Ein unter solchen Ver-
hältnissen einsteuerndes Schiff könnte versteckte Gefahren fürchten, doch ist
alles rein, man muß nur die Mitte des Hafens halten.
Im November 1913, acht Tage nach Vollmond, wehte im nordwestlichen
Teile Deutsch-Neuguineas heftiger Nordwest. Die hohe See überspülte die Land-
zunge der Warapu-Lagune, die nach der Flutwelle von 1907 stehen geblieben
war, und vernichtete den letzten Rest des Dorfes Arop, so daß auch die Arop-
Leute in das Innere verzogen.
2. Strom- und Windverhältnisse.
Am 2. Juni 1914 auf einer Reise von Hermit-Westeinfahrt nach den Ana-
choreten hatten wir nach mehrtägigem SO-Monsun 16 Sm Stromversetzung nach
WNW in 11 Stunden. Von den Anachoreten westwärts nach der Ninigo-Gruppe
vom 3. zum 4. Juni fanden wir bei schwachem Monsun denselben Strom. Am 5.
und 6. Juni vom südlichen Teil der Ninigo-Gruppe nach Aua fanden wir bei
Windstille etwa 1!/, Knoten westlichen Strom. Die Luft war stark diesig, ein
Vorzeichen, daß der Wind aus anderer Richtung, meist SW, von Neu-Guinea
kommen würde. Dieser Wind kühlt die Luft stets stark ab und bringt Regen
mit. Am 6. Juni 51/,% V erreichten wir Aua, unser Aufenthalt dauerte bis 9% V;
während dieser Zeit nahm der Strom an Stärke ab, die Luft in SW wurde
schaurig, der Wind setzte aus SW ein. Um 9eV hielten wir südsüdwestwärts
nach Wuwulu hinüber; fanden noch westlichen Strom. Um 2®N kamen wir vor
der Station an der Südseite der Insel an, fanden hier in der Bucht sehr kabbe-
lige See, hervorgerufen durch einen Neerstrom und die auflandige See aus SW.
Steuerten 9b N ostwärts nach Awin, Wind sehr schwach, später still, dann leiser
Zug aus NW. Fanden bis Awin am 7. Juni eine kleine Versetzung nach 5. Während
eines zweistündigen Aufenthaltes an der Ostseite von Awin fanden wir einen
ständig südwärts setzenden Strom von etwa %, Knoten. Von Awin nach Maron
fanden wir bei erst schwachem nördlichen Wind eine Versetzung von 8 Sm nach
SSW in 14 Stunden. In Maron am 8. Juni hatten wir es bei Tage gänzlich still.
Abends setzte frische Brise aus NO ein, die allmählich gegen Morgen des 9. Juni
nach NW und am Nachmittage desselben Tages weiter nach SW drehte und
Abkühlung und Regen brachte.
Der Strom scheint fast immer gleichzeitig mit dem Winde eine andere
Richtung anzunehmen, doch ist es unbestimmt. Die in dieser Gegend aus SW
kommenden Böen treten fast immer mit großer Stärke (5 bis 6) und heftigem
Regen auf und haben eine Dauer von !/, bis 2 Stunden.
Während einer Reise von Eitape (Neu-Guinea) nach der Insel Wuwulu
(Matthy) vom 18. bis 14. Dezember 1913 bei Vollmond, schwachem SO-Wind und
hoher Dünung aus NW hatten wir in 15 Stunden 10 Sm Stromversetzung nach
WNW. Im März 1913 auf einer Reise von der westlichen Einfahrt der Hermit-
Inseln nach den Anachoreten hatten wir in 12 Stunden 16 Sm Stromversetzung
nach WSW. An der Südseite der Gruppe war starke Stromkabbelung und Strom
von über 2 Knoten Stärke. Im August 1913 fanden wir auf derselben Reise in
10 Stunden 9 Sm Stromversetzung nach O.