accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

138 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1915. 
durch mehrere anatomische Eigenheiten unterscheiden, Die erste Familie bilden 
die Glattwale (Balaenidae). Sie zeichnen sich durch ein schmales und stark 
gebogenes Rostrum aus. Ihre Halswirbel sind miteinander verschmolzen, eine 
Rückenflosse fehlt den Arten der Gattung Balaena, zu der als bekannteste Form 
der Grönlandwal (Balaena mysticetus, L.) gehört. Er trägt jederseits fast 
400 schwarze Bartenplatten, die eine Länge bis zu 2.5 m erreichen. Obwohl der 
Grönlandwal, der selten über 20 m lang wird, von anderen Walarten an Größe 
übertroffen wird, macht er doch, nach Kückenthal, den Eindruck eines ge- 
waltigen Riesen durch den ungeheuren Umfang seines Leibes und die Größe 
seines Kopfes, der !/, der Körperlänge erreicht. Die Nasenlöcher liegen bei ihm 
auf einer flachen Erhebung, hinter der sich eine schwache Einsenkung kenntlich 
macht. Die Brustflossen stellen bei ihm plumpe Schaufeln dar, mit schwach ge- 
wölbtem oberen und stark gewölbtem unteren Rande, Entsprechend der kurzen, 
abgerundeten Gestalt der Brustflosse treten die einzelnen Fingerstrahlen diver- 
gierend auseinander, Die Schwanzflosse ist von halbmondförmiger Gestalt und 
weist in der Mitte ihres Randes eine tiefe Einkerbung auf. Seine Farbe ist oben 
blauschwarz, an den Seiten heller, am Bauche grau, Seine Ausbreitung wird 
durch die Eisgrenze bestimmt. Niemals entfernen sich diese Tiere, nach Kücken- 
thal, weit vom Eise. Ein bedeutend kleinerer Wal, der nur reichlich 12 m lang 
wird, ist der Nordkaper oder Biscayerwal (Eubalaena glacialis, Bonn.), 
der den Norden des Atlantischen Ozeans bewohnt. Charakteristisch für ihn 
ist die kolbenförmig verdickte Schnauze und die hohe, wellig eingekerbte 
Unterlippe. 
Den echten Balaeniden schließt sich eine im Süd-Pacifie heimische 
kleine Art, Neobalaena marginata, Gray, an, die sich u, a. durch eine nur 
vierfingerige Hand und durch weiße Barten auszeichnet. Sie trägt eine sichel- 
förmige, kleine Rückenflosse, Ein flaches Rostrum kennzeichnet die Arten der 
zweiten Familie, die Grauwale (Rhachianectidae). Ihr Kopf ist nur klein 
und ihre Barten sind kurz. Dagegen ist die Brustflosse lang und schmal; 
außerdem sind bei dieser Art zwei Kehlfalten vorhanden. Als typische Art nenne 
ich den Kalifornischen Grauwal (Rhachianectes glaucus, Cope), der eine 
Länge von 15 m erreicht, Er hat eine scheckige, grau bis schwarze Farbe und 
bewohnt den Nord-Paecifie bis zum Äquator. Scammon berichtet, daß die Weibchen 
dieser Art in den Wintermonaten zum Abwurf ihrer Jungen in den Flußmündungen 
an der amerikanischen Küste erscheinen, 
Hieran schließt sich als dritte und letzte Familie die der Furchen- oder 
Finwale (Balaenopteridae). Es sind mächtige Geschöpfe, die, wie für den 
Blauwal bereits angegeben, eine Länge bis zu 30 m erreichen. Gleich den 
vorigen haben auch sie einen kleinen Kopf und ein flaches Rostrum. Ihre Hals- 
wirbel sind getrennt. Außerdem besitzen sie als Hauptcharakteristikum zahl- 
reiche Kehlbauchfalten, 
Der größte Finwal ist der Blauwal (Balaenoptera musculus, L.) und 
damit überhaupt das größte aller lebenden Säugetiere. Seine Färbung ist ein- 
farbig blaugrau bis schieferfarben, er trägt eine sehr kleine, meist nach hinten 
liegende Rückenflosse, In seiner Mundhöhle hängen etwa 400 schwarze Barten. 
Die Länge seiner Brustflossen beträgt !/, seiner Körperlänge. Seine Nahrung 
besteht ausschließlich aus sehr kleinen pelagischen Organismen, die in den 
nördlichen Meeren in ungeheurer Menge vorkommen, Nach Norden dringt der 
Blauwal im Sommer bis zur Bäreninsel und weiter zur Westküste Spitz- 
bergens, wo ihn Kückenthal selbst beobachtete. 
Der eigentliche Finwal (Balaenoptera physalus, L.) wird höchstens 
21 m lang. Die Länge seiner Brustflossen beträgt !/, seiner Körperlänge. Seine 
360 Barten sind grau gefärbt, mit Ausnahme der ersten Reihen rechts, die weiß 
sind. Sie erreichen kaum die Länge von 1 m. Er ist der häufigste an den 
Küsten Finmarkens vorkommende Bartenwal. Seine Hauptnahrung scheint 
die Lodde (Osmerus arcticus), sowie ein zollanger Krebs (Thysanopoda 
inermis) zu sein.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.