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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1915.
durch mehrere anatomische Eigenheiten unterscheiden, Die erste Familie bilden
die Glattwale (Balaenidae). Sie zeichnen sich durch ein schmales und stark
gebogenes Rostrum aus. Ihre Halswirbel sind miteinander verschmolzen, eine
Rückenflosse fehlt den Arten der Gattung Balaena, zu der als bekannteste Form
der Grönlandwal (Balaena mysticetus, L.) gehört. Er trägt jederseits fast
400 schwarze Bartenplatten, die eine Länge bis zu 2.5 m erreichen. Obwohl der
Grönlandwal, der selten über 20 m lang wird, von anderen Walarten an Größe
übertroffen wird, macht er doch, nach Kückenthal, den Eindruck eines ge-
waltigen Riesen durch den ungeheuren Umfang seines Leibes und die Größe
seines Kopfes, der !/, der Körperlänge erreicht. Die Nasenlöcher liegen bei ihm
auf einer flachen Erhebung, hinter der sich eine schwache Einsenkung kenntlich
macht. Die Brustflossen stellen bei ihm plumpe Schaufeln dar, mit schwach ge-
wölbtem oberen und stark gewölbtem unteren Rande, Entsprechend der kurzen,
abgerundeten Gestalt der Brustflosse treten die einzelnen Fingerstrahlen diver-
gierend auseinander, Die Schwanzflosse ist von halbmondförmiger Gestalt und
weist in der Mitte ihres Randes eine tiefe Einkerbung auf. Seine Farbe ist oben
blauschwarz, an den Seiten heller, am Bauche grau, Seine Ausbreitung wird
durch die Eisgrenze bestimmt. Niemals entfernen sich diese Tiere, nach Kücken-
thal, weit vom Eise. Ein bedeutend kleinerer Wal, der nur reichlich 12 m lang
wird, ist der Nordkaper oder Biscayerwal (Eubalaena glacialis, Bonn.),
der den Norden des Atlantischen Ozeans bewohnt. Charakteristisch für ihn
ist die kolbenförmig verdickte Schnauze und die hohe, wellig eingekerbte
Unterlippe.
Den echten Balaeniden schließt sich eine im Süd-Pacifie heimische
kleine Art, Neobalaena marginata, Gray, an, die sich u, a. durch eine nur
vierfingerige Hand und durch weiße Barten auszeichnet. Sie trägt eine sichel-
förmige, kleine Rückenflosse, Ein flaches Rostrum kennzeichnet die Arten der
zweiten Familie, die Grauwale (Rhachianectidae). Ihr Kopf ist nur klein
und ihre Barten sind kurz. Dagegen ist die Brustflosse lang und schmal;
außerdem sind bei dieser Art zwei Kehlfalten vorhanden. Als typische Art nenne
ich den Kalifornischen Grauwal (Rhachianectes glaucus, Cope), der eine
Länge von 15 m erreicht, Er hat eine scheckige, grau bis schwarze Farbe und
bewohnt den Nord-Paecifie bis zum Äquator. Scammon berichtet, daß die Weibchen
dieser Art in den Wintermonaten zum Abwurf ihrer Jungen in den Flußmündungen
an der amerikanischen Küste erscheinen,
Hieran schließt sich als dritte und letzte Familie die der Furchen- oder
Finwale (Balaenopteridae). Es sind mächtige Geschöpfe, die, wie für den
Blauwal bereits angegeben, eine Länge bis zu 30 m erreichen. Gleich den
vorigen haben auch sie einen kleinen Kopf und ein flaches Rostrum. Ihre Hals-
wirbel sind getrennt. Außerdem besitzen sie als Hauptcharakteristikum zahl-
reiche Kehlbauchfalten,
Der größte Finwal ist der Blauwal (Balaenoptera musculus, L.) und
damit überhaupt das größte aller lebenden Säugetiere. Seine Färbung ist ein-
farbig blaugrau bis schieferfarben, er trägt eine sehr kleine, meist nach hinten
liegende Rückenflosse, In seiner Mundhöhle hängen etwa 400 schwarze Barten.
Die Länge seiner Brustflossen beträgt !/, seiner Körperlänge. Seine Nahrung
besteht ausschließlich aus sehr kleinen pelagischen Organismen, die in den
nördlichen Meeren in ungeheurer Menge vorkommen, Nach Norden dringt der
Blauwal im Sommer bis zur Bäreninsel und weiter zur Westküste Spitz-
bergens, wo ihn Kückenthal selbst beobachtete.
Der eigentliche Finwal (Balaenoptera physalus, L.) wird höchstens
21 m lang. Die Länge seiner Brustflossen beträgt !/, seiner Körperlänge. Seine
360 Barten sind grau gefärbt, mit Ausnahme der ersten Reihen rechts, die weiß
sind. Sie erreichen kaum die Länge von 1 m. Er ist der häufigste an den
Küsten Finmarkens vorkommende Bartenwal. Seine Hauptnahrung scheint
die Lodde (Osmerus arcticus), sowie ein zollanger Krebs (Thysanopoda
inermis) zu sein.