Reinicke, G.: Die Eisverhältnisse d. Winters 1913/14 in d. außerdeutschen Gewässern der Ostsee usw. 475
B. Die Wiedereröffnung der Schiffahrt 1914.
6. Die schwedischen Häfen südlich von Stockholm wurden schon zeitig im
Februar wieder besser zugänglich, und selbst die Binnenschiffahrt zwischen
Nykjöbing und dem Wettern-See konnte schon am.17, II. wieder aufgenommen
werden. Dies dürfte als Ausnahme anzusehen sein; der Göta-Kanal wurde am
11. IV. und der Trollsäller Kanal am 18. IV. wieder eröffnet. Das Feuerschiff
»Kopparstenarne«, dessen Auslegung für die Eisverhältnisse in der nördlichen
Ostsee bezeichnend ist, wurde am 7, IV. ausgelegt.
7. Der Rigasche Meerbusen. Mitte Februar wurde die Durchfahrt bei
Domesnäs durch westlichen Wind frei und blieb auch noch kurze Zeit offen, als
am 22. II. östlicher Wind einsetzte, wogegen das offene Wasser zwischen Domesnäs
und der Düna sehon am selben Tage verschwand. Aus der Düna trieb in den
folgenden Tagen mit östlichem, zunächst südöstlichem Winde viel Eis ab; zwischen
der Düna und Domesnäs wurden in dieser Zeit aber die Eisverhältnisse sehr
schwierig, und auch bald bei Domesnäs, wiewohl das Eis dort in die Ostsee weiter
treiben konnte. Erst als am 16. IIL kräftiger Westwind einsetzte, wurden die
Eismassen so weit vertrieben, daß sie auch später bei flauen umlaufenden Winden
die Durchfahrt nicht wieder versperrten, Ende März war die Fahrt nach Riga
durch Eis nicht mehr behindert.
8. Der Finnische Meerbusen. In Helsingfors ist zwar schon am 4. IL ein
schwedischer Dampfer binnen gekommen, aber ein Eisbrecher, der am 12. II. dort
angekommen ist, hat sich sehr mühsam durcharbeiten müssen, und noch am 27. III
haben sich seinem Weggange sehr schwere Eismassen entgegengestellt; erst außer-
halb Äransgrund hat er freies Wasser gefunden. Diese Meldungen werden ver-
ständlicher an der Hand der Wetterkarten. Am 4. II. hatten eine Zeitlang west-
liche bis nordwestliche Winde geherrscht und die Küste für das Einlaufen des
schwedischen Dampfers am 4, II frei gemacht, als dann aber am 12, IL. der Eis-
brecher nach Helsingfors- kam, hatten südliche Winde das Eis in den Schären
zusammengeschoben. Darauf folgte eine Zeit östlicher und südöstlicher Winde,
die Eis von Osten heranführten, und als der Eisbrecher nach dem Einsetzen
nördlicher bis nordwestlicher Winde am 27. III. von Helsingfors ging, hatten
diese das Eis noch nicht wieder vertrieben.
Im östlichen Teile des Golfs war Ende März noch überall starkes Eis,
man erwartete, daß »Jermack« durchbrechen und am 4, IV, in Kronstadt an-
kommen werde, er ist aber erst am 18, IV. hingekommen, Namentlich zwischen
Gothland und Kronstadt hatten sich seinem Vordringen große Schwierigkeiten
entgegengestellt. Die Schiffahrt auf der Newa ist am 18. IV, 14 eröffnet worden.
9. Der Nordbotten. Öresunds-Greyen und Svartklubben-Öregrund sind am
18. II. offen gewesen und ihre Leuchtfeuer sind an diesem Tage: wieder an-
gezündet worden. Dennoch hat der erste Dampfer erst am 16. III. bis nach Gefle
vordringen können, und in Söderhamn ist sogar erst einen Monat später, am
17. IIL, der erste Dampfer angekommen. Bei dem verhältnismäßig geringen
Breitenunterschiede zwischen Gefle. und Söderhamn läßt sich dies nur durch die
östlichen Winde der zweiten März- und ersten Aprilhälfte erklären. Erst am
15. IV. setzten westliche Winde ein, und demgemäß sehen wir, daß nacheinander
Söderhamn am 17. IV, Hudiksvall am 19. IV., Sundsvall am 20. IV., Örnsköldsvik
am 23, IV. usw. zugänglich wurden, Die oft sehr südliche Richtung der west-
lichen Winde brachte den nördlichsten schwedischen Nordbottenhäfen nicht den
gleichen Vorteil, sie wurden meistens erst in der zweiten Maiwoche, Salamis sogar
erst am 18, V. eröffnet,
Noch viel ungünstiger waren die Winde für die finnische Seite des Nord-
bottens, Bei den Ostwinden im März war an deren Eröffnung noch nicht zu
denken. Als. dann Mitte April zunächst südliche und südwestliche Winde ein-
setzten, wurden zwar die südlichsten Häfen Abo und Nystadt zugänglich, aber
schon in Räfsö erwartete man Mitte April die Eröffnung nicht vor Anfang Mai.