174 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1915.
Verkehr noch nicht sonderlich gestört. Diese Meldung erhält dann aber eine
besondere Beleuchtung durch den Zusatz: »Es werden noch 25 Dampfer erwartet«.
Tatsächlich fiel denn auch der Schluß der Schiffahrt in allen finnischen Häfen
arst in die letzte Dezemberwoche oder, wo Eisbrecher und genügender Verkehr
für Zerkleinerung des Eises gesorgt hatten, erst in die zweite Januarwoche.
Dieser späte Schluß dürfte namentlich auch den steifen nördlichen Winden zu
Janken sein, die am 2. und 3. Januar viel loses Eis abgetrieben haben müssen.
Durch Eisbrecher ist es auch ermöglicht worden, daß das letzte Schiff erst am
23. XII. von St. Petersburg ging.
An der Südseite des Finnischen Meerbusens trat völlige Vereisung nur im
Osten ein. Narya war Ende Dezember und Reval erst nach Mitte Januar für
vewöhnliche Dampfer unzugänglich, In wie hohem Maße die Zugänglichkeit Revals
vom Winde abhängt, darf von früheren Berichten als bekannt vorausgesetzt
werden. Äransgrund-Feuerschiff, das erst eingezogen zu werden pflegt, wenn
zo viel Eis vorhanden ist, daß es bei einer Windänderung gefährdet wäre, wurde
am 9, XII eingezogen,
3. Der Rigasche Meerbusen. Die erste Wintermeldung aus dem Rigaschen
Meerbusen besagte, daß dort am 10, X. ein schwerer Schneesturm herrsche, bei
dem alle Arbeit eingestellt sei und die Bergungsdampfer voll beschäftigt wären,
den Schiffen, die in der Bucht Notsignale zeigten, Hilfe zu leisten. Dann berichtete
die erste eigentliche Eismeldung vom 24. XIL, das Eis werde von Boldera aus
durch Eisbrecher aufgebrochen und treibe bei frischem SO-Winde langsam ab.
Von da an haben sich dann die Eisverhältnisse für die Schiffahrt offenbar schnell
verschlechtert, Am 27. XIL hatten die Eisbrecher, trotzdem die Temperatur wieder
auf 0° gestiegen war, schwere Arbeit durchzukommen, weil westlicher Wind das
Eis nicht zum Abtreiben kommen ließ. Zwar wird die See vor der Düna-Mündung
dabei eisfrei, bessere Eisverhältnisse traten aber erst wieder ein, als das Eis am
5. I. mit südöstlichem Winde aus der Düna trieb. Diese Windrichtung dürfte
aber wieder als die unmittelbare Ursache des Aufhörens der Schiffahrt in Pernau
am 6. I. anzusehen sein, Vom 12.1. an kamen Eismeldungen von Domesnäs und
von der Westseite des Meerbusens. Zunächst lassen sie erkennen, daß sich das
Fahrwasser dort bei südwestlichen und westlichen Winden ziemlich eisfrei hielt,
aber auch, daß zuvörderst weit draußen Eis erschien und nach dem Fahrwasser
von Domesnäs bis zur Düna-Mündung vorrückte, sobald Windstille oder gar OÖst-
wind einsetzte. Nach dem 20. I. bedurfte es schon einiger Tage westlichen Windes,
che das Fahrwasser vor dem Westufer des Meerbusens wenigstens so weit frei
wurde, daß es den dort im Eise eingeschlossenen Dampfern mit Hilfe der Eis-
brecher oder mit eigener Kraft gelang, freizukommen. So schwanken dort wohl
in den meisten Jahren die Verhältnisse hin und her: Auf- oder Zugehen des
Fahrwassers hängt fast nur von der Windrichtung ab, und man kann weder das
eine noch das andere als Schluß oder Eröffnung der Schiffahrt bezeichnen. Die
Eisverhältnisse in der Düna scheinen nach den Meldungen schon in der ersten
Februarhälfte 1914 wieder etwas besser geworden zu sein, als sie Ende Januar
waren; man darf aber nicht übersehen, daß jetzt der eigentliche Verkehr ruhte
und daß nur Eisbrecher ein- oder ausliefen, die den Dampfern draußen in freies
Wasser zu helfen suchten.
4. Libau und Windau haben nur gemeldet, daß das Feuerschiff vor Libau
am 13. I. eingezogen worden ist und daß die Eisbrecher am 18.1. 14 Dampfer
nach Windau gebracht hatten.
5. Die schwedischen Gewässer südlich von Stockholm sind nach den Zeitungs-
meldungen den ganzen Winter über zugänglich gewesen, MNäheren Aufschluß
darüber gibt die Tabelle weiter hinten. Über Feuerschiffe wurde gemeldet,
»Kopparstenarne« sei am 5. I, »Svenska Björn« am 12. LI, »Utgrunden« am 14. I.
Eises wegen eingezogen.